Warum die Politik jungen Niedergelassenen Steine in den Weg legt

6. März 2026

Die freiberufliche Selbstständigkeit als Ärztin oder Arzt und Psychotherapeutin oder -therapeut ist eine der schönsten und erfüllendsten Formen ärztlicher Berufsausübung. Sie ermöglicht Eigenverantwortung, Patientennähe, flexible Gestaltung des Alltags und eine echte Verbindung zur Region. Und: Sie ist der effektivste Weg, Patientinnen und Patienten in Deutschland wohnortnah und kontinuierlich zu versorgen.

Der Weg in die freiberufliche Selbstständigkeit wird uns durch die aktuellen politischen Rahmenbedingungen leider erschwert. Junge Kolleginnen und Kollegen, die nach der Weiterbildung motiviert sind, eine eigene Praxis aufzubauen, scheitern nicht an fehlendem Engagement – sondern an Strukturen, die die Niederlassung unattraktiv machen.

1. Bürokratieflut statt Medizin
Die Realität in der Praxis: endlose Formulare, Prüfverfahren, Richtgrößen und digitale Insellösungen, die mehr Klickarbeit als Entlastung bringen. Wer frisch aus der Klinik kommt, möchte Patientinnen und Patienten behandeln – nicht Stunden mit TI-Ausfällen, Abrechnungsprüfungen oder QM-Dokumentationen verbringen.

2. Budgetierung = Deckel drauf
Trotz steigender Patientenzahlen und wachsender Verantwortung wird die ärztliche Arbeit im ambulanten Sektor durch Budgetierungen begrenzt. Das bedeutet: mehr Arbeit, aber kein angemessener Ausgleich. Welche junge Ärztin oder welcher junge Arzt investiert Hunderttausende Euro in eine Praxisgründung, wenn die eigene Leistung anschließend unterfinanziert bleibt?

3. Unsichere politische Perspektive
Statt klare Zukunftsperspektiven zu schaffen, werden ständig neue Reformen angekündigt, geändert oder zurückgenommen. Heute TI-Pflicht, morgen Gesundheitskioske, übermorgen neue Prüfverfahren. Wer will in ein System einsteigen, das gefühlt monatlich die Spielregeln ändert?

4. Fehlende Wertschätzung für die freiberufliche Selbstständigkeit
Politik und Kassen schieben die Versorgung zunehmend in anonyme Strukturen – MVZ-Ketten, Klinikkonzerne oder kommunale Einrichtungen. Dabei ist die freiberufliche Selbstständigkeit das Rückgrat der wohnortnahen Medizin. Die individuelle Verantwortung und das direkte Arzt-Patienten-Verhältnis sind ein Wert an sich – werden aber leider durch Vorgaben und Einschränkungen immer weiter entwertet.

5. Nachwuchs bleibt in der Klinik
Viele junge Kolleginnen und Kollegen fragen sich: Warum sollte ich mir die freiberufliche Selbstständigkeit antun? In der Klinik gibt es feste Gehälter, keine Investitionsrisiken und keinen Abrechnungsstress. Dass hier trotzdem die Leidenschaft für eigenständige Patientenversorgung verloren geht, ist ein politisches Versagen.

Unser Fazit:
Wir von Young MEDI sagen klar: So darf es nicht weitergehen. Die Budgetierung muss fallen. Bürokratie muss spürbar abgebaut werden. Die digitale Transformation darf nicht den Praxisalltag lahmlegen, sondern muss echte Entlastung bringen. Und vor allem: Die Politik muss die Niedergelassenen aktiv fördern und stärken – statt sie Schritt für Schritt auszuhöhlen. Denn: Die Niederlassung ist nicht das Problem – sie ist die Lösung. Ohne starke, selbstständige Ärztinnen und Ärzte in eigener Praxis gibt es keine flächendeckende, patientennahe Versorgung in Deutschland.

Ein Kommentar von Young MEDI

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