Über eine Million Facharztverträge – ein Meilenstein für die ambulante Versorgung

25. Februar 2026

Die MEDI-Facharztverträge in Baden-Württemberg gehören mit inzwischen über einer Million eingeschriebenen Patientinnen und Patienten zu den stabilsten und erfolgreichsten Versorgungsmodellen im Land. MEDI-Arzt und Orthopäde sowie Unfallchirurg Dr. Burkhard Lembeck war von Beginn an dabei. Er erläutert, womit der Orthopädievertrag punktet, wie die Verzahnung mit der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) funktioniert und welche Weiterentwicklungen er sich für die Zukunft wünscht.

MEDI Times: Sie waren von Anfang an am Orthopädievertrag beteiligt. Wie kam es damals dazu?

Lembeck: Ich war gerade frisch niedergelassen, als 2008 die EBM-Reform kam. Sie brachte Budgetierung und Unkalkulierbarkeit der Honorare. Das war für viele Praxen ein Blick in den Abgrund. Also habe ich bei der Entwicklung des Vertrags mitgearbeitet.

MEDI Times: Welche Vorteile erleben Sie aus ärztlicher Sicht?

Lembeck: Anfangs waren es die Honorare, klar. Endlich gab es feste Eurobeträge statt kaum nachvollziehbarer Budgets. Wenn ein Patient die Praxis verlässt, weiß ich heute genau, was vergütet wird. Beratung und klinische Untersuchung werden angemessen bezahlt. Technische Leistungen laufen über Qualitätszuschläge. Das Geld folgt also der Leistung. Wir können die Medizin machen, die wir für richtig halten. Fachliche Leitplanken sind die Leitlinien zu Rückenschmerzen, Osteoporose, Arthrose und entzündlichen Gelenkerkrankungen, die wir in den Vertrag gegossen haben. Das alles macht die Arbeit viel befriedigender als im Hamsterrad der Regelversorgung.

MEDI Times: Was bedeutet das für die Patientinnen und Patienten?

Lembeck: Sie bekommen eine gute, evidenzbasierte Versorgung nach aktuellem Wissensstand. Dank der klar definierten Schnittstellen mit den Hausarztpraxen erhalten sie binnen 14 Tagen einen Termin. Notfälle sehen wir am selben Tag. Zudem umfasst der Vertrag Leistungen, die lange Zeit im KV-System kaum oder gar nicht vergütet waren, etwa Knochendichtemessungen oder bestimmte Stoßwellentherapien. Neu hinzugekommen sind wirbelsäulennahe Infiltrationen. Inzwischen sind auch die internistischen Rheumatologen an den Vertrag angedockt, bei denen der Ärztemangel noch gravierender ist als in der Orthopädie. Wir sorgen für die notwendige Anbindung. Abgesehen davon sind wir auch eng mit Angeboten der AOK verzahnt – Rückenfit-, Abnehm- oder Bewegungsprogramme. Für die Patienten ist das ein Rundumpaket.

MEDI Times: Welche Rolle spielt die HZV im Zusammenspiel mit dem Facharztvertrag?

Lembeck: Eine große. Unsere Überweisungsquote liegt bei etwa 95 Prozent – in anderen Regionen kommen nur rund 20 Prozent mit Überweisung. Da haben wir hier ein ganz anderes Zusammenspiel. Lokal ist der Austausch sehr eng – auch aufgrund der Berichtspflicht. Wir haben auch schon auf Landesebene gemeinsame Qualitätszirkel durchgeführt.

MEDI Times: Sie sind Mitglied im Fachgruppenbeirat. Was passiert dort?

Lembeck: Wir analysieren die Versorgung kontinuierlich: Teilnahmezahlen, Entwicklungen, Rückmeldungen aus den Praxen. Das funktioniert nur, weil so viele Kolleginnen und Kollegen mitmachen und
Daten liefern. Diese gemeinsame Arbeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken.

MEDI Times: Welche Weiterentwicklungen halten Sie für notwendig?

Lembeck: Ganz klar die Digitalisierung. Die Zusammenarbeit mit den Hausärzten läuft gut, aber vieles passiert noch per Telefon oder klassischer Überweisung. Da wünsche ich mir eine digitale
Plattform und auch eine bessere Einbindung der elektronischen Patientenakte. Der Zugang zu den Präventionsprogrammen der AOK sollte ebenfalls digital laufen. Aus orthopädischer Sicht könnten wir
weitere ambulante Leistungen integrieren, um noch mehr stationäre Eingriffe zu vermeiden – etwa bei Arthroskopien.

MEDI Times: Haben Hybrid-DRG Auswirkungen auf den Vertrag?

Lembeck: Kurzfristig nicht. Die wesentlichen Leistungen sind über den AOP-Katalog bereits abgedeckt. Aber perspektivisch sehe ich weiteres Ambulantisierungspotenzial durch den Orthopädievertrag.

MEDI Times: Wie bewerten Sie die Forderungen nach einem Primärarztsystem im Zusammenhang mit den Facharztverträgen?

Lembeck: Ich sehe das sehr kritisch. In vielen Konzeptpapieren zur Primärarztversorgung taucht die ambulante fachärztliche Ebene praktisch nicht auf – das ist zu kurz gedacht. Niemand ersetzt durch
eine Überweisungspflicht die notwendige fachärztliche Expertise. Eine rein bürokratische Regelung kann nicht die Antwort auf fehlende Patientensteuerung sein. Unser Modell in Baden-Württemberg zeigt doch, wie es funktionieren kann: klar definierte Patientenpfade und Schnittstellen, Haus- und Fachärzte arbeiten auf Augenhöhe zusammen.

MEDI Times: Was bedeutet für Sie der Meilenstein von einer Million eingeschriebener Patientinnen und Patienten?

Lembeck: Er zeigt, dass die Verträge funktionieren – medizinisch, wirtschaftlich und strukturell. Sie stärken die ambulante Versorgung, schaffen klare Wege und liefern Qualität. Und sie zeigen, dass Innovation möglich ist, wenn man sie gemeinsam anpackt.

Antje Thiel

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