Ärzteverbände MEDI GENO Deutschland und MEDI Baden-Württemberg üben scharfe Kritik an Forderungen des Verbandes der Ersatzkassen

Die fachübergreifenden Ärzteverbände MEDI GENO Deutschland e. V. und MEDI Baden-Württemberg e. V. kritisieren massiv die Forderungen zur Sicherung der ambulanten Versorgung des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek), die am vergangenen Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin bekanntgegeben wurden. Die MEDI-Verbände halten die Forderungen für „absolut kontraproduktiv“ und nicht zielführend in der aktuellen prekären Lage der Versorgung.

„Die Forderungen zur Sicherung der Versorgung des vdek klingen wie eine Provokation. Das ist erbärmlich und absolut kontraproduktiv. Mit diesen Äußerungen demotivieren sie ganze Praxisteams. Und erreichen genau das Gegenteil: Durch solche Forderungen werden sich noch mehr Ärztinnen und Ärzte von der Niederlassung abwenden. Das ist in der aktuellen prekären Lage der ambulanten Versorgung verantwortungslos. Wer keine Polemik will, muss dazu beitragen, dass sich die Gesprächspartner trotz Interessenunterschiede mit Respekt begegnen, um offen diskutieren zu können“, mahnt Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg e. V. und MEDI GENO Deutschland e. V. und praktizierender Kardiologe.

Zum Hintergrund: Der vdek lehnt die Entbudgetierung von ärztlicher Leistung ab. Der Verband fordert unter anderem eine Erhöhung der wöchentlichen Mindestsprechstundenzahl und verpflichtende Online-Angebote für Arztpraxen – ohne zusätzliche Vergütung. Außerdem sollen laut vdek künftig Terminservicestellen direkten Zugriff auf die Terminverwaltung der Praxen haben. Vertragsärztliche Pflichten zu Sprechstunden und Terminvergabe sollen laut vdek mit gesetzlich vorgesehenen Sanktionen wie beispielsweise Honorarkürzungen durchgesetzt werden.

„All diese Vorschläge gehen absolut an der Realität vorbei, sind geringschätzend und würden zu einer weiteren massiven Verschlechterung der Versorgung führen. Wir brauchen dringend eine durchdachte und intelligente Patientensteuerung. Hier können effizient Kosten eingespart werden, wenn man bedenkt, dass sich aktuell jede Bürgerin und jeder Bürger in Deutschland auch eine zehnte ärztliche ‚Zweitmeinung‘ einholen kann. Das gibt es nirgendwo anders“, ergänzt Dr. Svante Gehring, stellvertretender Vorsitzende von MEDI GENO und praktizierender Hausarzt.

Laut MEDI fehlen auch dringend effektive Präventionsprogramme, die die Menschen erreichen, die sie wirklich benötigen. „Viele Angebote machen die Gesunden noch gesünder und verfehlen damit das Ziel dieser teuren Programme. In puncto Gesundheitskompetenz ist Deutschland Schlusslicht. Hier sind die Kassen gefragt, zielführendere Ideen zu entwickeln. Denn Prävention und Patientensteuerung können erhebliche Kosten in unserem System einsparen. Das wären effiziente Maßnahmen, statt die Praxen noch mehr zu sanktionieren und zu belasten“, so MEDI-Chef Smetak.

 

Tanja Reiners

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