„Das Vertragsgeschäft ist eng mit der Berufspolitik verbunden“

Seit Januar 2024 ist Wolfgang Fechter Unternehmensbereichsleiter bei der MEDIVERBUND AG und berichtet damit direkt an den Vorstand und Aufsichtsrat. Zuvor leitete er knapp zehn Jahre die Vertragsabteilung. Fechter blickt stolz auf die sehr positive Entwicklung bei den Haus- und Facharztverträgen zurück und auf die guten Kundenbewertungen, die bei den teilnehmenden Fachärztinnen und -ärzten und Praxisteams vergeben wurden.

Wenn es um Verträge zwischen Kostenträgern und ärztlichen Berufsverbänden geht, macht Wolfgang Fechter so schnell niemand etwas vor. Denn nach über 44 Jahren Berufserfahrung – davon 20 Jahre bei Krankenkassen und 24 Jahre auf Seiten ärztlicher Berufsverbände – kennt er die Szene mit all ihren Facetten: „Ich habe einiges mitbekommen und an vielem mitgearbeitet. Da erwirbt man – auch zwischen den Vertragszeilen – Fach- und Sachkenntnisse, die bei der Einordnung der Dinge helfen. Ich sehe mich deshalb durchaus auch als Mittler zwischen den Vertragswelten“, sagt er.

Diese Mittlerfunktion kam Fechter bereits in seiner vorigen Position als Leiter der Vertragsabteilung bei der MEDIVERBUND AG zugute. Wenn er sich an seine erste Zeit in der Welt der Haus- und Facharztverträge bei MEDI zurückerinnert, fällt ihm vor allem eines ein: „Ich dachte damals, dass ich mich auskenne mit Selektiverträgen. Aber es war doch erstaunlich, wie komplex die Materie der Vollversorgungsverträge seitens der Ärzteschaft tatsächlich ist. Heute bin ich durchaus stolz darauf, das Selektivvertragsgeschehen von der Ausschreibung über die Vertragsverhandlungen mit Vertragsabschluss bis zur Umsetzung in der Ärzteschaft und in den Krankenkassen in aller Tiefe zu kennen“.

Top-Bewertungen durch die Leistungserbringer

Als Fechter bei MEDI anfing, ging es vor allem darum, die Vertragsabteilung stabil aufzustellen, Prozesse zu definieren und das Facharztsystem weiterzuentwickeln. Seither ist die Zahl der Facharztverträge und der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte kontinuierlich gestiegen: von knapp 1.800 im Jahr 2014 auf etwa 3.200 Anfang 2024 – einschließlich Praxispartner und Angestellte. Die Zahl der je Quartal behandelten Patientinnen und Patienten verdreifachte sich im selben Zeitraum von rund 120.000 auf etwa 370.000 im ersten Quartal 2024. Diese Entwicklung macht sich natürlich auch in den Umsatzzahlen bemerkbar: „Ich kann mich noch erinnern, wie der Vorstand damals ein jährliches Abrechnungsvolumen von 200 Millionen Euro als Ziel ausgegeben hat. Damals klang das utopisch, doch mittlerweile haben wir diese Größenordnung mit rund 263 Millionen Euro im Jahr 2023 längst übertroffen“, erzählt Fechter. Und auch die Kundenbewertungen durch die Praxisteams – mit 4,5 von 5 möglichen Punkten – können sich sehen lassen.

Nach zehn Jahren als Leiter der Vertragsabteilung ist er Anfang des Jahres zum Unternehmensbereichsleiter der MEDIVERBUND AG aufgestiegen. In seiner neuen Rolle ist Fechter für alle ihm direkt zugeordneten Bereiche und auch für alle dazugehörigen Personalmaßnahmen zuständig. Hierzu zählen das Vertragswesen, die Umsetzung der Haus- und Facharztverträge sowie medizinischen Fortbildungen und das Institut für fachübergreifende Fortbildung und Versorgungsforschung der MEDI Verbünde (IFFM). Wenn es seitens der Berufsverbände Ideen für neue Leistungen oder Vertragsinhalte gibt, ist er deren erster Ansprechpartner. „Änderungsvorschläge bringe ich nach der Aufbereitung in der Vertragsabteilung zur Abstimmung in den Vorstand und Aufsichtsrat“, berichtet er.

