Ambulante Versorgung der AOK-Baden-Württemberg: 725 Millionen Euro fließen 2022 in die Haus- und Facharztverträge

Auch 2022 wachsen Arzthonorare und Teilnehmerzahlen im Haus- und FacharztProgramm auf hohem Niveau. Das Gesamthonorar der Ärztinnen und Ärzte liegt mit 725 Millionen Euro 2,4 Prozent über dem Vorjahr. Davon entfallen rund 547 Millionen Euro (plus 1,9 Prozent) auf den HZV-Vertrag mit 1,78 Millionen AOK-Versicherten. 178 Millionen Euro (plus 2,5 Prozent) fließen in die gemeinsamen Facharztverträge von AOK und Bosch BKK mit 835.000 teilnehmenden Versicherten. 8.577 Ärztinnen und Ärzte inklusive Angestellter nehmen an der Versorgung teil (plus 0,8 Prozent). Davon entfallen 5.416 auf Haus- und Kinderärzte sowie 3.161 auf Fachärzte und Psychotherapeuten. Die Vertragspartner setzen auch zukünftig weiter auf die bessere und wirtschaftlichere Versorgung in den Selektivverträgen. Mit Spannung erwarten sie anlässlich des 15-jährigen Bestehens der HZV die Langzeitergebnisse einer wissenschaftlichen Evaluation zum Vergleich von HZV zur Regelversorgung, die am 15. Mai in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Johannes Bauernfeind, kommentiert: „Die Haus- und Facharztverträge als eng vernetzte Versorgungseinheit stehen nach wie vor für eine dauerhaft qualitativ hochwertige und koordinierte Versorgung unserer Versicherten bei leistungsgerechter Vergütung der Ärzte. Das funktioniert nur mit Vollversorgungsverträgen, da die Versorgungsstrukturen so genauestens auf die regionalen Gegebenheiten abgestimmt werden können. Diesen Erfolgspfad wollen wir auch in Zukunft fortsetzen.“ Ein Weg, der auch bei den AOK-Versicherten gut ankommt. Regelmäßige Befragungen bei Teilnehmern im Haus- und Facharztprogramm belegen eine Zufriedenheit zwischen 90 und 95 Prozent. Und für 9 von 10 HZV-Versicherten ist die Erwartung einer koordinierten Versorgung durch den Hausarzt der wichtigste Teilnahmegrund. Voraussetzung für erfolgreiche Versorgungsstrukturen wie die HZV seien aber stabile Kassenfinanzen, so Bauerfeind. „Die können auch nur dann erreicht werden, wenn die Effizienzvorteile durch Selektivverträge dort verbleiben, wo sie erzielt werden. Es ist nicht zielführend, wenn Regionen wie Baden-Württemberg mit hoher Qualität und Effizienz in der Gesundheitsversorgung in finanzieller Hinsicht dafür bestraft werden.“

Erstmalig ist 2022 altersbedingt im HZV-Vertrag ein Rückgang bei den teilnehmenden Hausärztinnen und Hausärzten zu verzeichnen (minus 21). Im Vergleich zu 2021 nehmen in der HZV 47 angestellte Ärztinnen und Ärzte mehr an der Versorgung teil, was den Wachstumstrend im Bereich der Angestellten bestätigt. Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Vorsitzende des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, sagt dazu: „Die HZV ist unverzichtbar für viele Praxen, und für eine gut gehende HZV-Praxis findet sich auch wesentlich leichter ein Nachfolger. Doch auch die HZV muss sich den Herausforderungen der demografischen Entwicklung stellen. Neben der Zunahme der Krankheitslast ist es die stetig abnehmende Anzahl an Ärzten, die sich als Hausärzte niederlassen. Eine wichtige strategische Ausrichtung, die wir selbst aktiv beeinflussen können, ist die systematische Ausweitung der Delegation, die Verstärkung der interprofessionellen Versorgung sowie die Entwicklung zur Hausarztpraxiszentrierten Versorgung. Viele HZV-Praxen werden dadurch in Zukunft ein größeres Leistungsspektrum abdecken, attraktiver für Mitarbeitende sein und so deutlich mehr Patienten betreuen.”

Zur Entwicklung der Selektivverträge erklärt Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland: „Der HZV-Vertrag war von Anfang an ausbaufähig angelegt, weil bessere ambulante Versorgung und Steuerung ein strukturierteres Zusammenspiel von Haus- und Fachärzten erfordert. Die Wachstumsraten der teilnehmenden Versicherten und Ärztinnen und Ärzte des letzten Jahres sind angesichts der finanziellen Kassenlage immer noch zufriedenstellend. Mittlerweile gibt es 8 Facharztverträge für 13 Fachgruppen und die Evaluationsdaten zeigen, dass die positiven HZV-Wirkungen dadurch noch verstärkt werden. Deshalb fordern wir seit Jahren unermüdlich von der Bundespolitik, für verlässliche Rahmenbedingungen zu sorgen und qualitätsorientierte haus- und fachärztliche Vollversorgungsverträge explizit zu fördern, sodass auch bundesweit deutlich mehr Patienten als bisher von den nachweislichen Vorteilen profitieren können.“

Abbildung: Entwicklung der AOK-Haus- und Facharztverträge in Baden-Württemberg 2022

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