“Wir müssen die Krankenhäuser entlasten“

Immer wieder werden aktuell Impfungen diskutiert, die auch einen Schutz gegen SARS-CoV-2 bieten könnten. Welche Impfungen sind Ärztinnen, Ärzten und MFA wirklich zu empfehlen und wie motiviert man MFA zu höherer Impfaktivität? MEDI-Vorstand und Facharzt für Innere Medizin Dr. Michael Eckstein gibt Antworten.

MEDI: Welche Impfungen empfehlen Sie Praxispersonal in Coronazeiten?

Eckstein: Seit Beginn der Pandemie wurden von allen möglichen Seiten, besonders auch seitens verschiedener Experten, Studien, Vorstudien, Wissen und Halbwissen, Fakten und Ratschläge verbreitet, die dann kontrovers diskutiert oder nach kurzer Zeit revidiert wurden. Da würde ich dringend abwarten, bis es gesicherte Fakten und offizielle Empfehlungen gibt.

Anders sieht es bei der Influenza- und Pneumokokkenimpfung aus. Diese Impfungen schützen zwar nicht vor SARS-CoV-2, aber da es durch Influenza und Pneumokokken-Pneumonie jedes Jahr zahlreiche Schwerkranke gibt, die klinikpflichtig werden und stationär aufgenommen werden müssen, werden durch diese Impfungen Krankenhäuser entlastet.

Jeder Influenzageimpfte, der nicht erkrankt und dadurch keinen Krankenhaus- oder sogar Intensivstationsplatz benötigt, unterstützt das Gesundheitswesen. Im Falle einer möglichen zweiten Welle würde dadurch die Versorgung der schwerkranken “Coronapatienten” nicht so schnell an die Grenzen stoßen.

Also: Jeder Mensch, bei dem eine Indikation besteht, sollte sich gegen Influenza und gegen eine Pneumokokken-Infektion impfen lassen. Die Indikation sind auf den Seiten des RKI nachzulesen und sollten großzügig ausgelegt werden.

MEDI: Diese Empfehlungen sollten also auch Ärzte bei ihren Patienten aussprechen – ob jung und gesund oder alt und chronisch erkrankt?

Eckstein: Ich bin ein klarer Befürworter von Impfungen. Die Möglichkeit der Verhinderung von Krankheiten ist vernünftiger als die Behandlung. Die Abwägung von Nutzen und Risiko spricht ganz klar für Impfungen. Allerdings sollte man natürlich differenzieren. Nicht für jede Patientengruppe ist jede Impfung gleichermaßen indiziert. Junge gesunde Menschen sind anders zu beraten als ältere oder kränkere.

MEDI: Die Impfquote bei den MFA ist schwächer als bei Ärztinnen und Ärzten. Was können Praxischefs dagegen tun?

Eckstein: Das sollte im Praxisalltag und in den Teambesprechungen immer wieder angesprochen werden. Saisonal gibt es sehr gute Gelegenheiten dafür. Im Herbst kann man beispielsweise über Influenza-, Pneumokokken- und vielleicht auch irgendwann über die Coronaimpfung sprechen. Im Frühjahr bietet sich die FSME-Impfung an.

Man könnte sich auch überlegen, ob man die MFA mit einem Belohnungssystem „motiviert“. In einigen Krankenhäusern wird das bereits praktiziert.

MEDI: Der Bedarf an Influenzaimpfungen wird in diesem Jahr besonders hoch sein. Die Bestellungen sind abgeschlossen. Ab Spätsommer oder Herbst kann der Impfstoff für 2021 bestellt werden. Was raten Sie unseren Mitgliedern hinsichtlich der möglichen Covid-19-Situation im kommenden Jahr?

Eckstein: Man kann davon ausgehen, dass die Nachfrage nach Influenzaimpfungen ansteigen wird. Corona hat viele Menschen für Impfungen sensibilisiert – die Öffentlichkeit wartet sehnsüchtig auf die Coronaimpfung. Die Regeln zur Wirtschaftlichkeit bei Bestellungen von Influenzaimpfstoff wurden gelockert. Deshalb sollte mehr als in den Vorjahren bestellt werden. Und das möglichst frühzeitig. Hier bietet MEDI jedes Jahr eine bequeme Möglichkeit, Influenzaimpfstoff zu ordern.         

Tanja Reiners

 

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Daniela-Ursula Ibach ist Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin. Sie ist für die Finanzen im Vorstand der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg zuständig. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich die Ärztin für MEDI und tritt für den Verbund auch dieses Jahr für eine weitere Amtsperiode an.Welche Themen beschäftigen sie aktuell? Und warum will sie sich für die Ärzteschaft und die junge Generation engagieren. Im Podcast mit MEDI gibt sie spannende Antworten.