Gemeinsame Pressemitteilung mit der AOK Baden-Württemberg, dem Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg und der Bosch BKK
Während bundesweit über die Zukunft der Primärversorgung diskutiert wird, liefern die Vertragspartner in Baden-Württemberg Fakten: Mehr als 2,1 Millionen Versicherte in der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV), über eine Million im Facharztprogramm – beide Programme sind 2025 erneut deutlich gewachsen. Seit 18 Jahren zeigen die AOK, der Hausärztinnen- und Hausärzteverband und MEDI Baden-Württemberg sowie die Bosch BKK erfolgreich, wie ein hausärztlich gesteuertes Primärversorgungssystem mit angeschlossenen Facharztverträgen in der Praxis funktioniert. Die anhaltend steigenden Teilnehmerzahlen sprechen für eine hohe Akzeptanz dieser Versorgungsform und setzen ein deutliches Signal in der aktuellen gesundheitspolitischen Debatte um die Weiterentwicklung der ambulanten Versorgung.
Die AOK Baden-Württemberg verzeichnete bis Ende 2025 einen Anstieg der HZV-Versicherten auf mehr als 2,1 Millionen – ein Plus von 7,6 Prozent. Im gemeinsamen Facharztprogramm mit der Bosch BKK wurde erstmals die Millionenmarke überschritten (siehe Tabelle auf S. 2). Insgesamt stieg die Zahl der teilnehmenden Versicherten über beide Vertragspartner hinweg um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch auf Arztseite wuchsen die Programme: In der HZV waren es 5.867 Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte inklusive Angestellter (plus 3,2 Prozent), im Facharztprogramm waren es 3.351 versorgende Fachärztinnen und Fachärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (plus 2,4 Prozent). Insgesamt wuchs die Zahl der Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten im Jahr 2025 auf 9.218 Teilnehmende (plus 2,9 Prozent).
Damit setzen die Vertragspartner im Südwesten auch im 18. Jahr erfolgreich auf eine bessere und wirtschaftlichere Versorgung in ihrem hausärztlich gesteuerten Primärversorgungssystem mit angeschlossenen Facharztverträgen.
Die Zahlen für 2025 im Überblick
| 2025 | Veränderung | |
| HZV-Versicherte (AOK BW) | über 2,1 Mio. | + 7,6 % |
| FAV-Teilnehmende (AOK BW und Bosch BKK) | 1,037 Mio. | + 9,5 % |
| Haus- und Kinderärztinnen/-ärzte inkl. Angestellte | 5.867 | + 3,2 % |
| Fachärztinnen/-ärzte und Psychotherapeutinnen/-therapeuten | 3.351 | + 2,4 % |
In ihrer seit Jahren etablierten Versorgungsstruktur sehen die Vertragspartner das bundesweit fortschrittlichste System hausärztlicher Steuerung. Gemeinsam wurde bereits ein Primärversorgungssystem etabliert, das Versicherten wie Ärztinnen und Ärzten spür- und messbare Vorteile bringt. Die Koordinationsfunktion der Hausarztpraxen als Strukturprinzip funktioniert, und der Aufbau multiprofessioneller Versorgungsteams zur Stärkung der Praxen wird mit dem Versorgungskonzept HÄPPI (Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell) in der HZV längst umgesetzt: Akademisiertes nicht-ärztliches Praxispersonal wird unter ärztlicher Supervision in die Patientenversorgung eingebunden, digitale Tools optimieren das Praxismanagement.
Das Haus- und Facharztprogramm der AOK Baden-Württemberg ist damit das Versorgungssystem der Zukunft – und die Grundlage, auf der das bundesweit vorgesehene Primärversorgungssystem aufbauen sollte, fordern die Vertragspartner.
Wie koordinierte Versorgung den Unterschied macht
Die Anfang 2026 veröffentlichte Evaluation der Universitäten Heidelberg und Frankfurt/Main belegt die Wirkung der HZV mit eindeutigen Ergebnissen:
- 2022 verzeichnete die HZV-Gruppe 3,1 Millionen Hausarztkontakte mehr und 1,36 Millionen weniger unkoordinierte Facharztbesuche ohne Überweisung.
- Laut Hochrechnungen der evaluierenden Universitäten konnten von 2011 bis 2022 bei 119.000 Diabetikerinnen und Diabetikern mehr als 9.200 schwerwiegende Komplikationen vermieden werden, darunter rund 700 Amputationen sowie ca. 4.800 Herzinfarkte und Schlaganfälle.
