MEDI warnt vor Honorarkürzungen in der Psychotherapie

Der Bewertungsausschuss wird am 11. März 2026 über die Angemessenheit der psychotherapeutischen Vergütung auf Grundlage aktueller Kostenstrukturdaten entscheiden. Der Ärzteverband MEDI Baden-Württemberg e. V., der auch die niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten vertritt, warnt vor Honorarkürzungen in seinem Positionspapier. Laut Verband nimmt die Psychotherapie eine zunehmend wichtige Rolle ein. Kürzungen würden zudem zu einer zusätzlichen Belastung der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung führen.

Der Bewertungsausschuss tagt am kommenden Mittwoch über die Angemessenheit der Vergütung für Psychotherapie. Fachmedien berichteten in den vergangenen Wochen, dass die Kassenseite eine pauschale Absenkung der Bewertungen psychotherapeutischer Leistungen um etwa zehn Prozent anstrebt. MEDI warnt in seinem Positionspapier davor, die Psychotherapie zu schwächen und fordert unter anderem eine aktive Stärkung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung.

„Psychische Erkrankungen nehmen zu, gerade in Zeiten schwerer Krisen. Die Psychotherapie nimmt dadurch in der ambulanten Versorgung eine immer größer werdende Rolle ein und muss gestärkt werden, damit es nicht zu zusätzlichen Belastungen in der haus- und fachärztlichen Versorgung kommt. Zudem müssen alle Fachgruppen entbudgetiert werden, um die Versorgung nachhaltig zu sichern und das Terminangebot zu erweitern“, betont Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg e. V. und niedergelassener Kardiologe.

Claudia Bach ist psychologische Psychotherapeutin und hat drei Praxen in Schriesheim, Weinheim und Ilvesheim im Rhein-Neckar-Kreis mit einem großen Team von zwölf angestellten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Als Sprecherin von Young MEDI vertritt sie vor allem die Interessen der jungen Niedergelassenen. „Psychische Erkrankungen zählen zu den häufigsten und folgenschwersten gesundheitlichen Problemen. Eine rechtzeitige ambulante Psychotherapie kann dazu beitragen, eine Chronifizierung zu vermeiden, Klinikaufenthalte zu verringern, gesellschaftliche und berufliche Teilhabe zu fördern und somit das Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten“ erklärt Bach.

Die Kostenstruktur psychotherapeutischer Praxen hat sich laut Bach in den vergangenen Jahren deutlich verändert, mit steigenden Miet- und Nebenkosten sowie Personalkosten, höheren IT- und Digitalisierungskosten und zunehmender Bürokratie. „Viele Praxen arbeiten bereits heute mit begrenzten wirtschaftlichen Spielräumen – vor allem die jungen Kolleginnen und Kollegen, die mit einer Praxisgründung große finanzielle Risiken eingehen. Zusätzliche Kürzungen würden unsere strukturellen Probleme weiter verschärfen und somit die Versorgung destabilisieren“, mahnt die Young MEDI-Sprecherin.

MEDI fordert bei der Honorierung psychotherapeutischer Leistungen eine vollständige Berücksichtigung der tatsächlichen Kostenentwicklung. Der Ärzteverband weist zudem auf die seit Jahren etablierten Psychotherapieverträge in Baden-Württemberg hin. „Die Psychotherapieverträge gehören zu unseren erfolgreichsten Verträgen und sorgen in unserem Bundesland unter anderem für einen schnelleren Therapiebeginn, höhere Vergütungen für die ersten Therapiesitzungen und fördern die Gruppentherapie. Angesichts des wachsenden Versorgungsbedarfs brauchen wir bundesweit innovative Versorgungsverträge statt pauschaler Kürzungen“, kritisiert MEDI-Chef Smetak.

Das Positionspapier „Psychotherapie stärken – Versorgung sichern“ finden Sie hier.

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