MFA in der Coronakrise – Respekt!

Wochenlang hieß es, Deutschland sei gut auf einen Corona-Ausbruch vorbereitet. Dann tauchten die ersten Ski-Urlauber mit Covid-19 in den Arztpraxen auf, auch im HausÄrzteHaus in Kirchheim/Teck. Und plötzlich veränderte sich der Berufsalltag – auch für die MFA.

„Wir mussten uns überlegen, was zu tun war, um während der Pandemie Infizierte zu identifizieren, ohne unsere chronisch kranken Patienten zu gefährden“, sagt Gordon Hunter. Er ist einer von elf Ärzten, die zusammen mit 18 MFA im HausÄrzteHaus arbeiten. Der Allgemeinmediziner berichtet, dass die MFA bei der organisatorischen Krisenbewältigung eine wichtige Rolle übernahmen.

Am Telefon musste eine Triage durchgeführt werden – dafür war ein tagesaktueller Fragenkatalog nötig, um in jedem Einzelfall trotz Stress die Weichen richtig zu stellen. Es wurden getrennte Sprechstunden für Infekt- und andere Patienten eingerichtet. Damit die neuen Regeln eingehalten wurden, überwachte eine MFA quasi als Security-Frau die Eingangstür, wo sie Husten-Patienten auf die Infektsprechstunde vertröstete.

Enorme Umstellung

In einem Nebengebäude fand sich ein Raum, durch dessen Fenster Rezepte, AU-Bescheinigungen oder andere Papiere kontaktfrei nach draußen gereicht werden konnten. „Das war eine enorme organisatorische Umstellung mit vielen Zusatzaufgaben, die die MFA bewältigen mussten“, erinnert sich Hunter. Er ist stolz, dass die Mitarbeiterinnen mitmachten und die neuen Strukturen schnell aufbauten.

Der Landkreis Esslingen richtete zwei Corona-Abstrich-Zentren (CAZ) ein, wo die niedergelassenen Ärzte Dienste übernahmen. Die MFAs machten engagiert mit – keine Selbstverständlichkeit! „Die Mitarbeiterinnen fanden die Vorstellung natürlich auch beängstigend, im Abstrichzentrum eingesetzt zu werden“, sagt Hunter offen. Manche MFA meldeten sich sofort, andere fragten zuerst vorsichtig nach Schutzausrüstung und Ansteckungsrisiko. Als sie klare Antworten bekamen, war die engagierte Mitarbeit des MFA-Teams gesichert. „Es war wichtig, das sehr offen zu besprechen“, sagt Hunter.

Die Arbeit im Abstrichzentrum war in der Anfangszeit einerseits eine Herausforderung, andererseits nicht wirklich schwierig für die gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen. „Die MFA waren natürlich grundsätzlich mit ihren Aufgaben im Abstrichzentrum vertraut, die Patienten waren geduldig und meistens lief alles reibungslos“, erzählt Hunter. Trotzdem war die Arbeit fordernd. Die Dienstzeiten dauerten von 10 bis 19 Uhr und die Pausen richteten sich nach dem Andrang der Patienten auf dem Parkplatz. Anfangs wurden täglich mehrere Hundert Abstriche genommen.

Nur mit Schutzkleidung im Einsatz

Alle Entscheidungen mussten unter Berücksichtigung von nicht immer ausreichender Schutzausrüstung getroffen werden. Wobei kein Arzt und keine MFA der Kirchheimer Praxis ungeschützt arbeitete. „Wir haben uns entschieden, nur Tätigkeiten zu übernehmen, für die wir auch geradestehen können und wofür wir ausreichend Schutzausrüstung haben“, berichtet Hunter. Und tatsächlich haben sich weder Ärzte noch MFA des Ärztehauses infiziert. „Wir haben wohl das richtige Quäntchen Glück gehabt und offenbar ein gutes Hygienekonzept verwirklicht“, erklärt der Allgemeinarzt.

Ruth Auschra

Bild: CAZ-Einsatz mit einer Ärztin und zwei MFA aus dem HausÄrzteHaus in Kirchheim/Teck.

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