BMG-Referentenentwurf gefährdet bewährte Haus- und Facharztverträge – MEDI warnt vor massiven Folgen für die ambulante Versorgung in Baden-Württemberg

Der fachübergreifende Ärzteverband MEDI Baden-Württemberg e. V. warnt vor dem Aus der erfolgreichen Haus- und Facharztverträge als effiziente Alternative zur ambulanten Regelversorgung. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) sieht zur Stabilisierung der Beiträge der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in seinem Referentenentwurf unter anderem eine Mengenbudgetierung für die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) sowie keine weitere Ausgestaltung bestehender Selektivverträge vor.

„Wir sind fassungslos, dass ein CDU-regiertes Ministerium den Wettbewerb zwischen Kollektiv- und Selektivertrag eliminieren will. Durch unsere Selektivverträge konnte die ambulante Versorgung in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg auf einem deutlich höheren Niveau stattfinden als in anderen Bundesländern. Das belegt auch unsere Studienlage. Das mögliche Aus der Verträge und die weiteren Sparmaßnahmen in der Regelversorgung würden zu einer deutlichen Reduzierung des Versorgungsangebots führen – und somit künftig auch zu mehr Kostenerstattungen durch Patientinnen und Patienten“, warnt Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg e. V. sowie niedergelassener Kardiologe in Kirchheim unter Teck.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) sieht zur Stabilisierung der Beiträge der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in seinem Referentenentwurf vom vergangenen Donnerstag unter anderem eine Mengenbudgetierung für die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) sowie keine weitere Ausgestaltung bestehender Selektivverträge vor, obwohl die Finanzkommission Gesundheit die Auswirkungen von Selektivverträgen weder analysiert noch Lösungsansätze für die HZV und die Facharztverträge in Betracht gezogen hat.

Laut MEDI drohen gravierende Praxisschließungen, weil für viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte die Selektivverträge für eine ausreichende Finanzierung dringend notwendig sind. Eine Abschaffung der seit über 15 Jahren etablierten Haus- und Facharztverträge würde die ambulante Versorgung mehr als in anderen Bundesländern dramatisch verschlechtern.

Dr. Cathérine Hetzer-Baumann gehört zum erweiterten MEDI-Vorstand und praktiziert als junge Hausärztin auf dem Land im Landkreis Esslingen. Für sie sind die Pläne des BMG existenziell: „Die Selektivverträge sind für uns Niedergelassene ein Strohhalm der untergehenden ambulanten Versorgung. Die HZV hält uns gerade noch über Wasser. Wenn die Verträge gestrichen oder reglementiert werden, gefährdet das unser wirtschaftliches Überleben. Wir müssen unsere Praxen auch wirtschaftlich führen können. Die Maßnahmen des BMG frustrieren uns massiv. Auch wenn das nicht meiner ärztlichen Haltung entspricht, führen die Planungen des BMG auch bei mir dazu, über einen Systemausstieg nachzudenken.“

Zum Hintergrund: Die Haus- und Facharztverträge sind seit mehr als 15 Jahren erfolgreich etablierte Versorgungsverträge zwischen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und Krankenkassen, die die normale Regelversorgung ergänzen. Ziel ist eine engere Zusammenarbeit von Haus- und Fachärztinnen und -ärzten, ein hochwertigeres Versorgungsangebot, schnellere Abläufe und eine koordiniertere Behandlung für Versicherte. Studien belegen, dass die Selektivverträge zu einer Reduzierung der Mortalität, einer Senkung der Hospitalisierungsrate sowie einer effizienteren Patientensteuerung führen.

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