Patientendaten sind ein begehrtes Ziel für Cyberkriminelle. Viele Praxen unterschätzen das Risiko, Opfer eines Hackerangriffs zu werden. Dabei sind sie von funktionierender IT abhängig. Wolfgang Schweikert von der MEDI GENO Assekuranz erklärt, wie Cyberangriffe ablaufen, welche Schäden drohen und wie Praxen vorsorgen können.
Es beginnt harmlos: Eine E-Mail landet im Postfach, ein Anhang wird geöffnet. Zunächst lassen sich erste Termine nicht mehr aufrufen, bis Wochen später schließlich alles blockiert ist und eine Lösegeldforderung erscheint. „Bei vielen Cyberangriffen spielt der Mensch eine zentrale Rolle – etwa durch Phishing-Mails oder gestohlene Zugangsdaten“, erklärt Dipl.-Ing. Wolfgang Schweikert von der MEDI GENO Assekuranz. „Die Angreifer bewegen sich oft zunächst unbemerkt im Netzwerk, spähen Zugänge aus und schlagen erst später mit Datenabfluss oder Verschlüsselung zu.“ Arztpraxen sind ein attraktives Ziel: Gesundheitsdaten gehören zu den wertvollsten Informationen überhaupt, Praxen sind auf ihre IT angewiesen, verfügen aber selten über eigene IT- Sicherheitsstrukturen. Die Schwachstellen liegen laut Schweikert auf drei Ebenen: beim Menschen durch unsichere Passwörter und mangelndes Bewusstsein, in der Technik aufgrund veralteter Software sowie fehlender Updates und in der Organisation, weil ein Notfallplan fehlt. Schweikert sagt: „Jedes Praxisteam weiß, was im Brandfall zu tun ist. Für den Cyberangriff gilt das leider nicht.“
Cyberversicherung schließt Lücken
Dabei kommt ein Cyberangriff Praxen nicht nur finanziell teuer zu stehen. Mit den Gesundheitsdaten geht auch das Vertrauen der Patientinnen und Patienten verloren. Klassische Haftpflichtversicherungen decken Kosten im Zusammenhang mit Datenschutzverletzungen, IT-Forensik oder Betriebsausfällen oft nicht ausreichend ab. Eine Cyberversicherung schließt diese Lücken – inklusive Haftpflichtschutz bei DSGVO-Verletzungen, Kostenübernahme für Schäden an Soft- und Hardware sowie Krisenbegleitung. „Spezialisierte IT-Forensiker und Krisendienstleister bieten im Ernstfall Unterstützung, die über klassische IT-Betreuung hinausgeht“, betont Schweikert. Sein wichtigster Rat für den Ernstfall: Ruhe bewahren. Systeme nicht eigenmächtig neu starten oder weiter nutzen, sondern möglichst unverändert lassen und sofort IT-Experten oder den Versicherer kontaktieren. Kein Lösegeld zahlen ohne Rücksprache mit dem Versicherer. Alles dokumentieren: Zeitpunkte und Fehlermeldungen notieren, Screenshots machen. „Wie bei der Ersten Hilfe ist die erste Stunde entscheidend.“ Wer versichert ist, hat ab dem ersten Anruf Unterstützung – inklusive kostenfreier Erstberatung. Dabei bleibt Vorsorge das A und O: regelmäßige Passwortänderungen mit abgestuften Zugriffs rechten, Backups auf getrennten Datenträgern, zeitnahe Software-Updates und Teamschulungen. „Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit – aber man sollte die Einfallstore so klein wie möglich halten und für den Ernstfall vorgesorgt haben“, sagt Schweikert.
Antje Thiel
