Landtagswahl 2026: Welche Positionen vertreten die Spitzenkandidaten in der Gesundheitspolitik?

27. Februar 2026

Am 8. März 2026 findet die Landtagswahl in Baden-Württemberg statt. Wer wird die neue Regierung bilden, welche Positionen vertreten die Spitzenkandidaten? Für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten ist vor allem der Blick auf die Gesundheitspolitik interessant. Wir haben die Spitzenkandidaten von CDU, Bündnis 90/Die Grünen, SPD und FDP/DVP gefragt, wie sie sich für das Gesundheitswesen engagieren möchten.

Auch wenn die großen Reformen in Berlin stattfinden, stellt die nächste baden-württembergische Landesregierung wichtige Weichen für das Gesundheitswesen. Die Bundesländer haben ein Mitspracherecht beispielsweise bei der Bedarfsplanung und den Zulassungen. Außerdem können die Vergütungen und Honorarverteilungen regional durch Zuschläge oder Ausnahmeregelungen ergänzt werden. Die Länder und KVen können zudem Förderprogramme für Praxen auflegen und gezielt Mittel bereitstellen, um die Niederlassung, Übergabe oder Modernisierung von Arztpraxen – insbesondere in unterversorgten Regionen – zu unterstützen. „Wir wünschen uns eine Landesregierung, die sich für ein starkes Gesundheitswesen einsetzt. Für uns ist dabei der Erhalt und die Weiterentwicklung der hausarztzentrierten Versorgung in Verbindung mit den Facharztverträgen ganz entscheidend für die künftige Sicherstellung der ambulanten Versorgung. Unsere aktuellen Evaluationen zu den Selektivverträgen zeigen deutlich: Die Versorgung ist besser und günstiger. Und: Sie ist ‚made in Baden-Württemberg‘. Die neue Regierung sollte alles dafür tun, diese Errungenschaft zu erhalten“, betont
MEDI-Chef Dr. Norbert Smetak.

» Manuel Hagel, MdL, Landes- und Fraktionsvorsitzender der CDU:
Ich stehe für eine ambulante Versorgung, die allen Menschen in Baden-Württemberg, unabhängig davon, ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben, wohnortnahe und verlässliche medizinische Hilfe garantiert. Dabei bilden Hausärztinnen und Hausärzte mit ihrer aktiven Lotsenfunktion für mich die zentrale Anlaufstelle. In multiprofessionellen Gesundheitszentren arbeiten sie eng und digital vernetzt mit Fachärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten, Hebammen und weiteren Gesundheitsberufen zusammen. Auf diese Weise wird medizinisches Wissen gebündelt, die Behandlung optimal aufeinander abgestimmt und die Versorgung effizienter gestaltet. Ergänzend dazu brauchen wir telemedizinische Angebote, die dieses Netzwerk erweitern. Ebenso wichtig ist mir eine zielgerichtete Verzahnung zwischen ambulanter und stationärer Medizin. Um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen, möchte ich junge Medizinerinnen und Mediziner gezielt fördern und die Arbeit in ländlichen Regionen deutlich attraktiver gestalten. Nicht zuletzt müssen wir konsequent Bürokratie abbauen – damit wieder mehr Zeit für das bleibt, worum es eigentlich geht: die medizinische Arbeit am Patienten.

» Andreas Stoch, MdL, Landes- und Fraktionsvorsitzender der SPD:
Als SPD setzen wir uns entschlossen dafür ein, dass die Menschen in Baden-Württemberg auch in Zukunft eine gute ärztliche Versorgung direkt vor Ort haben. Deshalb hat die Besetzung von Kassenarztsitzen für uns höchste Priorität. Wir brauchen wieder mehr Ärzt:innen in der Patientenversorgung. Wir fordern, dass bei der Planung der Arztpraxen auch die Altersstruktur
und die regionale Versorgungslage berücksichtigt werden. Mit einer Landesstiftung wollen wir junge Ärzt:innen unterstützen und mehr Weiterbildungsstellen schaffen. Im Rahmen des Landärzteprogramms erhöhen wir die Zahl der Medizinstudienplätze um 500 und verbessern die Bedingungen im Praktischen Jahr. Gut ausgebildete Fachkräfte wie Community Health Nurses können Teile der Versorgung übernehmen, auch um Ärzt:innen zu entlasten. Außerdem wollen wir die ambulante und stationäre Notfallversorgung neu ordnen. Niemand soll länger als 30 Autominuten zum Notdienst fahren müssen.

» Cem Özdemir, Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen:
Mein Ziel ist die bestmögliche wohnortnahe ambulante ärztliche Versorgung. Mein Angebot zur Unterstützung: Wir brauchen eine Anpassung der Studienplätze und mehr Anreize, damit Studierende jene Facharztweiterbildungen wählen, die in der Versorgung dringend gebraucht werden. Dafür benötigen wir gute Weiterbildungsmöglichkeiten im ambulanten Bereich sowie eine Reform der ärztlichen Bedarfsplanung. Bereits niedergelassene Ärztinnen und Ärzte müssen sich darauf verlassen können, dass sie mit einem Zukunftsfonds bei der Digitalisierung in den Praxen unterstützt werden. Das Ziel muss sein: Weniger Zeit am Schreibtisch, mehr Zeit für die Patienten. Mit der Förderung von Primärversorgungszentren und medizinischen Versorgungszentren wollen wir zudem dem steigenden Wunsch nach Anstellungsverhältnissen und einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerecht werden. Zudem brauchen wir eine bessere Steuerung von Patientinnen und Patienten. Mit der hausarztzentrierten Versorgung haben wir in Baden-Württemberg bereits einen etablierten Ansatz. Diese Ideen müssen wir weiter ausformulieren.

» Dr. Hans-Ulrich Rülke, MdL, Landes- und Fraktionsvorsitzender der FDP/DVP:
Die anstehende Landtagswahl am 8. März 2026 hat hohe Relevanz für die Akteure der Gesundheitswirtschaft. Wird das Vertrauen in niedergelassene freiberufliche Ärztinnen und Ärzte gestärkt, bürokratischer Wildwuchs energisch zurückgeschnitten und die Attraktivität des Arztberufs wiederhergestellt oder geht es in Richtung Staatsmedizin mit Einheitskasse? Klar ist: Die FDP Baden-Württemberg und ich persönlich wollen Unternehmertum und freie Berufe nach vorne bringen. Machen wir es jungen Medizinerinnen und Medizinern wieder einfacher, eine Praxis zu gründen oder zu übernehmen. Mit einer angemessenen Vergütung für ärztliche und zahnärztliche Leistungen sowie Entbürokratisierung, Digitalisierung mit funktionierenden Schnittstellen und Vereinfachung der bestehenden Prozesse. Mutige Reformschritte wie etwa die Delegation von Leistungen und Patientensteuerung unterstützen wir ausdrücklich. Wir möchten Projekte für eine stärkere Vernetzung unseres Gesundheitswesens fördern, idealerweise unter medizinischer Leitung, wie z. B. Primärversorgungszentren, interdisziplinäre Gesundheitsnetzwerke, lokale Gesundheitshäuser oder regionale Gesundheitszentren.

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