Faxstandard ade!

Ab 1. Juli beginnt für rund 7.500 versorgende Ärzte in Baden-Württemberg im Rahmen des Haus- und Facharztprogramms der AOK ein neues Zeitalter: Nach umfassenden Vorarbeiten soll die landesweite elektronische Vernetzung der Arztpraxen den Faxstandard ablösen, um die Praxen wettbewerbsfähig zu halten.

Die Selektivverträge bieten dafür beste Voraussetzungen, weil sie auf einer seit über zehn Jahren erfolgreich etablierten regionalen Versorgungsstrukur aufsetzen. Zum Start stehen zwei Fachanwendungen bereit – der elektronische Arztbrief (eArztbrief) und die elektronische AU-Bescheinigung (eAU).

Im Herbst folgt der elektronische Medikationsplan “Hauskomet”. Die Module orientieren sich an etablierten Standards und Praxisroutinen und sind in das Praxisverwaltungssystem integrierbar. Alle Praxen erhalten neben einem Anschaffungszuschuss von 2.500 Euro eine im Gegensatz zum EBM adäquate Vergütung in Form von Zuschlägen auf die Pauschalen P1 und P2 beziehungsweise die Fachärzte auf jeden Behandlungsfall (weitere Infos). Die Teilnahme ist freiwillig. Rund 30 Prozent der AIS-Industrie bieten die notwendige Software-Erweiterung ab sofort an. Mit den übrigen Anbietern laufen intensive Gespräche.

Komfortabel und datenschutzrechtlich sicher

Der eArztbrief ist komfortabel, schnell, datenschutzrechtlich sicher und vor allem zuverlässig. Er erlaubt es erstmals, definierte Informationen bei Überweisung und Rücküberweisung strukturiert und durch digitale Verarbeitung in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Dabei werden gängige Standards genutzt, sodass weitere Einrichtungen wie Krankenhäuser, Notfallpraxen, Apotheken und Pflegedienste oder -heime eingebunden werden können. Mit dem eArztbrief entfällt das Ausdrucken, Einscannen und nichtdigitales Versenden von Befundberichten.

Höchste Priorität hat die sichere und datenschutzkonforme Ausgestaltung der Digitalisierung. Die Vertragspartner setzen auf die bewährte Übertragungstechnik mittels HZV-Online-Key und hausärztlichem Prüfmodul (HPM). Die Daten werden an einen von den Managementgesellschaften HÄVG und MEDIVERBUND AG betriebenen Arztvernetzungsserver in Baden-Württemberg gesendet. 

Datenzugriff haben nur berechtigte Personen

Insbesondere durch den Einsatz von Transport- und Inhaltsdatenverschlüsselung sowie zertifikatbasierter Authentifizierung ist gewährleistet, dass ein Zugriff auf Daten nur durch berechtigte Personen erfolgen kann. So ist sichergestellt, dass die relevanten ärztlichen Behandlungsdaten in ärztlicher Hand bleiben und nicht in einer Fülle vermeintlicher Gesundheitsdaten untergehen.

Dazu erklärt Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland: „Natürlich brauchen wir die elektronische Vernetzung künftig auch in der Regelversorgung. Die derzeitige Technik ist aber zu unsicher und macht die Prozesse langsamer, gleichzeitig liegen Haftung und Kosten bei den Ärzten. Der Konnektor für die Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) gehört daher eher in die Mottenkiste und nicht in die Praxen. Ich rate jedem, dem Faxstandard jetzt Ade zu sagen und die Vorteile der einfachen und sicheren Arzt-zu-Arzt-Kommunikation in den Selektivverträgen zu nutzen“.

Die IT-Vernetzung ist kein Selbstzweck, sondern erfolgt zum Nutzen von Patienten, Arztpraxen und der AOK. Der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, erläutert: „Ein gutes Beispiel ist auch die eAU. Sie wird direkt aus der Arztpraxis heraus als unkomplizierter Einzelversand digital an die AOK übermittelt, was uns bei der Datenannahme und -verabeitung deutlich entlastet. Dem Patienten wird der Versand per Post erspart. Und das rechtzeitige Vorliegen der AU ermöglicht im Krankengeldfall eine zeitnahe Auszahlung des Krankengeldes“.

Social Media

Folgen Sie uns auf unseren Plattformen.

Messenger-Service

Erhalten Sie Neuigkeiten von MEDI direkt per App „Notify“ auf Ihr Smartphone.

Aktuelle MEDI-Times

MEDI-Newsletter

Mit dem kostenfreien MEDI-Newsletter informieren wir Sie regelmäßig über aktuelle Themen und die neuesten Angebote. Bleiben Sie mit uns auf dem Laufenden!

Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen und bin damit einverstanden.*

Auf Facebook kommentieren!

1 Kommentar

  1. Udo Glatzner

    Als Selektivvertragsarzt, der nichts von der Pflichtanbindung an die staatliche TI hält, bin ich leicht von dieser alternativen Vernetzung über die vorhandenen Strukturen zu überzeugen. Sofort würde sich unsere Praxis dieser sicheren und datenschutzkonforme Ausgestaltung der Digitalisierung anschließen. Es fehlt nur noch die anwendernahe praktische Unterstützung für die teilnahmebereiten Praxen. Gerne würden wir mit dabei sein, die Vorteile der einfachen und sicheren Arzt-zu-Arzt-Kommunikation in den Selektivverträgen zu nutzen.

    Antworten

Einen Kommentar zum Thema schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Polizei am Praxisempfang: Durchsuchung!

Mitten in der Sprechstunde werden Sie an den Empfang gerufen, weil mehrere Polizisten die Praxis durchsuchen wollen. Diesen Super-GAU können Sie nur beherrschen, wenn Sie darauf vorbereitet sind – und...

Polizei am Praxisempfang: Durchsuchung!

Polizei am Praxisempfang: Durchsuchung!

Mitten in der Sprechstunde werden Sie an den Empfang gerufen, weil mehrere Polizisten die Praxis durchsuchen wollen. Diesen Super-GAU können Sie nur beherrschen, wenn Sie darauf vorbereitet sind – und Ihre Rechte kennen. Was tun? Tipps von Strafverteidiger Matthias Klein, der sich als Fachanwalt für Strafrecht und Medizinrecht auf den Gesundheitssektor spezialisiert ist.

Digitale Psychotherapie: „Künstliche Situation“

Digitale Psychotherapie: „Künstliche Situation“

Seit der Pandemie leben wir alle in einem ständigen Remote-Zustand. Digitale Veranstaltungen sind das neue Normal. Auch die Videosprechstunde ist aus dem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken und mittlerweile fester Bestandteil der Selektivverträge. Was viele Vorteile und Nutzen hat, ist aber auch in manchen Bereichen sehr behutsam einzusetzen – wie beispielsweise in der Psychotherapie, weiß Dr. Michael Ruland, Hausarzt, Psychotherapeut und stellvertretender MEDI-Vorstandsvorsitzender.

Investorengetragene MVZ sind Gefahr für ärztliche Freiberuflichkeit

Investorengetragene MVZ sind Gefahr für ärztliche Freiberuflichkeit

Investoren kaufen in Deutschland immer mehr Arztsitze auf und überführen sie in investorengetragene MVZ (iMVZ). Die Folgen: Ärztinnen und Ärzte geraten zunehmend unter Kommerzialisierungsdruck, die ärztliche Qualität leidet und das Patientenwohl ist in Gefahr. MEDI Baden-Württemberg e.V. fordert deshalb sinnvolle Gegenmaßnahmen.