„Ärztinnen und Ärzte wollen sich um Menschen kümmern, nicht um Bürokratie“

Seit nunmehr zwölf Jahren arbeitet Alexander Bieg für die MEDIVERBUND AG. Als Abteilungsleiter für Versorgungsstrukturen (MVZ) und Organisationsentwicklung liegt sein Fokus auf der Schaffung effizienter Strukturen und der Optimierung abteilungsübergreifender Prozesse. Seine Arbeit umfasst die Beratung, Gründung und den Betrieb von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) ebenso wie die Einführung neuer Tools für möglichst reibungslose Abläufe.

MVZ sind in den von Augen Alexander Bieg das zukunftsweisende Modell schlechthin für die ambulante Versorgung in Deutschland. Er ist überzeugt, dass die Zahl der MVZ weiter zunehmen wird, während klassische Einzelpraxen zunehmend verschwinden. „Gerade Jüngere legen Wert darauf, sich untereinander abzustimmen“, beschreibt er die Arbeitsphilosophie des ärztlichen Nachwuchses. Insbesondere sei es wichtig, „dass man die Last auf mehrere Schultern verteilen kann und damit die Herausforderungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf meistert“, meint Bieg. Als Vater von drei Kindern im Alter von drei, sechs und acht Jahren weiß er selbst um den täglichen Organisationsaufwand von Beruf und Familie. Abgesehen von der besseren Work-Life-Balance habe eine Einrichtung mit mehreren – teils angestellten – Ärztinnen und Ärzten auch eine effizientere Struktur als eine Einzelpraxis. Schließlich gebe es immer weniger Ärztinnen und Ärzte, die sich um die medizinische Versorgung von immer mehr Menschen kümmern müssen. „Daher brauchen wir Strukturen, die dieses Missverhältnis auffangen.“ MVZ hätten eine solche Struktur, mit der sich der demografische und gesellschaftliche Wandel sowie die Bedürfnisse des ärztlichen Nachwuchses am besten abbilden ließen, findet Bieg. Seine Prognose: „Nicht nur in ländlich-städtischen Regionen wird das mehr werden, sondern auch im rein städtischen Bereich, weil bei MVZ die gegenseitige Abstimmung – auch unter den Fachrichtungen – wesentliche Vorteile für die Patienten bringt.“

Freiwerdende Sitze sollen in ärztlicher Hand bleiben

Biegs Aufgabe angesichts dieses Strukturwandels ist sicherzustellen, dass freiwerdende Arztsitze in ärztlicher Hand bleiben und die Selbstverwaltung der Niedergelassenen gestärkt wird. Denn anders als investorengeführte MVZ, deren Betrieb sich vorrangig an den vereinbarten Renditevorgaben orientiert, operiert MEDI nah an der Versorgung: „Ein zentraler Unterschied zu Investoren-MVZ ist, dass wir Einrichtungen von Ärzten für Ärzte betreiben,“ beschreibt er die Philosophie des Ärzteverbands. Bei MEDI stünden gute Arbeitsbedingungen und vor allem auch die berufspolitische Stärkung der Ärzteschaft im Vordergrund. „Natürlich können auch wir nicht defizitär arbeiten, aber wir haben andere Beweggründe.“ Und wie in anderen MVZ gilt auch hier: „Ärztinnen und Ärzte sind in unseren MVZ nicht mit IT, Personalangelegenheiten und Bürokratie belastet, sondern können sich ausschließlich um den medizinischen Part und die Patientenversorgung kümmern“, berichtet Bieg. Damit ist ein MEDI MVZ auch für Ärztinnen und Ärzte interessant, die im Krankenhaus arbeiten und sich aktuell noch nicht niederlassen wollen. Für sie sei die Arbeit in einer MVZ GmbH mit klaren Regeln eine gute Variante, die ausreichend Flexibilität bietet, um perspektivisch den Wechsel vom Angestelltenverhältnis zur Teilhabe als Gesellschafter zu vollziehen, weiß Bieg. Dank eines Studiums der Gesundheitsökonomie bringt er das nötige Fachwissen mit, um die spezifischen ökonomischen Strukturen im Gesundheitswesen zu verstehen und mitzugestalten. „Dieser Background schafft Vertrauen – sowohl bei den Leuten, die das MVZ als Betrieb und Unternehmen aufbauen, als auch bei den ärztlichen Leitern, die für das Medizinische zuständig sind.“

Umfassende Erfahrungswerte

Als großer Ärzteverband verfüge MEDI über ein viel umfassenderes Wissen im Gesundheitswesen als ein einzelner niederlassungswilliger Arzt sich jemals anlesen kann. „Wir können funktionierende Strukturen anbieten, eine erprobte Matrix.“ Natürlich würden Praxen nicht allesamt nach Schema F in ein MEDI MVZ überführt: „Ärzten, die ihre Praxis abgeben und als Angestellte dort weiterarbeiten wollen, kann man natürlich nicht von heute auf morgen ein komplett neues System überstülpen“, erklärt er. Doch die grundlegenden Vorgaben, nach denen gearbeitet wird, lassen sich erklären und an die bestehenden Strukturen anpassen. Die aktuelle politische Lage mit ihren Debatten über Nachwuchsmangel und den Ärzteprotesten beeinflusst seine Arbeit ebenfalls. „Die Proteste haben zunächst einmal nichts mit unseren MVZ zu tun, jedoch damit, wie man im Gesundheitssystem mit den Ärzten umgeht. Da ist die Politik gefragt, die Rahmenbedingungen deutlich zu verbessern“, findet Bieg. Auch das Thema Budgetierung im hausärztlichen Bereich ist nicht förderlich für die Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten, weshalb die Selektivverträge weiter ausgebaut werden müssen. „Das ist ebenfalls ein Punkt, warum ein MEDI MVZ sinnvoller als das eines Investoren ist, denn wir bringen die Selektivverträge aktiv mit in die MVZ ein.“

Tüfteln im stillen Kämmerlein

Mit all diesen Argumenten überzeugt Bieg potenzielle MVZ-Gründer ebenso wie Menschen in der Kommunalpolitik, in der öffentlichen Verwaltung sowie Vermieter möglicher Praxisstandorte. „Ich bin tatsächlich viel unterwegs, auch wenn wir insbesondere im Anfangsstadium viele Gespräche per Videokonferenz führen“, erzählt er. Intern stehen ebenfalls viele Meetings in seinem Terminkalender. Sie dienen dazu, Prozesse abzustimmen, abteilungsübergreifende Prozesse zu optimieren oder aber ein neues Dokumentenmanagementsystem einzuführen. „Ich arbeite quasi in zwei Welten: Ich tüftele am Schreibtisch im stillen Kämmerlein Ideen aus, habe bei der Umsetzung aber auch viel mit Menschen zu tun, das mag ich sehr“, beschreibt Bieg seinen Arbeitsalltag. „Nach Feierabend halten mich dann meine drei Kinder auf Trab,“ erzählt Bieg, der gern mit seiner Familie Zeit in Haus und Garten verbringt.

Antje Thiel

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