So geht das: Kurzarbeitergeld (KUG) beantragen

Die Coronakrise ist nicht nur ein medizinisches Problem, die Pandemie verursacht auch Umsatzrückgänge bis hin zu Liquiditätsengpässen. Es ist vernünftig, frühzeitig gegenzusteuern. Der Zugang zum Kurzarbeitergeld (KUG) wurde vorübergehend bis 31.12.2020 erleichtert. Ziel des KUG ist eine Weiterbeschäftigung trotz Umsatzrückgang. 

Lösung:
Zur Entlastung von Arbeitgebern zahlt die Agentur für Arbeit auf Antrag KUG. Es beträgt bei vollständiger Freistellung 60% (hier ein KUG-Rechner) des ausgefallenen Nettolohns (67% für Arbeitnehmer mit Kind). Bei Teilzeitarbeit ersetzt das KUG einen Teil der Differenz zum vollen Gehalt.

KUG wird für maximal 12 Monate gezahlt. Dabei geht der Arbeitgeber bei der Zahlung in Vorleistung, das KUG wird ihm rückwirkend erstattet. Sie können Ihren Angestellten Kurzarbeit anordnen und die Gehälter entsprechend kürzen, wenn

  • ein erheblicher Arbeitsausfall besteht,
  • eine Kurzarbeitsklausel in den Arbeitsverträgen, einer Betriebsvereinbarung oder im Einzelvertrag vereinbart wurde (Quelle) und
  • die Überstundenkonten bereits abgebaut sind.

Wenn mindestens 10% der Angestellten mindestens 10% weniger verdienen, kann der Arbeitgeber den Arbeitsausfall mit diesem Formular bei der zuständigen Agentur für Arbeit anzeigen – und zwar in dem Monat, in dem die Kurzarbeit beginnt. Das KUG wird mit diesem Formular beantragt.

Um KUG zu bekommen, ist es aktuell nicht nötig, Minusstunden aufzubauen (Quelle Bundesgesetzblatt) oder Urlaubstage aus 2020 abzubauen (Quelle BMAS).

Normalerweise vermindert eine Nebenbeschäftigung die KUG-Höhe, wenn sie erst während des KUG-Bezugs begonnen wird. Anders ist es aktuell bei Aufnahme einer Nebenbeschäftigung in einem systemrelevanten Bereich (also zum Beispiel medizinische Versorgung). Hierbei bleibt das Nebeneinkommen bis Ende Oktober 2020 anrechnungsfrei, wenn es zusammen mit dem verbliebenen Entgelt das alte Entgelt nicht übersteigt.

Kommentar:
Die Zahl der Praxisangestellten in Kurzarbeit steigt. Allerdings weisen Steuerberater darauf hin, dass KUG nicht für jede Praxis die betriebswirtschaftlich sinnvollste Lösung ist. In manchen Fällen soll es vernünftiger sein, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen oder einvernehmliche Aufhebungsverträge abzuschließen. Empfehlenswert ist eine gemeinsame Entscheidung mit dem Steuerberater.

Bitte beachten: Das Wissen über das neue Coronavirus wächst, der Wissensstand verändert sich manchmal sehr schnell. Informationen haben also in Zeiten von Corona eine kurze Halbwertszeit. Wir bemühen uns, jede praktikable Idee bis ins letzte Detail auch daraufhin zu prüfen, ob sie juristisch tragfähig ist. Unterstützen Sie uns mit Ihren Hinweisen und Tipps – danke!

Social Media

Folgen Sie uns auf unseren Plattformen.

Messenger-Service

Erhalten Sie Neuigkeiten von MEDI direkt per App „Notify“ auf Ihr Smartphone.

Aktuelle MEDI-Times

MEDI-Newsletter

Mit dem kostenfreien MEDI-Newsletter informieren wir Sie regelmäßig über aktuelle Themen und die neuesten Angebote. Bleiben Sie mit uns auf dem Laufenden!

Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen und bin damit einverstanden.*

Auf Facebook kommentieren!

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Jetzt hören: MEDI-Kandidatin Daniela-Ursula Ibach im MEDI-Podcast

Daniela-Ursula Ibach ist Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin. Sie ist für die Finanzen im Vorstand der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg zuständig. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich die Ärztin für MEDI und tritt für den Verbund auch dieses Jahr für eine weitere Amtsperiode an.Welche Themen beschäftigen sie aktuell? Und warum will sie sich für die Ärzteschaft und die junge Generation engagieren. Im Podcast mit MEDI gibt sie spannende Antworten.

Jetzt hören: MEDI-Spitzenkandidat Dr. Wolfgang Miller im MEDI-Podcast

Dr. Wolfgang Miller ist MEDI-Gründungsmitglied und seit 1996 in der Ärztekammer aktiv. Seit vier Jahren ist er Vorsitzender des Vorstands der Landesärztekammer. Der praktizierende Orthopäde und Unfallchirurg tritt bei der Wahl für MEDI für eine weitere Amtsperiode an. Wie sieht seine Bilanz der vergangenen vier Jahre aus und welche Herausforderungen sieht er für die Ärzteschaft in der Zukunft? Im Podcast mit MEDI stellt er sich den wichtigen Fragen.

„Kammer muss uns als Fels in der Brandung den Rücken stärken“

Dr. Cathérine Hetzer-Baumann gehört mit 40 Jahren zu den jungen Niedergelassenen und engagiert sich berufspolitisch als Sprecherin bei Young MEDI. Die Allgemeinmedizinerin aus Altenriet im Landkreis Esslingen stellt sich für die Bezirksärztekammer Nordwürttemberg zur Wahl. Sie wünscht sich für die Ärzteschaft mehr Wertschätzung und eine Ärztekammer, die schneller agiert und sich politisch mehr einmischt.