„Ich habe immer gern über meinen eigenen Tellerrand geschaut“

Der Allgemeinmediziner und Diabetologe Dr. Markus Klett ist Schatzmeister bei MEDI. Seine Überzeugung: Wenn die Kernfächer nicht zusammenarbeiten, funktioniert die Versorgung nicht. Er konzentriert sich daher auf Weiterbildungen beim Institut für fachübergreifende Fortbildung und Versorgungsforschung der MEDI Verbünde e. V. (IFFM).

Sein Onkel war Chirurg, der Vater Allgemeinmediziner, die Ehefrau arbeitet als Gynäkologin – „und Kinderärzte haben wir auch in der Familie“, erzählt Dr. Markus Klett. Kein Wunder also, dass ihm der Gedanke an fachübergreifende Zusammenarbeit nie fremd war. Im Gegenteil: „Ich habe immer gewusst, dass man über den eigenen Tellerrand schauen muss – sowohl fachlich als auch politisch. Diese Überzeugung begleitet mich schon mein ganzes Berufsleben.“

Dieses Berufsleben begann nach dem Studium in Heidelberg und der Zeit als Medizinalassistent mit ersten Stationen in Düsseldorf und Südbaden, bevor er 1983 nach dem Tod seines Vaters dessen allgemeinmedizinische Praxis in Stuttgart übernahm. „Damals gab es noch keinen fachübergreifenden Verband“, erinnert sich Klett an seine ersten Jahre in der Niederlassung. Zusammen mit Dr. Werner Baumgärtner und anderen Weggefährten gehörte er zu den Gründungsvätern von MEDI: „Für mich hieß das vor allem, dass Hausärzte nicht nur für sich arbeiten, sondern sich mit anderen Fachrichtungen vernetzen. Anders als in anderen KVen, ist es uns dank MEDI in Baden-Württemberg gelungen, die traditionelle Feindschaft zwischen Haus- und Fachärzten zu beseitigen.“

Abkehr vom glukozentrischen Weltbild

Während andere MEDI-Mitglieder der ersten Stunde sich auf die politischen Ziele des Verbands konzentrierten, widmete Klett sich der Entwicklung fachübergreifender Fortbildungen. Das erste Symposium für Diabetes und verwandte Gebiete fand im Jahr 2005 statt. Mit einem der zentralen Wegbereiter der fachübergreifenden Diabetologie, dem Münchener Diabetologen und Forscher Prof. Hellmuth Mehnert, gewann er einen renommierten Referenten, der sich schon früh für die Abkehr vom glukozentrischen Weltbild seiner Fachrichtung einsetzte. „Ich habe immer Koryphäenen für diese Veranstaltungen gewonnen, dieses Jahr beim zehnten Symposium war beispielsweise Prof. Hans-Ulrich Häring, der ehemalige Leiter des Instituts für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrums München, mit von der Partie und hat über die zerebrale Wahrung von Zucker im Gehirn gesprochen“, berichtet Klett nicht ohne Stolz.

Mittlerweile finden seine Symposien unter dem Dach des 2011 von MEDI-Ärztinnen und -Ärzten im Südwesten gegründeten Instituts für fachübergreifende Fortbildung (IFFM) statt, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist. „Die Diabetologie ist heute ein endokrinologisches Rumpffach, das über die reine Glukosetherapie hinausgeht“, meint Klett. „Mich interessiert, wie diabetische Nierenerkrankungen oder Neuropathie entstehen und wie das alles mit kardiovaskulären Themen zusammenhängt. Da gibt es noch an vielen Stellen so wenig Fachwissen, das bewegt mich.“ Mittlerweile arbeiten Diabetologie, Kardiologie und Nephrologie eng zusammen. „Dass ich das vorangetrieben habe, darauf bilde ich mir schon was ein“, meint der Stuttgarter Arzt.

Die Impfmedizin ist ein weiteres Gebiet, auf dem Klett sich über sein eigenes Fachgebiet hinaus einen Namen gemacht hat: „Ich habe 2019 ein Impfkompendium entwickelt“, berichtet er. Dabei handelt es sich um ein Ringbuch, in dem man rasch und einfach nachschlagen kann, welche Impfungen in welcher Dosierung man bei diversen Krankheitsbildern geben kann, die mit einer Immundefizienz oder Immunsuppression einhergehen. „Es ist das einzige auf dem Markt und mittlerweile in seiner vierten Auflage erschienen.“

Innovationen müssen wieder belohnt werden

Was den umtriebigen Arzt – abgesehen von seinem Engagement für die fachübergreifende Kooperation und Fortbildung – antreibt, ist seine Zielprojektion eines Gesundheitswesens, in dem Innovationen endlich wieder belohnt werden. Die Budgetierung ärztlicher Leistungen etwa hat darin keinen Platz: „Sie belohnt die Faulen und bestraft die Fleißigen“, meint Klett. „Wenn man anderswo auch so knauserig wie im Gesundheitswesen wäre, dann würde nichts mehr laufen“, kritisiert er.

Natürlich muss auch ein Macher wie Klett zwischendurch einmal die Akkus aufladen. Ausgleich zum Praxisalltag findet er zum einen in verschiedenen kulturellen Interessen: „Ich besuche gern Ausstellungen und erinnere mich noch an eine wunderbare Picasso-Ausstellung 2021 oder die große Dali-Retrospektive in Paris vor gut zehn Jahren.“ Daneben gilt sein Interesse der Musik: „Ich bin ein großer Fan von Jazz, hier in Stuttgart gibt es zum Glück eine recht gute Szene.“

Genussmensch mit Faible für den Süden

Auch beim Reisen gelingt es ihm, den Alltag hinter sich zu lassen: „Schroffe Gegenden im Norden sind nicht so mein Ding, ich mag den Süden. Am liebsten Landschaften, in denen man sich gern bewegt.“ Ein ganz besonderes Faible hat Klett für das Bergsteigen: „Ich habe im Alter von sechs Jahren meinen ersten 3.000er bestiegen, mit zehn Jahren dann den ersten 4.000 Meter hohen Berg“, berichtet er. Heute begeistert er sich eher für „Genussbergsteigen“ – und als Genussmensch selbstredend auch für die kulinarischen Schätze seiner Lieblings-Reiseziele Südtirol, Frankreich und Italien. „Ich spreche recht gut Italienisch, das kommt mir auch bei meinen Patienten italienischer Abstammung zugute.“ Und schon ist Klett gedanklich wieder zurück in der Praxis, bei seiner Arbeit und bei seinen Patientinnen und Patienten.

Antje Thiel

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