MEDI kritisiert FDP-Vorschlag zur Terminvergabe über kommerzielle Anbieter

Die FDP-Fraktion möchte die Terminvergabe von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten über kommerzielle Ärzteportale wie Doctolib oder Jameda finanziell fördern. Dieser Vorschlag stößt auch bei MEDI Baden-Württemberg e. V. auf großes Unverständnis. Modernste Online-Plattformen könnten nicht die strukturellen Probleme des Gesundheitswesens lösen und seien auch nicht in der Lage, Patientinnen und Patienten mit medizinischen Ersteinschätzungen zu helfen, mahnt MEDI-Vizechef und Kardiologe Dr. Norbert Smetak.

„Dass ausgerechnet eine Partei wie die FDP erst die Abschaffung der Neupatientenregelung zulässt und im nächsten Schritt die Terminvermittlung über kommerzielle Anbieter mit unseren Geldern fördern möchte, ist doch verkehrte Welt“, kritisiert Smetak. Die Zeiten, in denen die FDP die ärztliche Freiberuflichkeit unterstützt habe, seien offenbar endgültig vorbei.

Für MEDI liegt das Problem nicht in der Qualität der Terminvermittlung über die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Eine Patientinnen- und Patientenumfrage der KBV aus dem Jahr 2020 habe eindeutig gezeigt, dass die meisten Patientinnen und Patienten nicht oder nicht lange auf einen Arzttermin warten müssen.

„Allerdings werden sich die Wartezeiten in den kommenden Jahren drastisch verändern“, mahnt Smetak. Grund seien vor allem der drohende Ärztemangel sowie die Budgetierung ärztlicher Leistungen. „Die aktuellen Ärzteproteste zeigen ganz deutlich, dass die Ärzteschaft da nicht mehr mitmacht. Leistungen, die wir nicht bezahlt bekommen, werden wir künftig auch nicht mehr erbringen. Eine Terminflatrate werden wir künftig aufgrund steigender Kosten und erhöhten Bürokratieaufwands nicht mehr anbieten – auch nicht für Online-Plattformen wie Jameda, Doctolib und Co.“, so der Verbandsvize.

Ein weiteres Problem sieht MEDI im Geschäftsmodell der kommerziellen Ärzteportale. Über teure Abomodelle könnten sich Ärztinnen und Ärzte gute Bewertungen und Rankings erkaufen. „Stellen wir uns mal vor, wie die Terminvergaben über diese Anbieter künftig aussehen würden. Die lukrativsten Behandlungen erhalten dann die Ärztinnen und Ärzte, die ein Premium-Abo ‚Platin‘ besitzen. Das ist unverantwortlich für die Ärztinnen und Ärzte, aber vor allem auch für unsere Patientinnen und Patienten“, mahnt Smetak.

MEDI fordert das Geld in den Ausbau der KV-geführten Terminservicestellen zu investieren. Sie würden unter kompetenter ärztlicher Begleitung über eine medizinische Ersteinschätzung sinnvoll Termine vermitteln. „Das kann auch der beste Algorithmus nicht leisten“, sagt Smetak.

Tanja Reiners

 

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