- 2022 gab es in der HZV 24.000 Influenzaimpfungen mehr und rund 7.500 weniger Verordnungen potenziell ungeeigneter Medikamente für ältere Menschen ab 65 Jahren.
Die Vertragspartner betonen, dass die HZV seit Jahren eine bessere Versorgungsqualität ermöglicht. Das sei gelungen, weil die Versorgungsgestaltung gemeinsam und unmittelbar mit den regional verantwortlichen Akteuren erfolgt und damit Praxisorientierung und Innovationen gefördert werden sowie eine hohe Akzeptanz bei allen Beteiligten entsteht.
Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, sagt: „Sowohl die Teilnehmendenzahl als auch die Ergebnisse der Evaluation sprechen für sich. Ich glaube, dass die Menschen immer stärker erkennen, welche Vorteile sie durch eine Teilnahme am Hausarzt- und Facharztprogramm haben: Die Festlegung auf eine frei gewählte Hausarztpraxis sichert einen zuverlässigen Zugang in die ärztliche Versorgung und die Patientinnen und Patienten profitieren mit zunehmender Dauer von der Behandlungskontinuität sowie den mit zahlreichen Facharztverträgen gemeinsam abgestimmten Versorgungspfaden. Wir werden sehen, wie sich die gesundheitspolitischen Reformen unter dem neuen Bundesgesundheitsminister fortentwickeln – eines steht für mich fest: Wir brauchen eher mehr als weniger Freiräume für regionale Akteure, um Selektivverträge weiterhin als regionale Alternativen und Innovationsmotoren gegenüber einer bundeseinheitlichen Basisversorgung zu erhalten.“
Dr. Susanne Bublitz und Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg, bekräftigen: „Der Erfolg der HZV in Baden-Württemberg ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis von 18 Jahren konsequenter Arbeit an einer Versorgung, in der Patientinnen und Patienten sich bewusst für ihre Hausarztpraxis entscheiden, die langfristig die medizinische Betreuung übernimmt. Das Ergebnis: mehr Qualität bei geringeren Gesamtkosten. Dem bundesweit größten Hausarztvertrag gibt sein Erfolg recht – die Praxen vertrauen auf die HZV, weil sie schlicht das bessere System für die Primärversorgung ist und das spüren auch die Patientinnen und Patienten. Beim anstehenden Bundesgesetz muss deshalb genau nach Baden-Württemberg geschaut werden. Dabei ist wichtig: Ein Primärversorgungssystem braucht starke Hausarztpraxen. Die hausärztliche Versorgung in der HZV darf durch die aktuellen Sparbeschlüsse nicht ausgebremst werden, gerade weil sie das leistet, was politisch gewollt ist.“
Zusammen mit der HZV bieten die Facharztverträge eine einmalige strukturierte Vollversorgung außerhalb des KV-Systems. Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland, äußert sich dazu: „Die ambulante Versorgung muss fachübergreifend gedacht und organisiert werden. Genau darin liegt die Stärke des Baden-Württemberg-Modells: Die enge Verzahnung von Hausarztzentrierter Versorgung und Facharztverträgen ermöglicht eine koordinierte Patientensteuerung und eine Behandlung, die sich konsequent am medizinischen Bedarf orientiert. Das verbessert die Versorgungsqualität, vermeidet Doppeluntersuchungen und unnötige Behandlungen und setzt Ressourcen sowie Finanzmittel gezielt ein. Dieses jahrelang erfolgreich erprobte Modell kann bundesweit sofort adaptiert werden.“
Frieder Spieth, Vorstand der Bosch BKK, ergänzt: „Die kontinuierlich steigende Inanspruchnahme zeigt, dass unser gemeinsam gestaltetes Haus- und Facharztprogramm ein hocheffizienter Hebel für eine lückenlose, koordinierte Versorgung ist. Durch die gezielte Verzahnung der Schnittstellen optimieren wir nicht nur die Behandlungsqualität für unsere Versicherten, sondern etablieren ein proaktives und präventionsorientiertes Gesundheitsmanagement. Damit setzen wir in Baden-Württemberg seit vielen Jahren hohe Standards für die integrierte Versorgung.“
Pressekontakt:
MEDI Baden-Württemberg e.V.
Tanja Reiners
E-Mail: pressestelle@medi-verbund.de
Tel.: (0711) 806079-215
www.medi-verbund.de
