Während viele die digitalen Tools noch skeptisch aus der Ferne beäugten, etablierten er und seine Partner längst die ersten telemedizinischen Anwendungen: Kardiologe und MEDI-Mitglied Priv.-Doz. Dr. Ralph Bosch nutzt Telemedizin seit 2007. Gemeinsam mit seinem Team hat er den Umfang sukzessive zu einer großen telemetrischen Sprechstunde ausgebaut. Er sieht darin für seinen Fachbereich viel Potenzial.
Seit über 20 Jahren ist der MEDI-Arzt Dr. Ralph Bosch als Kardiologe niedergelassen. Er trat damals als fünfter Partner in das Cardio Centrum Ludwigsburg Bietigheim ein. Heute beschäftigt die Praxis an zwei Standorten rund 40 Mitarbeitende, darunter elf Ärztinnen und Ärzte. Abgesehen von Regelleistungen führt das Team ambulante Operationen und interventionelle Verfahren wie Herzkatheteruntersuchungen durch – und begann kurz nach Boschs Einstieg, telemedizinische Techniken anzubieten. Bosch trieb diese Entwicklung voran. Er habe sich schon früh in seiner Karriere mit Telemedizin auseinandergesetzt und sei vom Nutzen überzeugt gewesen, erzählt er. Auch seine Partner glaubten, dass die Anwendungen Abläufe in der Praxis verschlanken und die Versorgung deutlich verbessern würden. Zunächst führten sie die telemetrische Funktionsanalyse ein, die es ihnen erlaubte, unter anderem den Batteriestatus von Systemen zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT), von implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) und von Herzschrittmachern zu überprüfen, ohne dass Patientinnen und Patienten anwesend sein mussten.
Patientinnen und Patienten nehmen Telemedizin an
Vor wenigen Jahren etablierte die Praxis dann Telemonitoring bei Herzinsuffizienz, womit Patientinnen und Patienten mit CRT-Systemen und ICDs kontinuierlich überwacht werden können. Damit lasse sich frühzeitig eine Verschlechterung des Gesundheitszustands erkennen und eine Behandlung einleiten, so Bosch. Darüber hinaus nimmt das Kardio- Zentrum an einer Evaluationsstudie des Gemeinsamen Bundesausschusses teil, in deren Zentrum ein Drucksensor steht, der den Blutdruck in der Pulmonalarterie bei Menschen mit Herzinsuffizienz misst. Anfangs hätten die Praxis-Partner Zweifel gehabt, dass Patientinnen und Patienten bei den fortschrittlichen Techniken mitziehen würden. „Aber sie haben das gerne angenommen und fühlten sich sogar besser betreut als vorher“, berichtet Bosch. Die Praxis betreut aktuell rund 1.800 Menschen mit telemetrischer Funktionsanalyse und überwacht die Werte von rund 350 Patientinnen und Patienten kontinuierlich. Telemedizin in großem Umfang einzusetzen, setzt gewisse Strukturen voraus: Das Zentrum hat zusätzlich zum normalen Dienstplan einen weiteren für das Telemonitoring sowie einen Bereitschaftsplan. Während des Regelbetriebs Telemetrie-Meldungen zu lesen, sei für Ärztinnen und Ärzte nicht machbar. „Es braucht ein gutes Team, das dafür sorgt, dass nur die relevanten Informationen an den Arzt herankommen“, empfiehlt Bosch.
Kardiologie eignet sich für Telemedizin
Der Kardiologe wirbt auf Kongressen fürs Telemonitoring. Dabei nehme er viele Vorbehalte wahr. Eine Befürchtung sei, dass telemedizinische Überwachung deutlich mehr Arbeit verursache. Doch das kann Bosch nicht bestätigen: Drei bis vier Meldungen erhalte das Zentrum pro Woche. Auch die Rahmenbedingungen für die Vergütung ist aus Boschs Sicht gut: Der Einheitliche Bewertungsmaßstab sehe eine entsprechende Vergütung vor, und im Kardiologie-Selektivvertrag von MEDI, den Bosch mitentwickelt hat, waren telemedizinische Anwendungen von Anfang an abrechnungsfähig. Die Praxis auf Telemedizin einzurichten, verursache jedoch viel Aufwand, weil die Infrastruktur umgestellt und das Personal geschult werden müsse. Für Bosch eignet sich die Kardiologie besonders für den Einsatz von Telemedizin. „Es gibt einen sehr großen Patientenkreis, was wichtig ist, damit eine Methode flächendeckend und mit entsprechender Anzahl betrieben werden kann“, so Bosch. Vorteilhaft seien darüber hinaus die festen Parameter wie Blutdruck oder die Herzfrequenz. Was Bosch außerdem begeistert: Alle Ärzte und Ärztinnen, die im Telemonitoring kooperieren, nutzen dieselbe digitale Plattform, auf der sie sich über Fälle austauschen und Daten miteinander teilen können. Für ihn ist das „ein echtes Novum“. „Meine Vision ist, dass wir in den verschiedenen Versorgungsebenen vernetzt arbeiten – also Hausarzt, Facharzt und am besten auch der stationäre Sektor“, sagt der Kardiologe. Deshalb hofft er, dass sich noch viel mehr Kolleginnen und Kollegen für den Einsatz von Telemedizin entscheiden.
Mareke Heyken

