Notfall oder nicht?

Die Stimme am Telefon bittet um einen Termin, einen dringenden Termin, am besten einen Hausbesuch. Jetzt müssen Sie als MFA die Spreu vom Weizen trennen. Besser gesagt: den echten Notfall vom Wichtigtuer unterscheiden. Das ist alles andere als einfach!

Es gibt typische Begleitumstände, die es in der Praxis schwer machen, einen Notfall als solchen zu erkennen: Das Telefon klingelt, während am Empfang ein Kleinkind weint und der Paketbote eine Unterschrift braucht. Sie nehmen den Hörer ab und ein Herr Meyer (vielleicht heißt er auch Meier, Mayer oder Maier?) beginnt etwas kurzatmig zu berichten, dass es ihm nicht gut geht und er gerne einen Hausbesuch hätte.

Sie können den Anrufer nicht sehen, drucken gleichzeitig das Rezept für die wartende Mutter aus und unterschreiben auf dem Display des Paketboten, während der nächste Patient gerade einen vollen Urinbecher auf den Tresen stellen will. In dieser Situation ist es ganz sicher schwierig, sich auf den Anrufer zu konzentrieren.

„Wir haben den Empfangsbereich vom Telefonbereich getrennt, damit die MFA am Telefon konzentriert arbeiten kann“, berichtet der Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang von Meißner, der die Notfallversorgung u.a. im Baiersbronner MEDI-MVZ „Ärzte am Reichenbach“ organisiert. Dort gehen täglich über 200 Anrufe ein!

MEDI-Ärzte haben für solche Fälle ein Schema für Hausarztpraxen entwickelt. Idealerweise sollte es jede Praxis individuell anpassen.

Wann ist es ein Notfall?
Wenn die Ehefrau anruft und beschreibt, dass ihr Mann bewusstlos oder schwer verletzt im Garten liegt, handelt es sich eindeutig um eine Notfall-Situation. Viele andere Anrufe sind leider weniger klar. Nicht jeder Anrufer erkennt die Ernsthaftigkeit von Symptomen wie Brustenge oder Sprachstörungen. Der Notfallleitfaden hilft dabei, am Telefon die richtigen Fragen zu stellen.

Welche Art von Notfallversorgung?
In vielen Praxen werden Hausbesuchsanfragen direkt an den Arzt weitergeleitet. Wenn der nicht greifbar ist, sollten der MFA die verschiedenen Möglichkeiten bewusst sein: im dringendsten Fall wird der Anrufer direkt an den Notarzt weitervermittelt (das funktioniert über die Telefonanlage), weniger dringende Fälle können auf einen Hausbesuch durch Arzt (sofort oder nach der Sprechstunde) oder VERAH warten. Vielleicht kann der Notfallpatient aber auch sofort oder am nächsten Tag in die Praxis kommen.

Der Notfallleitfaden soll dabei helfen, im Ernstfall die richtige Entscheidung zu treffen. Auch wenn das Ende der Sprechstunde naht, der Arzt einen wichtigen privaten Termin geplant hat oder die Wartezeit schon bedrohlich angestiegen ist.

Von Meißner warnt allerdings davor, den Notfallleitfaden als einzige und ausreichende Maßnahme zu betrachten, um Sicherheit im Umgang mit Notfällen am Telefon zu bekommen. Schulungen und regelmäßige Notfalltrainings gehören selbstverständlich dazu, im Baiersbronner MEDI-MVZ sind sie Routine.

Nutzen Sie die MEDI-Notfalltriage für Ihre Praxis! Sie können den Leitfaden ganz einfach hier ausdrucken und in Ihrer Praxis sichtbar platzieren.

Ruth Auschra

 

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Daniela-Ursula Ibach ist Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin. Sie ist für die Finanzen im Vorstand der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg zuständig. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich die Ärztin für MEDI und tritt für den Verbund auch dieses Jahr für eine weitere Amtsperiode an.Welche Themen beschäftigen sie aktuell? Und warum will sie sich für die Ärzteschaft und die junge Generation engagieren. Im Podcast mit MEDI gibt sie spannende Antworten.