„Liberale Strukturen in der Ärztekammer stärken“

Der Ravensburger Gynäkologe Dr. Bernd Prieshof engagiert sich seit Jahren berufspolitisch. Auch in diesem Jahr tritt er wieder zur Wahl der Vertreterversammlung an. Die Nachwuchsförderung ist eines seiner wichtigsten Anliegen.

MEDI: Herr Dr. Prieshof, Sie sind jetzt seit zwölf Jahren Mitglied in der Vertreterversammlung und waren zwei Legislaturperioden im Vorstand der Bezirksärztekammer Südwürttemberg. Was motiviert Sie, sich auch in diesem Jahr wieder zur Wahl aufzustellen?

Prieshof: Die Kammer ist der Ort, wo über die Ausübung unseres Berufs entschieden wird. Wenn sich niemand zur Wahl stellt, können unsere Interessen nicht vertreten werden. Die Kammer ist die ärztliche Selbstverwaltung. Wir selbst – die Ärztinnen und Ärzte – sind die Kammer. Es sind nicht irgendwelche Behördenköpfe, sondern wir selbst können mitgestalten, was in der Kammer entschieden wird. Deshalb stelle ich mich zur Wahl. Darüber hinaus ist es mir als MEDI-Mitglied wichtig, liberale Strukturen zu stärken und den Service-Gedanken innerhalb der Ärztekammer zu unterstreichen.

MEDI: Wofür setzen Sie sich im Rahmen der Kammerarbeit schwerpunktmäßig ein?

Prieshof: Die Nachwuchsförderung ist mir ein großes Anliegen. Aktuell ist es eine der wichtigsten gesundheitspolitischen Aufgaben, den Arztberuf in Deutschland wieder attraktiv für die nachfolgende Generation zu machen. Wir müssen dazu beitragen, den Nachwuchs neu für unseren Beruf zu motivieren. Wir brauchen Strukturen, die den Arztberuf auch für junge Frauen mit Familie interessant machen.

MEDI: Das heißt zum Beispiel?

Prieshof: Die Weiterbildungszeiten sind so ein Beispiel. Früher war es üblich, dass die ganze Weiterbildung in Vollzeit in einer Klinik durchgeführt wurde. Die Lebenswirklichkeit der jungen Ärztinnen und Ärzte sieht aber heute anders aus. Sie haben Fehlzeiten zum Beispiel durch die Elternzeit und wollen sich auch im ambulanten Bereich weiterbilden. Deshalb haben wir durchgesetzt, dass auch Weiterbildungszeiten von weniger als sechs Monaten anerkannt werden können. Das ist wichtig für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, insbesondere für Mütter.

MEDI: Das klingt fast, als wäre die Kammer auch eine Institution für ärztliche Lobbyarbeit …

Prieshof: Das sehe ich so! Viele Kolleginnen und Kollegen bringen die Kammer vor allem mit Bürokratie in Verbindung. Ich bin der Meinung, dass sie keine träge Behörde sein darf, sondern eine Dienstleistungsgesellschaft, die unsere Interessen nach außen vertritt. Nehmen Sie das Beispiel Telematik-Infrastruktur. Das war und ist eine einzige Katastrophe! Ständige Systemabstürze, Kosten, Datenlecks. Wenn sie wenigstens funktionieren würde … Wir sind ja für Digitalisierung, aber nicht so. Was wir uns als Ärzte haben bieten lassen, das ist völlig unglaublich. Die TI zeigt, wie wichtig Lobbyarbeit für Ärztinnen und Ärzte wäre. Wir brauchen eine Standesvertretung und eine Institution, die für uns da ist. Dafür würde ich mich gerne mehr einsetzen.

MEDI: Ehrenamtliches Engagement ist Ihnen wichtig.

Prieshof: Ja, genau. Ich finde es wichtig, sich zu engagieren. Nur so kann ich dafür sorgen, dass die Gremien unsere Interessen wahrnehmen! Und ich muss ehrlich sagen, dass Ehrenämter meiner Erfahrung keine Last sind. Sie bereichern mich und erweitern meinen Horizont enorm.

Ruth Auschra

 

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