Die fachübergreifenden Ärzteverbände MEDI GENO Deutschland e. V. und MEDI Baden-Württemberg e. V. kritisieren die Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zur Stabilisierung der Beiträge der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), die heute der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, scharf. Die Ärzteverbände warnen vor Schnellschüssen – mit gravierenden Folgen für die ambulante Versorgung in Deutschland.
„Seit Jahren fordern wir strukturelle Reformen im Gesundheitswesen, um genau das zu vermeiden, was jetzt passiert: ein Schnellschuss mit gravierenden Folgen für die ambulante Versorgung in diesem Land“, mahnt Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI GENO Deutschland e. V. und MEDI Baden-Württemberg e. V. sowie niedergelassener Kardiologe in Kirchheim unter Teck.
Schon seit einigen Jahren besteht ein erheblicher Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten in Deutschland sowie eine Terminknappheit bei den Facharztpraxen, was zu großer Beunruhigung in der Bevölkerung führt. „Der Leidensdruck wird durch den fortschreitenden demografischen Wandel und die heute angekündigten Sparpläne der Bundesregierung künftig enorm zunehmen – bei den Patientinnen und Patienten, aber auch bei der niedergelassenen Ärzteschaft“, so Smetak.
Die MEDI-Ärzteverbände kritisieren vor allem die geplante Streichung der extrabudgetären Vergütung für schnelle Facharzttermine über das in 2019 eingeführte Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), sowie die Begrenzung der Wachstumsdynamik bei der extrabudgetären Gesamtvergütung. MEDI-Chef Smetak ergänzt: „Ärztliche Leistungen, die nicht bezahlt werden, können dann auch nicht mehr angeboten werden. Wie sollen wir junge Medizinerinnen und Mediziner künftig motivieren, unsere Praxen zu übernehmen? Diese Missachtung hochqualifizierter Leistungen gibt es in keiner anderen Branche. Wir werden daraus Konsequenzen ziehen.“
Die Ärzteverbände sehen ein umfassendes Sparpotential vor allem in einer zügigen und konsequenten Ambulantisierung. Viele stationäre Behandlungen könnten ambulant erfolgen und hätten somit großes Einsparpotenzial. Auch die fehlende Patientensteuerung und die dysfunktionale Digitalisierung belasten laut MEDI das Gesundheitssystem immens.
„Wir benötigen jetzt endlich die nötigen Reformen mit einem kostensparenden und patientenfreundlichen Primärarztsystem in Kombination mit unseren erfolgreichen Versorgungsmodellen aus Baden-Württemberg – den Haus- und Facharztverträgen. Sie sorgen mittel- und langfristig für eine bessere Versorgung und entlasten somit das System nachhaltig. Mit dem radikalen Rotstift werden sich viele Kolleginnen und Kollegen perspektivisch aus dem System verabschieden“, mahnt der MEDI-Chef.
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