MVZ-Struktur eröffnet neue Optionen

»Arztpraxen 2020«, das MVZ-Projekt des MEDI Verbunds, bleibt auf Erfolgskurs. Sowohl in Baiersbronn als auch in Aalen arbeiten in den hausärztlich geführten MVZs mittlerweile auch angestellte Fachärzte.Für den Bürgermeister der Schwarzwaldgemeinde Baiersbronn, Michael Ruf, ist die Sache eindeutig: „Ohne das MEDI-MVZ im Ortsteil Klosterreichenbach hätten wir die medizinische Versorgung am Ort nicht so gut aufrechterhalten können. Nun haben wir die Weichen gestellt, dass die Versorgung für die nächsten 20 Jahre gesichert ist.“Vor anderthalb Jahren sah die Lage noch anders aus. Es gab mit der Regiopraxis „Hausärzte am Spritzenhaus“ zwar eine große hausärztliche Praxisgemeinschaft. „Doch wir wussten, dass etliche andere Hausärzte auf den Ruhestand zusteuern und keine Nachfolger finden“, so Ruf.Nun war Baiersbronn nicht die einzige Gemeinde, die niederlassungswillige Nachwuchsärzte suchte. Doch erschwerend kam dort hinzu, dass Baiersbronn eine Flächengemeinde mit einzelnen Ortsteilen ist, die sich über insgesamt 19 Quadratkilometer erstrecken. „Das erfordert dezentrale Strukturen, in denen eine Einzelpraxis unter Umständen nicht wirtschaftlich arbeiten kann“, erklärt Ruf.Schlechteste Alternative: ein kommunales MVZVielen Kommunen in vergleichbarer Situation bleibt nichts anderes übrig, als ein kommunales MVZ zu eröffnen, um die medizinische Versorgung ihrer Bevölkerung sicherzustellen. „Doch von dieser Option waren wir nicht begeistert“, sagt der Bürgermeister, „so ein MVZ erfordert Investitionen, die den Haushalt belasten. Außerdem sind wir als Kommunalverwaltung auch gar nicht vom Fach.“Michael Ruf war deshalb froh, dass sich in Baiersbronn die Möglichkeit auftat, die bestehenden Arztsitze in ein MEDI-MVZ überzuführen: „Das war genau das Bindeglied, das uns fehlte!“ Weil MEDI hier federführend ist, ist das Konzept flexibel und unabhängig von Einzelpersonen.„Wenn sich in einem ärztlich geführten MVZ zwei nicht grün sind und sich streiten, kippt möglicherweise die gesamte Struktur“, erklärt er, „das kann uns hier nicht passieren.“ Aus diesem Grund empfiehlt er auch anderen Kommunen, die Schwierigkeiten mit der Sicherstellung ihrer medizinischen Versorgung haben, die MEDI-Struktur für ein MVZ zu erwägen.Ein idealer StandortAn die Planungs- und Aufbauphase des im April eröffneten MVZ im Baiersbronner Ortsteil Klosterreichenbach erinnert sich der Bürgermeister gerne zurück: „Wir als Gemeinde mussten gar nicht viel tun. Alle waren beflügelt, gut zusammenzuarbeiten.“ Den Standort findet er ideal: Er liegt zentral und ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.Entsprechend zufrieden ist auch die Bevölkerung.„Die Patienten sind begeistert“, freut sich Hans-Jörg Schaible, der als Ärztlicher Leiter im MEDI-MVZ und in der Zweigpraxis in Lützenhardt arbeitet. Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen versorgt der Hausarzt mehr Patienten als je zuvor – und hat trotzdem großen Spaß an seiner Tätigkeit: „Die Arbeitsatmosphäre ist durch die schöne Innenarchitektur mit ihren offenen Räumen und durch unser tolles Team sehr angenehm.“Geschäftsführung und Gesellschafter entlasten die ÄrzteDoch mindestens ebenso wichtig ist ihm, dass er und seine ärztlichen Kolleginnen und Kollegen sich ganz auf die Patientenversorgung konzentrieren können, weil sich die Geschäftsführung um die gesamte Verwaltung und Bürokratie des MVZ kümmert. „Unser Geschäftsführer Wolfgang Fink leistet wirklich super Arbeit und entlastet uns Ärzte sehr“, sagt Hans-Jörg Schaible, „doch auch die einzelnen Gesellschafter engagieren sich sehr, damit alles rundläuft – insbesondere was die Optimierung unserer EDV angeht.“Fachärztliche UnterstützungSeit Juli arbeitet mit Carmen Bursac auch eine angestellte Fachärztin für Dermatologie im MVZ in Klosterreichenbach. Schaible freut sich über die Erweiterung des medizinischen Spektrums: „Wir können uns an unsere Kollegin wenden, wann immer wir als Hausärzte nicht weiterkommen oder uns unsicher sind.“Die Hautärztin arbeitet mit einer vollen Stelle im MVZ und bietet auch Sprechstunden in der Zweigpraxis in Lützenhardt an. Auch für den Bürgermeister ist dieser Umstand ein weiterer Glücksfall: „Wir hatten zuvor noch nie eine hautärztliche Praxis im Ort. Und bei den Dermatologen in der Umgebung muss man oft bis zu einem Jahr auf einen Termin warten.“Möglichkeiten der Bedarfsplanung nutzenIn einer regulären Praxis wäre die Anstellung einer fachärztlichen Kollegin nicht ohne Weiteres möglich gewesen, wie MVZ-Projektleiter Wolfgang Fink weiß: „In einer hausärztlichen Einzelpraxis oder BAG muss man eine Reihe steuerlicher Hürden überwinden, wenn man einen fachärztlichen Kollegen einstellen will.“ Dagegen kann ein MVZ Ärzte problemlos auch fachübergreifend anstellen. Derzeit öffneten sich viele fachärztliche Planungsbereiche, die aufgrund des zunehmenden Fachärztemangels nicht mehr zulassungsbeschränkt sind. „Wir nutzen daher die Möglichkeiten, die uns die Bedarfsplanung einräumt“, erklärt Fink. Sofern die räumlichen Gegebenheiten eine solche Erweiterung erlauben und es freie fachärztliche Sitze gibt, wolle man die flexible Struktur des MEDI-MVZ hierfür nutzen und bewerbe sich um fachärztliche Sitze.Der klare Fokus liege allerdings weiterhin auf der Gründung hausärztlicher MVZs überall dort, wo die Versorgung nicht mehr gesichert ist und hausärztliche Sitze frei sind, betont der Projektleiter. Sinnvoll sei die Ergänzung durch fachärztliche Sitze vor allem bei Fachrichtungen, die mit der hausärztlichen Versorgung Hand in Hand gehen. Hierzu zählt in seinen Augen neben der Dermatologie auch die Psychotherapie.Ärztliche Psychotherapeutin in AalenIm MEDI-MVZ Aalen hat man bereits Erfahrungen mit der Integration einer ärztlichen Psychotherapeutin gesammelt. Dort erweitert seit Jahresbeginn Ricarda Deres das Leistungsspektrum des MVZ. In ihrer Arbeit profitiert sie unter anderem davon, dass sie Zugriff auf die hausärztliche Patientenakte mit allen Details zur somatischen Therapie hat. Bereits drei Wochen nach dem Start waren die Sprechstunden bei der Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ausgebucht.Text: Antje ThielFoto: Helga MichelBildunterschrift: Das Team des MEDI-MVZ in Baiersbronn.

