Am kommenden Mittwoch werden bundesweit niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ihre Praxen schließen, um sich zum geplanten Gesetz zur Beitragssatzstabilisierung fortzubilden. Die fachübergreifenden Ärzteverbände MEDI GENO Deutschland e. V. und MEDI Baden-Württemberg e. V. hatten vor zehn Tagen zur bundesweiten Protestaktion aufgerufen.
„Wir haben mit dem Aufruf bundesweit eine große Welle angestoßen und erleben beeindruckende Unterstützung von Verbänden und Praxen in ganz Deutschland. Der Frust der Kolleginnen und Kollegen ist so hoch wie nie zuvor. Alle wissen, dass es mit dem geplanten GKV-Spargesetz der Regierung zu erheblichen Einschnitten in der ambulanten Versorgung kommen wird“, berichtet Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI GENO Deutschland e. V. und MEDI Baden-Württemberg e. V. sowie niedergelassener Kardiologe in Kirchheim unter Teck.
Unter dem Titel „Praxen bedroht – Patienten in Not“ hatte MEDI am 27. Mai 2026 dazu aufgerufen, am kommenden Mittwoch, dem 10. Juni 2026, Praxen zu schließen, um interne Fortbildungen zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz durchzuführen und zu diskutieren, wie die Versorgung künftig unter den neuen Bedingungen aufrechterhalten bleiben kann. MEDI wird an diesem Tag ebenfalls eigene digitale Fortbildungen anbieten. Die Aktion findet zwei Tage vor der ersten Lesung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes statt. Vom 10. bis 11. Juni 2026 tagt zudem die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) in Hannover.
Dr. Michael Eckstein ist stellvertretender Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg e. V. und Hausarzt im Rhein-Neckar-Kreis. Als Kampagnenmanager begleitet er die Protestaktion: „Diese Eingriffe, die jetzt geplant sind, hat es noch nie gegeben. Und das in einer Phase, in der die Bevölkerung sich zunehmend schlechter versorgt fühlt. Viele junge und ältere Kolleginnen und Kollegen werden sich aus der Niederlassung verabschieden, wenn das Spargesetz der Regierung in Kraft treten sollte. Ein einfaches ‚Weiter so‘ wird es mit uns nicht mehr geben.“
Mit dem geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sollen der vertragsärztlichen Versorgung ab 2027 rund 2,7 Milliarden Euro entzogen werden. Gleichzeitig sollen extrabudgetäre Vergütungen für zusätzliche Termine und offene Sprechstunden gestrichen sowie die Haus- und Facharztverträge geschwächt werden.
Dr. Christian Messer, stellvertretender Vorsitzender von MEDI GENO Deutschland e. V. und niedergelassener Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie weist auf die schwierige Lage für die Psychotherapie hin: „Die im geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgesehenen mengenbegrenzenden Maßnahmen gefährden eine bedarfsgerechte Versorgung unserer Patientinnen und Patienten. Insbesondere chronisch und komplex erkrankte Menschen laufen Gefahr, nicht mehr adäquat behandelt zu werden, was zu verlängerten Phasen der Arbeitsunfähigkeit bis hin zur vorzeitigen Berentung führen kann. Die angestrebten Einsparungen erweisen sich damit langfristig als trügerisch, da sie letztlich höhere gesamtgesellschaftliche Kosten nach sich ziehen.“
„Die Folgen des geplanten Gesetzes für Patientinnen und Patienten sind eindeutig: längere Wartezeiten, weniger Sprechstundenzeiten und zunehmend fehlende Praxen. Zudem gehen in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand. Mit unserer Kampagne möchten wir Patientinnen und Patienten darauf vorbereiten, was sie in den kommenden Monaten erwartet“, mahnt der stellvertretende Vorsitzende von MEDI GENO Deutschland e. V. und niedergelassene Hausarzt Prof. Dr. Siegfried Jedamzik aus Ingolstadt.
Alle Infos zur Kampagne und zu den politischen Forderungen von MEDI finden Sie hier: www.medi-verbund.de/praxen-bedroht
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