Praxis-Umfrage zeigt: 95 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten erwarten Verschlechterung der Patientenversorgung

Eine aktuelle Umfrage des Ärzteverbands MEDI Baden-Württemberg unter 1.782 Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus Baden-Württemberg zeigt, dass aufgrund der geplanten Sparmaßnahmen der Regierung 95 Prozent der Befragten eine Verschlechterung der Patientenversorgung in der ambulanten Versorgung erwarten. 79 Prozent der Teilnehmenden sehen die Zukunft der ambulanten medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung in Baden-Württemberg pessimistisch.

Mit Blick auf die drastischen Sparmaßnahmen in der ambulanten Versorgung durch das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz der Bundesregierung hat der fachübergreifende Ärzteverband MEDI Baden-Württemberg vom 17. Juli bis 3. August 2026 eine Online-Umfrage unter Ärztinnen und Ärzten sowie ärztlichen und psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Baden-Württemberg durchgeführt. An der Umfrage beteiligten sich 1.782 Personen.

Die Ergebnisse werden heute um 11 Uhr im Rahmen einer Online-Pressekonferenz vorgestellt, ergänzt durch Impulsvorträge aus der Ärzte- und Psychotherapeutenschaft. Die Auswertung der Umfrage zeigt: 95 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die Versorgung der Patientinnen und Patienten verschlechtern wird. 79 Prozent der Umfrageteilnehmer bewerten die Zukunft der ambulanten Versorgung in Baden-Württemberg pessimistisch, davon 42 Prozent sehr pessimistisch und 37 Prozent eher pessimistisch.

„Das sind alarmierende Ergebnisse. Die ambulante Versorgungslage hat sich bereits in den vergangenen Jahren durch die demografische Entwicklung, den zunehmenden Versorgungsbedarf und den fehlenden Praxis-Nachwuchs deutlich verschlechtert. Das spüren die Patientinnen und Patienten täglich. Schon heute sind rund 1.000 Hausarztsitze in Baden-Württemberg vakant. Durch die drastischen Sparmaßnahmen der Regierung bei der ambulanten Versorgung wird es noch mal zu einer deutlichen Reduzierung der Leistungen kommen, weil viele Praxen dadurch wirtschaftlich erheblich unter Druck geraten werden“, betont Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg e. V. und niedergelassener Kardiologe in Kirchheim unter Teck.

Laut der Befragung fühlen sich 85 Prozent der befragten niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten durch das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz stark belastet – 46 Prozent davon sehr stark, 39 Prozent stark. Rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer (51 Prozent) bewertet die Zukunft der eigenen Praxis pessimistisch. 97 Prozent der Befragten erwarten einen Honorarverlust, rund 50 Prozent erwarten mehr als 20.000 Euro Honorarverlust pro Jahr.

Zu welchen Konsequenzen die geplanten Sparmaßnahmen für ihre Praxis führen könnten, wurden die Niedergelassenen zudem gefragt. Bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen möglich, sodass die Befragten mehrere Antwortoptionen auswählen konnten. Die höchste Zustimmung erhielten folgende Optionen:

  1. Ausbau von Privatleistungen: 69 Prozent
  2. Ausbau von Selbstzahlerleistungen: 66 Prozent
  3. Weniger GKV-Termine anbieten: 61 Prozent
  4. Reduzierung von GKV-Sprechstundenzeiten: 53 Prozent
  5. Reduzierung des Versorgungsumfangs: 39 Prozent

Darüber hinaus gaben 15 Prozent der Befragten an, eine Aufgabe ihrer eigenen Niederlassung in Erwägung zu ziehen. Auch diese Antwortoption konnte zusätzlich zu den anderen ausgewählt werden.

„Wir möchten die Politik eindringlich warnen, dass diese Sparmaßnahmen erhebliche Folgen für die ambulante Versorgung und die Patientinnen und Patienten haben werden. Die Honorarkürzungen werden zu einer Zwei-Klassen-Medizin führen. Diese Entwicklung finden wir sehr problematisch und sie ist nicht in unserem Sinne“, ergänzt Dr. Michael Eckstein, stellvertretender MEDI-Vorsitzender und Hausarzt.

Der fachübergreifende Ärzteverband MEDI fordert seit vielen Jahren umfassende Strukturreformen, um das Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten – mit einer strukturierten Patientensteuerung, mit Maßnahmen zur Entbürokratisierung und Ambulantisierung sowie einer effizienteren Digitalisierung. Auch moderne Versorgungskonzepte, wie die Haus- und Facharztverträge, die MEDI in Baden-Württemberg mitentwickelt und eingeführt hat, müssten weiter ausgebaut und bundesweit ausgerollt werden.

Alle Ergebnisse der Befragung finden Sie hier: www.medi-verbund.de/gkv-bstabg-ergebnisse

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Pressekontakt:

MEDI Baden-Württemberg e.V.
Tanja Reiners
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