Chefin von drei Praxen, 18 Mitarbeitende und ein sechs Monate altes Baby – für Claudia Bach ist das kein Widerspruch. Die psychologische Psychotherapeutin und Sprecherin von YOUNG MEDI hat sich frühzeitig auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vorbereitet und spricht offen über Herausforderungen, Grenzen und Chancen, die die Selbstständigkeit mit sich bringt.
Seit Ende 2018 gab es im Leben von Claudia Bach jedes Jahr eine größere Veränderung. Der Start in die Selbstständigkeit mit der ersten eigenen Praxis. Der Kauf weiterer Sitze und diverse Umzüge. Inzwischen führt die 39-Jährige insgesamt drei psychotherapeutische Praxen in Schriesheim, Weinheim und Ilvesheim mit 18 Mitarbeitenden. Seit März 2025 ist sie außerdem Mutter eines Sohnes. Dass sich beides – Leitung eines wachsenden Unternehmens mit mehreren Standorten und Baby – unter einen Hut bringen lässt, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gründlicher Planung. „Ich habe mich etwa zwei Jahre auf die Schwangerschaft vorbereitet und sehr viel gearbeitet, um sowohl strukturell als auch finanziell vorzusorgen“, erzählt sie. In dieser Zeit verschriftlichte sie Prozesse, erstellte einen Fragenkatalog für wiederkehrende Praxisabläufe und bereitete sich auf verschiedene Szenarien vor. „Ich wollte sicherstellen, dass die Praxis auch läuft, wenn ich einmal ausfalle.“
Spaß an der Arbeit und Sehnsucht nach dem Baby
Nach der Geburt nahm sie sich sechs Wochen Auszeit. „Eine volle Elternzeit, wie sie Angestellte nehmen können, ist für eine Praxischefin nicht realistisch. Ich trage ja Verantwortung für die Praxen und meine Angestellten, außerdem macht mir meine Arbeit sehr viel Spaß.“ Der Wiedereinstieg war emotional dennoch nicht leicht: „Ich habe mein Baby sehr vermisst und hätte gern mehr Zeit mit ihm verbracht“, erinnert sich Bach. Heute arbeitet sie fünf bis sechs Stunden täglich mit Patientinnen und Patienten. Ihr Mann, selbst Unternehmer, übernimmt die Vormittagsbetreuung. „Ich habe Glück mit meinem Sohn – nicht mit jedem Baby würde das so gut funktionieren.“ Nachmittags übernimmt sie die Betreuung ihres Kindes und kümmert sich während seiner Schlafphasen um organisatorische Dinge. Bei berufspolitischen Terminen reist die Familie gemeinsam an.
Klare Grenzen setzen und Verantwortung abgeben
Ein Vorteil der Selbstständigkeit sei die Freiheit, Strukturen selbst zu gestalten: „Ich kann meinen Arbeitsalltag an den Familienrhythmus anpassen und meinem Team ähnliche Freiheiten gewähren.“ Dazu gehört auch, klare Grenzen zu setzen und Verantwortung abzugeben – etwa im Urlaub. „Nur wenn ich selbst fit bin, kann ich mit Freude führen. Diese Haltung möchte ich auch meinem Team und meinen Patientinnen und Patienten vermitteln.“ Rückblickend würde sie alles wieder so machen. „Ich habe mit der Familienplanung bewusst gewartet, bis meine Praxis stabil war. Ohne sichere Strukturen und ein verlässliches Team hätte ich mich nicht frei gefühlt, Mutter zu werden.“ Ob ihr Modell als Vorbild taugt? „Vielleicht im Sinne einer Ermutigung“, sagt sie. Ihr Rat an junge Ärztinnen und Psychotherapeutinnen: „Schaut auf eure eigenen Bedürfnisse. Für manche ist es richtig, nach der Geburt länger zu pausieren, andere möchten schnell wieder arbeiten. Das ist letztlich eine sehr persönliche Entscheidung.“
Antje Thiel



