Landesärztekammerpräsident Miller: » Nicht gegeneinander, sondern miteinander «

16. April 2026

Seit 2019 steht MEDI-Mitglied Dr. Wolfgang Miller, Orthopäde und Unfallchirurg aus Echterdingen bei Stuttgart, als Präsident an der Spitze der Landesärztekammer Baden-Württemberg. In diesem Jahr kandidiert Miller erneut bei den Kammerwahlen. Im Gespräch mit der MEDI Times erklärt er, was ihn antreibt, welche Rolle MEDI für ihn spielt und warum Kommunikation für ihn der Schlüssel der ärztlichen Selbstverwaltung ist.

MEDI Times: Nach zwei Amtszeiten treten Sie bereits zum dritten Mal als Kammerpräsident an. Was gefällt Ihnen an diesem Amt?

Miller: Ich möchte die Ärztinnen und Ärzte zusammenbringen. Wenn ich ein Problem sehe, bespreche ich das mit den Kolleginnen und Kollegen – und dann versuchen wir, das gemeinsam zu ändern. In der Kammer gibt es dafür viele Möglichkeiten. Kein Tag ist wie der andere, wir stehen ständig zwischen Medizin, Regularien und Politik. Diese Mischung macht die Aufgabe für mich bis heute spannend. Hier mitzumachen ist für jeden von uns eine große Chance.

MEDI Times: Was sind Ihre Aufgaben als Präsident der Landesärztekammer?

Miller: Als zweitgrößte Landesärztekammer mit mittlerweile 78.000 Mitgliedern erledigen wir viele Aufgaben wie Facharztprüfungen, Meldewesen oder Gutachterkommissionen bei den Bezirksärztekammern, nahe bei den Kolleginnen und Kollegen. Die Landesärztekammer kümmert sich um zeitgemäße Bedingungen und bringt die Erfahrungen aus dem ganzen Land zusammen. Die Regeln werden von der Vertreterversammlung der Landesärztekammer beschlossen, die laufenden Aufgaben nimmt der Vorstand der Landesärztekammer wahr. Dieses wichtige Gremium darf ich leiten und moderieren. Das bedeutet vor allem Kommunikation. Daneben ist die Aufgabe der Landesärztekammer, die Ärzteschaft gegenüber den Menschen im Land, gegenüber der Politik, aber auch in der Bundesärztekammer zu vertreten.

MEDI Times: Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit Politik und Ministerium?

Miller: Sehr konstruktiv. Wir haben einen guten Draht zur Gesundheitspolitik in den Parlamenten. Das ist über Jahre gewachsen, nicht nur zum Ministerium, unserer Rechtsaufsicht, auch zur Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft, zum Landkreistag, zum Städtetag, zu den Krankenkassen, den Rettungsdienstorganisationen und vor allem auch zu den ärztlichen Berufsverbänden. Das ist ein Spiegel der Zusammenarbeit vor Ort: In den Kreisärzteschaften reden die Verantwortlichen mit „ihrer Landrätin, ihrem Oberbürgermeister“, mit den Krankenhäusern und auch den Fachkollegen vor Ort. Das schafft Vertrauen. Unser Auftrag ist klar: Wir vertreten die Positionen der Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag die Menschen versorgen.

MEDI Times: Inwiefern prägt Ihre MEDI-Erfahrung Ihr Engagement auf Kammerebene?

Miller: Bei der Gründung von MEDI stand der MEDI-Kodex am Anfang: Zusammenarbeit zwischen Haus-und Fachärzten, zwischen Praxen und Krankenhäusern, verbindliche Berichtspflichten waren damals die Grundlage. Der Kodex ist auch heute topaktuell und ist die Basis für die Haus- und Facharztverträge. Kooperation zwischen Kassen und Ärzten ist auf Augenhöhe möglich. Nicht gegeneinander, sondern miteinander. So habe ich es bei MEDI kennengelernt, so leben wir das in der Kammer.

MEDI Times: Wer organisiert Ihren Wahlkampf – und wie erreichen Sie die Kolleginnen und Kollegen?

Miller: Die meisten Veranstaltungen werden heute online durchgeführt. Vieles läuft über E-Mail und soziale Medien, wo man Inhalte Tag und Nacht abrufen kann. Wichtiger sind aber persönliche Netzwerke. Wenn wir mit den Kolleginnen und Kollegen vertrauensvoll zusammenarbeiten, trauen sie uns auch zu, ihre Interessen zu vertreten – von den Kreisärzteschaften über die Bezirksärztekammern bis zur Landesärztekammer. Jede Wahlvorbereitung braucht auch eine organisatorische Unterstützung. Hier ist MEDI gut aufgestellt.

MEDI Times: Auf welche Themen konzentrieren Sie sich im Wahlkampf?

Miller: Ich mache keinen Wahlkampf gegen Personen oder Listen, sondern für die Ärzteschaft. Jede und jeder von uns hat Verantwortung für medizinische Entscheidungen, im Team mit anderen Berufsgruppen. Das wird in den nächsten Jahren neu sortiert. Möglichkeiten von Telemedizin, neue Formen der Berufsausübung und Digitalisierung kann keiner besser erkennen als wir. Als Kammer haben wir die Chance, vieles besser zu regeln als eine staatliche Behörde. Die Sektoren müssen zusammenarbeiten. Unsere Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen wollen genau das.

MEDI Times: Mit welchen Themen konnten Sie in der Vergangenheit in Berlin punkten?

Miller: In der Berufsordnung werden die Telemedizin und die Zusammenarbeit in größeren Teams neu beschrieben. Wir in Baden-Württemberg sind Vorreiter bei der Fernbehandlung. Als Co-Vorsitzender des Berufsordnungsausschusses und des Ausschusses Ambulante Versorgung bereite ich das vor, gemeinsam mit den Delegierten aus den anderen Bundesländern. Ich habe die Arbeitsgruppen Reha- Medizin und Arbeitsmedizin mit initiiert und bringe als Co-Vorsitzender auch die Anliegen dieser Kolleginnen und Kollegen mit ein. Der AG Klimaschutz habe ich von Anfang an angehört. Wir konnten erreichen, dass sie zu einem festen Ausschuss Klimaschutz geworden ist, mit starker Beteiligung aus Baden-Württemberg.

MEDI Times: Wofür stehen Sie ganz persönlich?

Miller: Für mich gilt immer: Erst zuhören, dann reden, dann gemeinsam entscheiden – und bei allem die Kirche im Dorf lassen. Nicht jede Frage muss gleich mit einer neuen Vorschrift beantwortet werden. Das fordern wir von der Politik, das muss auch unser Ziel sein. Wir können vieles mit Augenmaß lösen, wenn wir uns einig sind. Die Herausforderungen und die Gefahren von allen Seiten sind gewaltig. Hier will ich mich weiter vor die Kolleginnen und Kollegen stellen. Für gute Bedingungen – für eine gute Versorgung der Menschen.

Antje Thiel

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