In den aktuellen Diskussionen um die telefonische Krankenschreibung mahnt der fachübergreifende Ärzteverband MEDI Baden-Württemberg e. V. die Debatte nicht „rein symptomorientiert“ zu führen. Die entscheidende Frage sei: Warum ist die deutsche Bevölkerung zunehmend häufiger krank? MEDI fordert ein Ende der Scheindebatte sowie stärkere Investitionen in Prävention, sprechende Medizin und Gesundheitskompetenz, um die Resilienz in der Bevölkerung in Zeiten von schweren Krisen zu stärken.
Studien zeigen, dass die Gesundheit eines Menschen und seines Umfelds das Wichtigste in seinem Leben ist. Der Ärzteverband MEDI weist darauf hin, dass für Wohlstand und wirtschaftliche Stärke eine gesunde Gesellschaft die Grundvoraussetzung ist – gerade in Zeiten schwerer Krisen.
Laut Ärzteverband MEDI wird die telefonische Krankschreibung zu oft rein symptomorientiert geführt. Für beide Seiten gibt es nachvollziehbare Gründe. Die Kritik aus Teilen der Wirtschaft und Politik an der telefonischen Krankschreibung sei begründet, andererseits würden zu viele Praxisbesuche wegen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen die Praxen zusätzlich belasten. MEDI fordert, sich mit den Ursachen für höhere Krankheitsstände zu beschäftigen. Die Frage laute: Warum ist die deutsche Bevölkerung zunehmend häufiger krank?
Dr. Cathérine Hetzer-Baumann ist Mitglied im geschäftsführenden Vorstand von MEDI Baden-Württemberg und niedergelassene Hausärztin im Landkreis Esslingen. Laut der jungen Hausärztin fehlt es vor allem an Präventionsangeboten und sprechender Medizin: „Wir würden häufig gerne bei unseren Patientinnen und Patienten mehr in die Tiefe gehen, Zeit haben, um ihnen intensiver zuzuhören, aber diese Zeit fehlt uns in der täglichen Praxis. Hinzu kommt, dass das nicht ausreichend honoriert wird. Für uns ist das leider ein Minusgeschäft. Das ist fatal, denn das Gespräch, die Aufklärung und die Prävention sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Behandlung und entlasten am Ende das Gesundheitssystem“, so Hetzer-Baumann.
MEDI fordert eine adäquate Honorierung für sprechende Medizin und Präventionsangebote und weist auf die sogenannte Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) für Kassenpatientinnen und Kassenpatienten hin, die durch jährliche Vorsorgeangebote und mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten auch zu einer nachweisbar besseren Versorgung führt. „Wir brauchen innovative Versorgungskonzepte wie die HZV, um unsere Patientinnen und Patienten bedarfsgerecht behandeln zu können. Das funktioniert in der Regelversorgung leider nur sehr begrenzt“, ergänzt Hetzer-Baumann.
Auch eine Förderung der Gesundheitskompetenz ist laut Ärzteverband MEDI eine wichtige Maßnahme, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und somit auch die Krankschreibungen zu reduzieren.
Der stellvertretende MEDI-Vorsitzende Dr. Michael Eckstein, hausärztlicher Internist im Rhein-Neckar-Kreis: „Sehr viele Arztbesuche könnten verhindert werden, wenn die Patientinnen und Patienten besser aufgeklärt wären. Ich erlebe täglich mangelnde Kenntnisse über den eigenen Körper und die falsche Einordnung von Symptomen. Immer mehr Menschen gehen mit kleinen Beschwerden wie einem Schnupfen oder einer kleinen Schnittverletzung zum Arzt. Da sehe ich viel Unkenntnis und Angst, aber auch eine fehlende Selbstfürsorge.“
Eckstein befürwortet, das Thema Gesundheit schon in der Schule zu behandeln, weil viele Eltern überfordert seien. Zudem kann eine bessere Selbstfürsorge auch zu deutlich weniger Krankschreibungen führen. „Eine gute Selbstfürsorge führt zu einer stabileren psychischen Gesundheit. Wer seinen Körper gut kennt, kann außerdem besser beurteilen, ob er arbeitsfähig ist und was nötig ist, um schnell wieder fit zu werden“, erklärt Eckstein.
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