Baumgärtner zur Honorareinigung für 2019: „Flickschusterei, die unsere Probleme nicht löst“

Die rund 620 Millionen Euro mehr, die es nach Angaben der KBV und des GKV-Spitzenverbands im nächsten Jahr für die ambulante ärztliche Versorgung in Deutschland geben wird, sind „der niedrigste Zuwachs auf das Gesamtbudget seit Jahren“, kritisiert Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI GENO Deutschland.Rund 620 Millionen Euro sind allenfalls der Inflationsausgleich, sagt Baumgärtner und ergänzt: „Umgerechnet auf den Arzt wären das 320 Euro mehr Umsatz im Monat. Davon kann sich eine Praxis nicht einmal eine Aushilfskraft leisten! Wenn wir davon ausgehen, dass in einer Arztpraxis durchschnittlich vier medizinische Fachangestellte arbeiten, liegt der Spielraum für Gehaltserhöhungen pro Mitarbeiterin unterhalb des Inflationsausgleichs. Damit wird man der immer höheren Qualifizierung des MFA-Berufs nicht gerecht.“Darüber hinaus löst das Honorarergebnis aus Baumgärtners Sicht nicht das eigentliche Problem der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. „Das könnte nur ein Ende der Budgetierung“, so der MEDI GENO-Chef. Er fordert den Gesetzgeber auf „endlich einen Einstieg in diese Thematik zu finden.“ Ein erster Schritt wäre eine Ausbudgetierung der Grundleistungen per Gesetz. „Andernfalls wird der GKV-Spitzenverband weiterhin jede Honorarpolitik blockieren, die aus der Budgetierung herausführt“, ist sich Baumgärtner sicher.

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2 Kommentare

  1. Wolfgang Miller

    Auf den ersten Blick sind 620 Millionen viel Geld. Der zweite Blick bietet ein erschütterndes Bild: Die Steigerung der Grundlohnsumme, also der Finanzierungsbasis der GKV hat in den letzten 5 Jahren zwischen 2,50 und knapp zuletzt 2,97 Prozent pro Jahr betragen. Für die gesamte ambulante ärztliche Versorgung werden jetzt gerade 1,6 % Zuwachs vereinbart. Eine politische Offenbarung.

    In Sonntagsreden soll die ambulante Versorgung gestärkt werden. Tatsächlich werden immer mehr Untersuchungen und Behandlungen ambulant durchgeführt. Krankenhäuser werden geschlossen, noch bestehende Notaufnahmen sollen wegfallen. Die Inanspruchnahme der niedergelassenen Ärzte ist bei uns heute schon im internationalen Vergleich auf einem Rekordniveau. Durch neue Verpflichtungen und zusätzliche Sprechzeiten soll das noch gesteigert werden. Alles für jeden, sofort und zur Flatrate – so will es der Koalitionsvertrag. Und gleichzeitig wird dem ambulanten System Geld entzogen. Mit den jetzt zugestandenen 1,6% lässt sich kein Inflationsausgleich darstellen, bei weitem nicht die Tarifsteigerung unserer angestellten Ärztinnen und Ärzte und unserer MFAs, keine Investition in den Fortschritt. Dabei geht es nicht nur um die Niedergelassenen. Das Defizit der Klinik-MVZs wird steigen. Der Krankenhausträger wird es schon irgendwie ausgleichen. Und wenn die Stellen nicht mehr auskömmlich finanziert sind oder gar nicht besetzt werden, umso besser: Seit Lahnstein gilt: Wer im System ist, verursacht Kosten. Je weniger Kostenverursacher, desto besser.

    Das ist keine Perspektive für unser Land. Hier müssen wir uns zu Wort melden. Für unsere Kolleginnen und Kollegen und für die Versorgung der Menschen.

    Antworten
  2. Michael Eckstein

    Auf dem Markt entscheidet Marktmacht!!
    Es ist überhaupt kein Wunder und keine Überraschung, dass wir mit einer lächerlichen Steigerung unserer “Währung” Punktwert von 1,6% abgespeist werden. Bei Verhandlungen entscheidet letztendlich immer die Marktmacht.
    Wenn die Kassen wüssten, dass die niedergelassenen Ärzte zur Durchsetzung ihrer Forderungen Warnstreiks oder falls erforderlich “richtige”Streiks durchführen könnten und dies auch tun würden, sähe das Verhandlungsergebnis mit Sicherheit anders aus. Solange wir keine Druckmittel haben, können die Kassen aber auch die Politik mit uns machen, die sie wollen. Das haben die vergangenen 20 Jahre gezeigt.
    Ohne Marktmacht (Streikrecht) ist halt mehr einfach nicht drin…

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