Hausärztin und Psychotherapeutin Daniela-Ursula Ibach ist Vizepräsidentin der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg und kandidiert 2026 für die Landesärztekammer. Im Gespräch mit der MEDI Times erklärt sie, warum die vielbeschworene Einheit der Ärzteschaft für sie keine Floskel ist – und welche Sorgen ihr die aktuelle Gesundheitspolitik bereitet.
MEDI: Sie sind seit gut 15 Jahren in der Bezirksärztekammer aktiv, zuletzt als Vizepräsidentin. Was treibt Sie an?
Ibach: Die Kammer ist unsere unabhängige Selbstverwaltung – und die müssen wir in eigenen Händen behalten. Es geht um die Weiterbildung junger Kolleginnen und Kollegen, um Fortbildung, Gutachten und das Berufsgericht. Das sind Aufgaben, bei denen ich froh bin, dass wir sie selbst gestalten können. Dieses Gefühl von Verantwortung für den eigenen Berufsstand treibt mich an – dazu kommt der Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Regionen und Fachgebieten, der mich immer wieder bereichert.
MEDI: Welche konkreten Aufgaben haben Sie als Vizepräsidentin?
Ibach: Im Vorstand der Bezirksärztekammer bin ich stellvertretende Vorsitzende des Weiterbildungsausschusses. In dieser Rolle geht es darum, den richtigen Mittelweg zu finden zwischen berechtigten Anforderungen und einer gewissen Großzügigkeit im Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen. Dabei ist mir wichtig: In der Selbstverwaltung arbeitet niemand für sich allein, es ist immer Teamarbeit – ob in der Weiterbildung oder auch als wir während der Pandemie den Fortbildungsbetrieb kurzfristig auf Online umstellen mussten. All das haben wir gemeinsam gestemmt.
MEDI: Mit welchen Themen konnten Sie in Ihrem bisherigen Amt punkten?
Ibach: Es gelingt mir oft, ausgleichend zwischen unterschiedlichen Positionen zu wirken. Das hat mit meiner Biografie zu tun: Ich war zunächst über den Hausärzteverband Delegierte, bin dann aber zu MEDI gewechselt – weil mir klar wurde, dass wir uns nicht in verschiedene Lager spalten lassen dürfen. Diese Haltung versuche ich konsequent einzubringen. Zuletzt war ich als Vizepräsidentin auf Bezirksebene bereits im Vorstand der Landesärztekammer mit dabei – das gibt mir einen guten Einblick in das, was mich auf Landesebene erwartet.
MEDI: Inwiefern prägt Ihre Tätigkeit als Hausärztin und Psychotherapeutin Ihr Engagement?
Ibach: Als Psychotherapeutin arbeite ich fachärztlich, als Hausärztin hausärztlich – ich kenne also die Probleme beider Seiten. Für diese doppelte Perspektive bin ich dankbar. Er gibt mir einen gelasseneren Blick auf Konflikte. Ich sehe auch schneller, wenn jemand psychotherapeutische Betreuung braucht, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist – das kommt meinen Patientinnen und Patienten zugute. Inzwischen mache ich auch Palliativmedizin. Diese Kombination macht mich zu einer integrierenden Stimme in der Kammer.
MEDI: Mit welchen MEDI-Themen positionieren Sie sich im Wahlkampf?
Ibach: Das Wichtigste ist die Integration von Haus- und Fachärzten sowie des ambulanten und stationären Sektors. Sie ist die Grundlage dafür, dass wir als Ärzteschaft handlungsfähig sind. Außerdem gilt es, die ärztliche Freiberuflichkeit zu bewahren. Sie ist zwar nicht grundsätzlich gefährdet – die zunehmende Fremdbestimmung bereitet mir jedoch große Sorge. Sobald politisch der Eindruck entsteht, etwas laufe zu langsam oder unzureichend, wird schnell damit gedroht, Aufgaben an die Regierungspräsidien zu übertragen oder berufsständische Versorgungswerke in die gesetzliche Rentenversicherung zu über führen. Wie das praktisch funktionieren soll, ist mir ein Rätsel. Wenn man aber sieht, wie wenig die Ärzteschaft in politische Entscheidungsprozesse eingebunden wird und wie häufig Entscheidungen an der Versorgungsrealität vorbeigehen, bleibt bei mir ein ungutes Gefühl. Dem kann man nur mit Rückgrat entgegentreten, und das gelingt nur im Verbund.
MEDI: Wie erreichen Sie die Kolleginnen und Kollegen im Wahlkampf?
Ibach: Das ist kein Wahlkampf wie für den Bundestag. Wir sprechen Kolleginnen und Kollegen direkt an – in Qualitätszirkeln, bei Veranstaltungen, über Rundbriefe. MEDI hat hier gute Strukturen: Ohne einen Verband im Hintergrund hat man keine Möglichkeiten, über große Verteiler mit der Basis zu kommunizieren. Im Frühjahr gab es auch eine Podiumsdiskussion mit gesundheitspolitischen Vertretern zur Landtagswahl – das war ebenfalls eine gute Gelegenheit, unsere Themen sichtbar zu machen.
MEDI: Welche Themen würden Sie als Landesdelegierte in die Bundesärztekammer einbringen?
Ibach: Ich war bereits Delegierte beim Deutschen Ärztetag und schätze diese Arbeit sehr – man erfährt dort, welche Probleme andere Bundesländer kennen, und lernt, die eigene Perspektive einzuordnen. Einbringen möchte ich die Erfahrungen aus der Schnittstelle Hausarzt–Facharzt, gerade in der
Fläche. Und die Frage, wie Weiterbildung attraktiver gestaltet werden kann, damit junge Kolleginnen und Kollegen nicht in die Klinik gedrängt werden, weil die Niederlassung zu unattraktiv erscheint.
MEDI: Was bereitet Ihnen an der aktuellen Gesundheitspolitik am meisten Sorgen?
Ibach: Die geplanten Honorarkürzungen in der Psychotherapie machen mir wirklich Sorgen. Welcher andere Beruf bekommt per Dekret weniger Geld, während gleichzeitig mehr Arbeit gefordert wird? Wenn das so umgesetzt wird, nehmen immer mehr Kollegen nur noch Privatpatienten auf – das wäre
angesichts von immer mehr kranken Menschen das Gegenteil von dem, was wir brauchen. Zuversichtlich stimmen mich aber die vielen jungen, motivierten Kolleginnen und Kollegen, denen der Beruf und der Umgang mit Menschen wirklich Freude macht. Für sie möchte ich diese Arbeit machen.
Antje Thiel



