Moderne Rheumatherapie braucht mehr Zeit für Betreuung

Im Jahr 2017 wurde der Vertrag zum Versorgungsmodul Internistische Rheumatologie im Facharztprogramm von AOK und Bosch BKK unterschrieben. Ärzte, Rheumatologische Fachassistentinnen und Patienten sind sich einig, dass dort bundesweit zum ersten Mal die Ansprüche an eine moderne ambulante Rheumatherapie adäquat abgebildet sind.

Neben schnellerem Zugang zu qualitätsgesicherter Diagnostik und Therapie bietet das Modul vor allem mehr Zeit für ausführliche Gespräche und individuelle Beratung. In den ersten beiden Quartalen nach dem Start wurden schon rund 4.000 Patienten behandelt.

Dr. Michaela Bellm aus dem „Rheumaärzte MVZ“ in Bruchsal ist eine von derzeit landesweit 25 teilnehmenden Rheumatologen. Der gute Zuspruch sei auch ein Zeichen dafür, dass in der Öffentlichkeit das Bewusstsein gestiegen ist, dass rheumatologische Erkrankungen und auch Verdachtsfälle frühzeitig in die Hände von erfahrenen Rheumatologen gehören.

Rheumasprechstunde
„Wir bieten hierfür eigens eine sogenannte Rheumasuchsprechstunde an und kommunizieren das auch gegenüber den Hausärzten in unserer Region”, so Bellm, “für den Hausarzt ist ein Rheumapatient schließlich immer ein Einzelfall, während wir in unseren rheumatologischen Praxen jeden Tag 30 bis 40 Menschen mit Rheuma sehen.”

Diese Frühdiagnostik brauche, ebenso wie die laufende Betreuung durch qualifizierte Ärzte und ihre Praxisteams, Zeit. Genau hier setzt die innovative Vergütungssystematik im Vertrag an. Im Gegensatz zur Regelversorgung honoriere er die nötige Zeit, um die Patienten gründlich beraten zu können. Ist die Diagnose gestellt, kann eine frühzeitliche medikamentöse Behandlung die Erkrankung heute stoppen.

Die Entscheidung über die richtige Therapie muss im ausführlichen Patientengespräch erfolgen. Das und die regelmäßige Anpassung der Therapie an Krankheitsverlauf und Lebenssituation sind ein fortwährender Prozess. Darüber hinaus wird zum Nutzen richtiger körperlicher Aktivität, ausgewogener Ernährung, Gewichtsoptimierung und Nikotinstopp beraten.

Hier kann die Fachassistentin unterstützen
Viele Alltagsfragen können die Betroffenen auch mit der rheumatologischen Fachassistentin (RFA) besprechen. Eine von ihnen ist Patricia Czerwinski im MVZ von Dr. Bellm: „Wir sind gut informiert und hochmotiviert, das spüren unsere Patientinnen und Patienten auch.” Sie begrüßt es deshalb, dass die Vertragspartner seit Juli auch die Zusatzausbildung der „Entlastungsassistentin in der Facharztpraxis” (EFA®) fördern. Diese entlastet den Arzt durch die Übernahme delegationsfähiger Leistungen, insbesondere bei Schulungen und in der Patientenbetreuung in Spezialsprechstunden.

Sie trägt somit wesentlich zu einer intensiveren Versorgung bei, zum Beispiel bei Fragen wie: Welche Bewegungsangebote helfen vor Ort? Wie kann man mit dem Rauchen aufhören, weil Nikotin unter anderem nicht nur das Herz-, Kreislaufsystem belastet, sondern auch Gelenkbeschwerden und Knochenschwund verstärkt? Die Schulung StruPi (strukturierte Patienteninformation), die an drei Abendterminen stattfindet, kann von den teilnehmenden Ärzten über das Rheumamodul abgerechnet werden.

Patienten werden auch finanziell entlastet
Betroffene werden darüber hinaus finanziell entlastet. Monatlich etwa 30 bis 50 Euro für notwendige Medikamente waren es bei N. Schmidt, die sie teilweise aus eigener Tasche zahlen musste. Die 37-jährige Patientin von Dr. Bellm ist seit Jahresbeginn Teilnehmerin am Facharztprogramm. „Seitdem fallen die Zuzahlungen bei meinen Rezepten weg. Das ist schon eine ordentliche Stange Geld”, sagt sie.

Es sei beruhigend zu wissen, dass auch weitere Leistungen – wenn die Indikation besteht – wie Knochendichtemessungen bezahlt werden. Alle AOK-Patienten profitieren darüber hinaus von den Vorteilen des eng verzahnten AOK-Hausarztprogramms. So erhält der Hausarzt möglichst frühzeitig, spätestens jedoch innerhalb von 14 Werktagen, einen strukturierten Befundbericht inklusive aktualisiertem Medikationsplan.

Bellm lobt, dass das Modul auch die Fortschritte auf dem Gebiet der Rheumatologie angemessen abbildet. Gleichzeitig müssen Arzneimittelinteraktionen mit anderen Medikamenten beachtet werden. Deshalb begrüßt sie es sehr, dass der Vertrag auch einen sogenannten Multimorbiditätszuschlag für die Behandlung von Patienten mit Begleiterkrankungen bzw. mitbetroffenen Organen vorsieht.

Foto (v.l.n.r.): Dr. Michaela Bellm, Patientin N. Schmidt und die Rheumatologische Fachassistentin Patricia Czerwinski.

 

Vertragspartner des Moduls Internistische Rheumatologie im Facharztvertrag Orthopädie/Rheumatologie:
AOK Baden-Württemberg, Berufsverband niedergelassener Chirurgen (BNC), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), Bosch BKK, MEDI Baden-Württemberg, MEDIVERBUND AG, Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh e.V.) in enger Abstimmung mit der Rheumaexperten BW eG.

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