Notfallreform: 24/7-Versorgung unter Sparzwang unrealistisch

Die fachübergreifenden Ärzteverbände MEDI GENO Deutschland e. V. und MEDI Baden-Württemberg e. V. warnen davor, die ambulante Versorgung mit der geplanten Reform der Notfallversorgung weiter zu belasten. Laut MEDI sind Hausbesuchsdienste sowie telemedizinische Angebote rund um die Uhr mit den aktuellen Ressourcen und den künftigen Bedingungen, die sich durch die geplanten Sparmaßnahmen signifikant verschlechtern werden, unrealistisch.

„Noch in der vergangenen Woche wurden massive Sparmaßnahmen angekündigt, die unsere Ressourcen erheblich einschränken werden – und nun sollen wir zusätzlich eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung sicherstellen. Die aktuellen Pläne zur Notfallreform gehen damit vollkommen an unserer Versorgungsrealität vorbei und wecken Erwartungen, die unter diesen Bedingungen von niemandem erfüllt werden können“, warnt der stellvertretende Vorsitzende von MEDI Baden-Württemberg e. V. und praktizierende Orthopäde Dr. Bernhard Schuknecht.

Der MEDI-Vizechef verweist zudem auf den zunehmenden Ärzte- und Fachkräftemangel: Bereits heute fehlten in Baden-Württemberg rund 1.000 Hausärztinnen und Hausärzte, und auch Fachärztinnen und Fachärzte fänden kaum Nachfolger.

Zum Hintergrund: Die Bundesregierung hat sich heute auf den Gesetzesentwurf zur Reform der Notfallversorgung geeinigt. Demnach sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) gesetzlich dazu verpflichtet werden, durchgängig sieben Tage die Woche telemedizinische und aufsuchende Notdienste bereitzustellen.

MEDI unterstützt die geplante Ausweitung der Ersteinschätzung. Die Ärzteverbände fordern durch digitale Ersteinschätzungen mit Hilfe von effizienten KI-Tools, die ambulanten Notfälle deutlich zu reduzieren.

Der stellvertretende Vorsitzende von MEDI GENO Deutschland e. V. und Hausarzt Dr. Ralf Schneider ergänzt: „Studien und auch unsere Erfahrungen zeigen, dass rund die Hälfte der Menschen, die einen ambulanten Notdienst aufsuchen, keine Notfall-Patientinnen oder -patienten sind – Tendenz steigend. Wir fordern von der Politik neben einer automatisierten Ersteinschätzung auch mehr gesundheitliche Aufklärung und Regulierung.“

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