Lange Wartezeiten: Praxen geben Tipps für ein erfolgreiches Terminmanagement

29. April 2026

Patientinnen und Patienten verbringen jedes Jahr viele Stunden in deutschen Wartezimmern. Lange Wartezeiten gelten oft als unvermeidlich. Zwei MEDI-Ärzte zeigen, dass es auch anders geht: mit klarer Organisation, konsequentem Terminmanagement und einer Haltung, die auch die Zeit der Patientinnen und Patienten respektiert.

Lange Wartezeiten in der Arztpraxis trotz Termin – davon können viele Patientinnen und Patienten in Deutschland ein Lied singen. Umfragen der KBV zufolge berichten nur zwölf Prozent der Befragten von gar keiner Wartezeit beim Praxisbesuch. Die meisten warten 15 bis 30 Minuten, 18 Prozent bis zu 60 Minuten, sechs Prozent bis zu zwei Stunden und zwei Prozent sogar noch länger. Dass es auch anders geht, zeigen Bewertungen auf Arztportalen wie Jameda. „Keine Wartezeiten“ oder „gleich drangekommen“ – solche Kommentare finden sich auffallend häufig unter dem Profil des Kirchheimer Kardiologen Dr. Norbert Smetak. Lange Wartezeiten kennt man in der Praxis des MEDI-Vorsitzenden kaum.

Keine offenen Sprechstunden oder Notfallsprechstunden

Für Smetak ist das eine Frage der Organisation. In seiner Praxis gibt es weder offene noch Notfallsprechstunden: „Ein schwerer kardiologischer Notfall wie etwa ein Verdacht auf Herzinfarkt gehört sofort in die Klinik und nicht in eine kardiologische Praxis. Jeder Termin ist geplant, Überbuchungen lehnt er ab. „Wir bestellen nur so viele Patientinnen und Patienten ein, wie wir auch wirklich bewältigen können.“ Patientinnen und Patienten, die ihre Termine unentschuldigt platzen lassen, sind in seiner Praxis selten: „Beim dritten Nichterscheinen ist Schluss, dann muss sich die Person eine andere Praxis suchen. Das kommunizieren wir ganz offen.“ Grundlage für sein Terminmanagement ist eine realistische Einschätzung des Zeitbedarfs – auch abhängig davon, ob es sich um neue oder bereits bekannte Patientinnen und Patienten handelt. Hinzu kommt ein straff organisierter interner Ablauf. „Mit strikter Selbstdisziplin kann man das hinkriegen, ohne dass man hektisch oder unhöflich wird.“ Während Smetak einen Menschen im Sprechzimmer sieht, durchlaufen andere bereits diagnostische Stationen wie EKG oder Ultraschall. „Das Wichtigste ist, dass es keinen Leerlauf gibt“, betont der Arzt. Dokumentiert wird per Spracheingabe, ausführliche Befunde diktiert er nach der Sprechstunde. Eine Schlüsselrolle spielen die MFA – insbesondere bei der Terminvergabe. Sie orientieren sich an einem Ampelsystem: Grün bedeutet Spielraum, Gelb Vorsicht. Steht die Ampel auf Rot, kann beim besten Willen niemand mehr dazwischengeschoben werden. Smetak ist überzeugt, dass Wartezeiten auch eine Frage der Haltung sind. „Ich finde, dass ich nicht das Recht habe, nachlässig mit der Zeit anderer umzugehen.“ Dass dieses Prinzip auch im deutlich schwerer planbaren Alltag einer Kinderarztpraxis funktionieren kann, zeigt Dr. Daniel Faul aus Stuttgart. „Wir sind eine reine Bestellpraxis, ohne offene Sprechstunde: Es kommen also nur wenige Eltern und Kinder ohne Termin zu uns“, sagt Faul. Der Tag ist klar strukturiert: Vorsorgeuntersuchungen und Gespräche mit 20-Minuten-Slots, danach Impfungen, anschließend Akutsprechstunde.

Personalstärke und Delegation entlasten den Arzt

Bewertungen auf Jameda bestätigen das Konzept: „Wartezeit ist immer null“ oder „kurze bis gar keine Wartezeiten – selbst bei Notfällen“. Möglich wird das durch Personalstärke und Delegation. Vier MFA arbeiten in der Praxis, eine davon stets mit im Behandlungszimmer. „Ich selbst mache nichts am PC, die Dokumentation läuft im Hintergrund. So kann ich mich vollständig auf das Kind und seine Eltern konzentrieren.“ Auch sonst ist Delegation für Faul zentral: Leistungen wie Blutentnahmen oder Verbandwechsel übernehmen die MFA, das macht rund ein Viertel der täglichen Patientenkontakte aus. Zusätzlich baut er bewusst Puffer ein: Die Nachmittagssprechstunde beginnt offiziell um 14 Uhr, gearbeitet wird aber bereits ab 13.15 Uhr. Auch Faul hält offene Kommunikation für entscheidend. „Wenn ein Kind mit 40 Grad Fieber kommt, nehmen wir es natürlich dran. Dann sagen wir den Eltern aber ehrlich, dass es 15 bis 20 Minuten dauern kann.“ Klare Grenzen gehören für ihn ebenfalls dazu: Wenn Eltern zusätzliche Anliegen haben, die sie „mal eben mit besprechen“ möchten, werden diese konsequent auf einen neuen Termin verschoben. „Wenn man das gut erklärt, haben die meisten Eltern großes Verständnis“, sagt der Pädiater.

Antje Thiel

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