Mit offenen Augen ins Mikroabenteuer

Sie haben sich aus guten Gründen gegen eine Reise in den Sommerferien entschieden? Erleben können Sie – gerade auch mit Kindern – trotzdem viel, wenn Sie bereit für etwas Neues sind. Fernab der ausgetretenen Pfade winken Abenteuer im Kleinformat.

 

Erlebnisse lauern auch in der nahen Umgebung, wenn man sie sucht. Man braucht nicht viel dazu: Frühmorgens in der Dunkelheit verlässt man das Haus, wandert mit ein paar wärmenden und leckeren Kleinigkeiten im Rucksack zu einer grünen Anhöhe mit Aussicht. Dort wartet man im warmen Schlafsack auf den Sonnenaufgang. Mit kleineren Kindern reicht eventuell auch ein Sonnenaufgangs- Picknick auf dem Balkon. Die ersten Sonnenstrahlen sind garantiert ein Erlebnis, das man so bald nicht vergisst! Unauffällig treten Stress und Alltagstrott in den Hintergrund.

 

Tagsüber und abends funktioniert das Mikroabenteuer selbstverständlich auch. Mit Decke, Grillwürstchen und Kartoffelsalat im Rucksack kann man auch heiße Tage bis zum Sonnenuntergang oder bis zum Blick in den Sternenhimmel genießen. Je nach Alter der Kinder wird man einen Ausflug in den nächsten Wald unternehmen oder lieber ein Zelt im Vorgarten aufstellen. Ein Abenteuer wird daraus, wenn man es darauf anlegt. Einfach ganz still sein und die Geräusche der Natur hören: Was knackt da eigentlich im Wald? Welche Vögel, welche Insekten sind zu hören und zu sehen?

Handy und Co. gehören nur für den Notfall ins kleine Expeditions-Gepäck. Wenn alle an ihren Handys spielen, ist das Abenteuer keins mehr.

 

Was sind Mikroabenteuer?

 

Als Erfinder der Mikroabenteuer gilt der Weltenbummler Alastair Humphrey. Er hatte schon Maxiabenteuer hinter sich, Touren durch Indien oder die Sahara zum Beispiel, als er die entschleunigende Wirkung von einfachen Kurztrips erkannte. Sein erstes Mikroabenteuer war eine Winterwanderung nahe der Londoner Autobahn. Es gefiel ihm und er machte weiter, schwamm zwischen Feierabend und Frühstück Flüsse entlang oder ließ sich im Traktorreifen mit der Strömung treiben, bis ein geeigneter Rastplatz für die Nacht auftauchte.

 

Entspannen könnte man natürlich auch in einem Wellnesshotel, beim Yoga oder beim Segeln. Zwei Gründe sprechen für Mikroabenteuer: Erstens wecken solche kreativen Erlebnisse schlummernde Stärken, die neuen Schwung geben. Sie bringen uns aus unserem Trott heraus – und plötzlich klettern Erwachsene auf Bäume oder basteln mit Tannenzapfen, Kinder werden zu Kundschaftern oder Archäologen. Und zweitens sind sie für wenig Geld zu realisieren – auch nicht ganz unwichtig. Das Ziel spielt dabei keine zentrale Rolle. Die eigene Haltung zum Unternehmen Mikroabenteuer ist Kern der Sache. In der Kindheit wollte man noch gerne wissen, was hinter der nächsten Ecke liegt. Diese Neugier können wir auch als Erwachsene wieder lieben lernen.

 

Wohin geht es?

 

Im heißen Sommer lockt das Wasser. Können die Kinder schon schwimmen? Gibt es nicht irgendwo im Keller noch ein altes Schlauchboot? Ob wir es bis ans andere Ufer schaffen? Abenteuer! Im Wald gibt es auch viel zu entdecken. Wann sind Sie zum letzten Mal auf einen Baum geklettert? Barfuß kann man über Moos laufen oder auf Baumstämmen balancieren. In heißen Sommern ist es im Wald kühler als in der Großstadt und die Luft ist sowieso besser.

 

Abenteuer kann man natürlich auch in der Stadt erleben. Kann man eine Strecke erwandern, die man normalerweise mit dem Auto oder der S-Bahn zurücklegt? Gibt es eine Kleingartenkolonie, wo man Hilfe bei der Apfelernte anbieten könnte? Wer dem Alltag entfliehen will, findet einen Weg und auch ein passendes Fluchtfahrzeug, ein Fahrrad oder einen Tretroller zum Beispiel. Viel Spaß dabei!

 

Ruth Auschra

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