Daneben arbeitet Fechter eng mit dem Vorstand bei den gemeinsam zugeordneten Bereichen Marketing und Unternehmenskommunikation, Arbeitssicherheit, Datenschutz und Vorstandssekretariat zusammen. „Die Menschen, mit denen ich jetzt enger zusammenarbeite, haben mich sehr gut aufgenommen und unterstützen mich sehr gut“, berichtet Fechter. Auch hier kann er – wie zuvor in der Vertragsabteilung „sehr viel Engagement und Motivation für eine sehr kundenorientierte Aufgabenerledigung feststellen“. 

Nur lauter Protest findet in der Öffentlichkeit Gehör

Das Vertragsgeschäft ist naturgemäß eng mit der Berufspolitik verbunden: „Da habe ich schon immer viel mitbekommen und mitgearbeitet“, erzählt Fechter. Für den zuweilen lautstarken und heftigen Protest der Berufsverbände hat er großes Verständnis: „Denn wenn man nur ruhig und sachgerecht argumentiert, wird man leider häufig nicht gehört, das ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen“, meint Fechter. „Wenn man nicht mit Schlagworten um sich wirft, werden auch legitime Forderungen schnell banalisiert. Daher muss neben sachlichen Argumentationen und Lösungsvorschlägen auch das laute Protestieren sein.“

Gründe dafür gibt es in seinen Augen mehr als genug. Für Fechter ist klar, dass die ambulante Versorgung in den vergangenen zwei Jahren aufgrund von Inflation und Kostensteigerungen noch stärker gelitten hat als zuvor: „Man schiebt nun eine Krankenhausreform inklusive Ambulantisierung von ärztlichen Leistungen an, spricht aber nicht mit den Niedergelassenen, die das Ganze letztlich umsetzen sollen. Man verpflichtet Praxen im Rahmen der Telematikinfrastruktur zur Anwendung von nur bedingt funktionsfähigen Softwaresystemen und so weiter. Es ist doch kein Wunder, dass dann bei den Betroffenen der Frust steigt!“ Man dürfe Praxisteams, die ohnehin permanent am Limit arbeiten, nicht immer weiter drangsalieren.

Wie man wertschätzend mit den Menschen umgeht, die wichtige Arbeit erledigen, könne man innerhalb der MEDI-Gruppe beobachten: „Bei uns kann jeder Mitarbeiter zwei Tage pro Woche im Home-Office arbeiten“, berichtet Fechter. Aber auch ein dritter Tag sei kein Problem, „wir handhaben das flexibel – etwa wenn ein Bahnstreik die Pendler einschränkt“. Kundenbefragungen hätten gezeigt, dass die Zufriedenheit mit der Arbeit von MEDI-Angestellten gleich hoch ist, wenn zu Hause gearbeitet wird. „Insgesamt wird unsere Home-Office-Regelung sehr gut angenommen von den Kolleginnen und Kollegen. Die Wiedersehensfreude ist auch größer, wenn man nicht jeden Tag im Büro ist“, schmunzelt Fechter.

Rituale helfen nach der Arbeit beim Abschalten

Er selbst verbringt drei Tage pro Woche im Büro und zwei zu Hause. Die Fahrtzeit von immerhin einer Stunde pro Strecke zwischen seinem Zuhause und dem Büro in Stuttgart stört ihn nicht: „Im Gegenteil – sie hilft mir, nach Feierabend abzuschalten“, erzählt er. „Ich habe dafür Rituale eingebaut, etwa dass ich ganz bewusst den PC ausschalte und die Bürotür schließe, dann bleibt die Arbeit auch im Büro.“ Schleicht sich dann doch noch der eine oder andere Gedanke an die Arbeit mit aus dem Büro, verfliegen sie unterwegs auf der Autofahrt.

Wenn er zu Hause arbeitet, fehlt Fechter diese eine Stunde Heimfahrt zum Abschalten: „Dann ersetzt ein 25-minütiger Spaziergang durch unseren Ort als Feierabend-Ritual die Autofahrt.“ Ist er einmal im Freizeit-Modus angelangt, hat Fechter Freude an gemeinsamen Aktivitäten seines Musikvereins, betätigt sich aber auch gern sportlich beim Skifahren oder auf dem Motorrad. „Außerdem bringen mir meine Enkelinnen und das Heimwerken viel Spaß.“ Daneben interessiert er sich für Fußball: „Ich sympathisiere mit dem VfB Stuttgart mehr als mit anderen Vereinen“, verrät er, „aber generell bin ich ein Fan von allen Mannschaften, die guten Fußball spielen, egal welchem Verein sie angehören. Ein gutes Fußballspiel ist mir lieber als eine ausgeprägte Fankultur.“

Antje Thiel

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