Social Media

Folgen Sie uns auf unseren Plattformen.

Messenger-Service

Erhalten Sie Neuigkeiten von MEDI direkt per App „Notify“ auf Ihr Smartphone.

Aktuelle MEDI-Times

MEDI-Newsletter

Mit dem kostenfreien MEDI-Newsletter informieren wir Sie regelmäßig über aktuelle Themen und die neuesten Angebote. Bleiben Sie mit uns auf dem Laufenden!

Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen und bin damit einverstanden.*

Auf Facebook kommentieren!

0 Kommentare

Einen Kommentar zum Thema schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Neues zum TI-Konnektor und zur Bundestagswahl 2021

Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg e. V., nimmt Stellung in seinem aktuellen Rundschreiben zur TI: „Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller, schneller eine Softwarelö...

Bundestagswahl 2021: Wahlprogramme für die Gesundheitsversorgung beschämend

Bundestagswahl 2021: Wahlprogramme für die Gesundheitsversorgung beschämend

Wie sehen die Programme der Parteien zur Bundestagswahl 2021 in puncto Gesundheitsversorgung aus? Welche Parteien vertreten die Interessen der Ärzteschaft? MEDI zeigt Ihnen in dieser Übersicht auf, welche gesundheitspolitischen Ziele die Parteien verfolgen und welche Konsequenzen das für die ambulante Versorgung hat.

HZV: Fachärztliche Telekonsile unterstützen bei Hauterkrankungen

HZV: Fachärztliche Telekonsile unterstützen bei Hauterkrankungen

Zur Durchführung dermatologischer Telekonsile gibt es seit Juli für die elektronische Arztvernetzung (eAV) im Rahmen der AOK-Haus- und Facharztverträge ein viertes Modul. Ebenso wie die drei etablierten Module eAU, eArztbrief und HAUSKOMET wird es via Arztinformationssystem (AIS) in die Vertragssoftware integriert.

Neues zum TI-Konnektor und zur Bundestagswahl 2021

Neues zum TI-Konnektor und zur Bundestagswahl 2021

Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg e. V., nimmt Stellung in seinem aktuellen Rundschreiben zur TI: „Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller, schneller eine Softwarelösung, einen Zukunftskonnektor, zu entwickeln, die Strafen zu beenden und allen freiwillig den Übergang in eine konnektorfreie TI zu ermöglichen. Diese TI 2.0 sollte den Praxen auch Vorteile bringen und die Bezahlung sollte kostendeckend sein“, schreibt er an die Ärztinnen und Ärzte.