MEDI-Hausärzte: „Wir können Massenimpfung!“

Verwaiste Impfzentren und fehlender Impfstoff: Der Start der Impfkampagne gegen das Coronavirus verlief auch in Rheinland-Pfalz holprig. Doch spätestens im Frühjahr wird mit einem Massenansturm gerechnet. MEDI Südwest fordert, genau wie der Dachverband MEDI GENO Deutschland, die niedergelassenen Haus- und Fachärzte umfänglich einzubinden.

Ein typischer Mittwochnachmittag: Dr. David Krezdorn, Hausarzt und Mitglied im erweiterten Vorstand von MEDI Südwest, ist mit einem mobilen Impfteam in einem Seniorenheim im rheinhessischen Osthofen im Einsatz. Etwa 90 Bewohner und Pflegepersonal haben gerade ihre zweite Spritze gegen das Coronavirus erhalten – schnell und routiniert. Wie viele andere MEDI-Ärzte in Rheinland-Pfalz ist er in den vergangenen Wochen regelmäßig in Alten- und Pflegeheimen unterwegs gewesen. „Wir haben in unserer Region inzwischen fast allen impfwilligen Pflegeheimbewohnern und dem Personal die erste Impfdosis verabreicht, viele haben schon die zweite bekommen“, berichtet er.

Und es hätten noch mehr sein können, wenn genügend Impfstoff da gewesen wäre. Den Impfstoffmangel Anfang des Jahres wird es nach Ansicht vieler Experten bald aber nicht mehr geben. Dann wird mit einem Massenansturm auf die Impfzentren gerechnet. „Dann rechnen wir im Impfzentrum Alzey mit Vollbetrieb von acht bis zwölf Stunden täglich, wahrscheinlich auch an den Wochenenden“, so Krezdorn, der eine Hausarztpraxis im Alzeyer Stadtteil Weinheim hat und sich freiwillig für Dienste im Impfzentrum gemeldet hat. Spätestens dann müssten auch die Hausärzte in die Impfstrategie des Landes eingebunden werden, findet er.

Coronaimpfungen in die Praxen geben
Das sieht auch Dr. Ralf Schneider, Vorsitzender von MEDI Südwest, so. „Jährlich werden in Deutschland 20 Millionen Menschen innerhalb weniger Wochen in den Hausarztpraxen gegen die Grippe geimpft. Warum soll das nicht auch bei Corona funktionieren?“ Gemeinsam mit dem Hausärzteverband Rheinland-Pfalz forderte MEDI von der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, die niedergelassenen Ärzte rechtzeitig in die Impfstrategie des Landes einzubinden. „Wir Hausärzte können Massenimpfung“, so Schneider selbstbewusst.

Dies sei auch kostengünstiger, als monatelang große Impfzentren vorzuhalten, glaubt Schneiders Kollege Krezdorn. In Frankfurt sei etwa die Festhalle ein Impfzentrum umgewandelt worden. „Ich will nicht wissen, was das täglich kostet.“ Ohnehin würden sich viele Patientinnen und Patienten lieber bei ihrem Hausarzt impfen lassen als in großen Zentren. Das werde schon seit Wochen an den zahlreichen Beratungsgesprächen deutlich. „Außerdem kennt niemand so gut die Krankengeschichte der Impfwilligen wie wir Hausärzte“, nennt Krezdorn einen weiteren großen Vorteil der Impfung in den Praxen.

Zuschlag für höheren Beratungsaufwand
Wegen des hohen Gesprächsbedarfs bei impfwilligen Patientinnen und Patienten hat MEDI Südwest eine angemessene Honorierung gefordert. „Wie schon für die Impfaufklärung, die analog zu EBM 35100 honoriert werden müsste, müssen die Ärzte für den zusätzlichen Aufwand entsprechend bezahlt werden“, fordert der MEDI-Vorsitzende.

Klärungsbedarf sieht er auch bei der weiteren Organisation. „Wir brauchen Impfstoffe, die in der Praxis gut verarbeitbar sind.“ Dazu gehöre das Vakzin von AstraZeneca, das keine aufwendige Kühlung benötige, aber auch der russische „Sputnik“ sei eine Alternative, wenn er in der EU zugelassen werde.

Richtig vorbereiten
Schneider rät aber auch seinen Mitgliedern, sich rechtzeitig Gedanken über die Organisation von Massenimpfungen zu machen. Wo es die Räumlichkeiten hergeben, könne man abgetrennte Bereiche in den Praxen schaffen. Eine andere Möglichkeit sei, Sprechzeiten zu teilen. So will es auch Krezdorn machen: „Ich werde spezielle Coronasprechstunden und Coronaimpfungen anbieten.“

Er hofft, dass es bis dahin klare Arbeitsabläufe zwischen Herstellern, Apotheken und Praxen gibt. So könnte etwa in den Impfzentren oder in Apotheken auch das Vakzin von Biontech/Pfizer aufbereitet und als fertige Spritzen an die Hausärzte geliefert werden. In dieser Form sei es bekanntlich auch ohne aufwendige Kühlung bis zu sechs Stunden lagerbar. Die Stoffe von Moderna und AstraZeneca seien ohnehin leichter zu verarbeiten. „In nur einer Stunde könnte ich täglich 20 Patienten impfen, macht 100 in der Woche und 400 im Monat“, rechnet Krezdorn vor. Dann würden die Coronaimpfungen deutlich an Fahrt gewinnen.

Martin Heuser

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