Die fachübergreifenden Ärzteverbände MEDI GENO Deutschland e. V. und MEDI Baden-Württemberg e. V. fordern das Bundesgesundheitsministerium (BMG) auf, nach den Prüfungen der Empfehlungen der Finanzkommission Gesundheit, auf nachhaltige Reformen, statt schnelle Sparmaßnahmen zu setzen. Dabei setzen die Ärzteverbände auf eine effiziente Patientensteuerung sowie umfassende Prävention. Beide Maßnahmen würden die Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) langfristig und signifikant senken.
Die Finanzkommission hat lediglich den Rotstift für schnelle Sparmaßnahmen angesetzt, statt sich mit tiefgreifenden Reformen zu beschäftigen. Aber wir brauchen dringend Reformen, um die explodierenden Kosten im Gesundheitssystem langfristig zu senken. Dafür benötigen wir vor allem eine konsequente Patientensteuerung und umfassende Präventionsangebote. Der effiziente Umgang mit ärztlichen Leistungen sowie die Verhinderung oder Reduzierung von Erkrankungen sind die nachhaltigsten Sparmaßnahmen“, betont Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI GENO Deutschland e. V. und MEDI Baden-Württemberg e.V. sowie niedergelassener Kardiologe in Kirchheim unter Teck.
MEDI begrüßt die präventiven Ansätze der Kommission wie eine stärkere Besteuerung von Tabak, Alkohol und Zucker. Man müsse jedoch schon vorher ansetzen, um den hohen Konsum dieser stark gesundheitsgefährdenden Sucht- und Lebensmittel zu reduzieren. Zudem müsse die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung gestärkt werden. Aktuelle Studien, wie die des Robert Koch-Instituts (RKI), zeigen, dass vier von fünf Erwachsenen eine geringe “allgemeine Gesundheitskompetenz” aufweisen. Das zeigt sich laut der Ärzteverbände täglich auch in den Praxen. Viele Menschen könnten durch eine bessere Aufklärung kompetenter einschätzen, wann und ob ein Arztbesuch wirklich nötig ist.
Die beiden MEDI-Ärzteverbände weisen auf ihre erfolgreichen Selektivverträge hin als Blaupause für eine strukturierte Patientensteuerung. „Wir wissen genau, wie Patientensteuerung funktioniert. Seit vielen Jahren arbeiten wir in Baden-Württemberg mit unseren erfolgreichen Haus- und Facharztverträgen. Sie ermöglichen eine engere Patientenbetreuung, kürzere Wartezeiten sowie eine bessere Abstimmung zwischen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte“, so Smetak. Evaluationen zeigen laut MEDI, dass diese Verträge zu einer höheren Versorgungsqualität führen bei sinkender Morbidität. Dadurch könnten die Krankenkassen mittelfristig Kosten einsparen.
Neben Patientensteuerung und Prävention sieht MEDI auch Sparmaßnahmen durch eine funktionierende Digitalisierung sowie den Ausbau der Ambulantisierung.
„Ein digital gestütztes Gesundheitssystem ist richtig und notwendig. Wir niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte unterstützen diesen Weg, wenn die IT in den Praxen praxistauglich, stabil und entlastend ist. Entscheidend ist der konkrete Nutzen für alle Beteiligten – für Patientinnen, Patienten, Praxisteams und die Versorgung. Digitalisierung darf nicht behindern, sondern muss Versorgung besser und effizienter machen“, fordert der stellvertretende Vorsitzende von MEDI GENO Deutschland e. V. und niedergelassene Hausarzt Prof. Dr. Siegfried Jedamzik aus Ingolstadt.
Svante Gehring praktiziert als Hausarzt in Norderstedt und ist auch stellvertretender Vorsitzende von MEDI GENO Deutschland e. V. Für Gehring sind die Stärkung der ambulanten Versorgung und die Ambulantisierung wichtige Maßnahmen, das Gesundheitssystem kosteneffizienter zu gestalten: „Die Einsicht, dass die ambulante vor der stationären Versorgung stehen muss, wuchs in den vergangenen Jahren in der Politik. Dazu gehörte auch der Ausbau der Hybrid-DRGs, um mehr ambulante Operationen zu ermöglichen. All das steht nun in Frage, wenn die Streichliste der Finanzkommission umgesetzt würde.“
Die beiden Ärzteverbände MEDI GENO Deutschland e. V. und MEDI Baden-Württemberg e. V. weisen zuletzt auf die eigenen Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen hin. Die Finanzkommission Gesundheit sieht laut MEDI lediglich bei den Werbeausgaben Einsparpotential. Laut aktuellen Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte könnten Gesetzliche Krankenkassen jedoch selbst einen wesentlichen Beitrag zur Kostendämpfung leisten. Nach ihrer Analyse können die Kassen acht bis 13 Milliarden Euro einspare – unter anderem durch Prozessoptimierung und den verstärkten Einsatz digitaler Technologien.
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