Primärversorgung bundesweit voranbringen: HZV überzeugt durch bessere Versorgungsqualität und effizientere Patientensteuerung

Die jüngst veröffentlichte Studie des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK), die der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) fehlende Steuerungswirkung attestiert, stößt bei den langjährigen HZV-Vertragspartnern in Baden-Württemberg auf deutlichen Widerspruch. Die AOK Baden-Württemberg, der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg (HÄVBW) sowie MEDI Baden-Württemberg sehen die Schlussfolgerung der Studie als nicht haltbar – jedenfalls dann nicht, wenn die HZV konsequent und mit echtem Versorgungsanspruch umgesetzt wird. Die Goethe-Universität Frankfurt und das Universitätsklinikum Heidelberg untersuchen seit 2012 in regelmäßigen Abständen die Effekte der HZV-Verträge der AOK Baden-Württemberg – die Ergebnisse weichen dabei stark von den Untersuchungen der TK ab.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit 18 Jahren zeigt die HZV in Baden-Württemberg messbare Vorteile gegenüber der Regelversorgung – bei gleichzeitig geringeren Kosten. Durch die hausärztliche Koordination werden unkoordinierte Facharztkontakte vermieden, Komplikationen verhindert und Krankenhauseinweisungen reduziert. Diese Effekte werden durch die an die HZV angebundenen Facharztverträge weiter verstärkt, die eine noch engere Verzahnung zwischen haus- und fachärztlicher Versorgung gewährleisten. Die Patientensteuerung wirkt – besonders dort, wo sie am meisten gebraucht wird: Mehr als 60 Prozent der Teilnehmenden sind älter oder chronisch krank.

Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg: „Die HZV zeigt seit Jahren, dass koordinierte Versorgung nicht nur besser, sondern auch effizienter ist. Nicht in der Theorie, sondern in der täglichen Versorgungsrealität von mehr als zwei Millionen AOK-Versicherter. Entscheidend ist: Diese Qualität entsteht nicht automatisch. Sie ist das Ergebnis konsequenter Strukturen, echter Steuerung und langfristiger Partnerschaft. Insofern ist die eigentliche Frage nicht, ob Hausarztzentrierte Versorgung funktioniert – sondern wie sie umgesetzt wird. Deshalb plädieren wir für einen echten Wettbewerb der Versorgungsmodelle, indem die Menschen selbst wählen können. Wichtig ist zudem, dass regionale Gestaltungsräume erhalten bleiben. Die HZV in Baden-Württemberg hat bewiesen, was gute Primärversorgung leisten kann – jetzt ist die Politik gefordert, diesen Weg konsequent weiterzugehen: mit starken regionalen Netzwerken, leistungsfähigen Teampraxen und dem politischen Willen, über einen geregelten Vertragswettbewerb die Qualität in der Versorgung dauerhaft zu sichern.“

Dr. Susanne Bublitz und Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Co-Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg: „Die HZV in Baden-Württemberg zeigt seit über 18 Jahren, wie wirkungsvoll hausärztlich koordinierte Primärversorgung funktioniert: echte Koordination, starke Vernetzung und dadurch bessere Versorgung. Für die Praxen im Land ist das Primärversorgungssystem durch die HZV bereits gelebter Alltag. Die Vorteile sind durch jahrelange Evaluation bestens belegt und im Einklang mit der breiten internationalen Evidenz für verbindliche Primärversorgungssysteme wie weniger vermeidbare Krankenhausaufnahmen, Entlastung kostenintensiver Versorgungsbereiche, Reduktion von Polypharmazie und effiziente Ressourcenallokation.[1] Eines zeigt sich dabei klar: Gute Versorgung gelingt dann am besten, wenn alle an einem Strang ziehen. Diesen Goldstandard lebt die HZV in Baden-Württemberg – und auf nicht weniger sollte die Bundesregierung bei der Gestaltung des verbindlichen Primärversorgungssystems setzen.“

Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender MEDI Baden-Württemberg e. V.: „Die HZV entfaltet vor allem in Kombination mit den Facharztverträgen ihre volle Wirkung. Ambulante Versorgung muss fachübergreifend und interdisziplinär gedacht werden. Nur so kann Patientensteuerung effizient umgesetzt und können chronisch Erkrankte optimal versorgt werden – beides wichtige Kriterien, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Das ist die Besonderheit in Baden-Württemberg, und das machen unsere Haus- und Facharztverträge zur bundesweiten Blaupause.“

Eine kürzlich veröffentlichte Evaluation der Goethe-Universität Frankfurt und des Universitätsklinikums Heidelbergs belegt die Wirkung der HZV insbesondere bei vulnerablen Patientengruppen. Allein bei den rund 110.200 Herzinsuffizienzpatientinnen und -patienten konnten 2022 im Vergleich zur Regelversorgung gut 3.500 stationäre Notaufnahmen, rund 16.900 Rettungsdiensteinsätze und 3.200 Behandlungen im ambulanten Bereitschaftsdienst vermieden werden. Hochrechnungen für den Zeitraum 2011 bis 2022 zeigen zudem, dass bei 119.000 Diabetikerinnen und Diabetikern mehr als 9.200 schwerwiegende Komplikationen verhindert werden konnten – darunter rund 700 Amputationen sowie etwa 4.800 Herzinfarkte und Schlaganfälle.

In der Kombination von HZV und Facharztverträgen werden weitere positive Effekte für die ambulante Versorgung und die Patientensteuerung erzielt. So belegt eine Untersuchung des AOK-Facharztvertrags Kardiologie eine signifikant höhere Überweisungsquote sowie Reduzierungen unnötiger Krankenhausaufenthalte.

 

Hintergrundinformationen: Mehr Informationen zur aktuellen Evaluation der HZV in Baden-Württemberg sowie zu vergangenen Evaluationen finden Sie unter www.neueversorgung.de.  

[1] OECD (2020): Realising the Potential of Primary Health Care, S. 25–30, 57–65.

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