Chancen und Fallen bei der Praxisgründung

Mit dem Facharzttitel in der Tasche kann man die Weichen für seine Zukunft stellen. Geht der Traum von der eigenen Praxis in Erfüllung? Oder passt der Einstieg in eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) doch besser? Die unabhängige MEDI-Beratung sorgt für realistische Zukunftspläne.Viele Berater bieten Ärzten ihre Hilfe bei der Existenzgründung an. Leider nicht immer ganz uneigennützig, sondern mit dem Ziel, an Provisionen, Versicherungen und Finanzierungen zu verdienen. Anders ist es bei Rita Gehring. Die Projektleiterin Ärzteberatung bei der MEDIVERBUND AG kann junge Ärzte neutral und unabhängig beraten.Was macht eine gute Beratung aus?Wichtige Entscheidungen werden nicht nur mit dem Kopf und auf Grundlage betriebswirtschaftlicher Fakten getroffen. „Ärzte sind nun mal unterschiedlich, haben verschiedene Werte und Vorstellungen davon, wie sie sich in ihrem Beruf verwirklichen wollen“, beschreibt Gehring.Der junge Facharzt muss entscheiden, welchen Stellenwert das Familienleben, der berufliche Erfolg und die wirtschaftliche Sicherheit haben sollen. Auf der einen Seite stehen typischerweise junge Ärztinnen, die neben dem Beruf auch noch viel Zeit für die Familie haben wollen. Ganz anders ticken Ärzte, die ein möglichst hohes Einkommen anstreben. Und wieder andere Schwerpunkte legen Mediziner, für die ein kollegiales Arbeitsklima wichtigste Grundlage für das persönliche Wohlbefinden darstellt. Zur Beratung gehört für Gehring deshalb unbedingt, diese Vorstellungen gemeinsam herauszuarbeiten und als Grundlage für die nächsten beruflichen Entscheidungen festzulegen.„Für manche Ärzte passt die Einzelpraxis nach wie vor sehr gut, obwohl damit kein Goldesel im Garten steht“, lacht sie. „Aber lieber ein glücklicher Arzt in der Einzelpraxis als ein Stressopfer in der Klinik oder ein verbitterter Arzt, der nicht mit seinen BAG-Kollegen zurechtkommt.“ Für Individualisten mit naturheilkundlichem Hintergrund könnte sich eine feine kleine Hausarztpraxis als perfekte Lösung erweisen. Aber nicht jeder Arzt ist zum Einzelkämpfer geboren. Wer sich mit Kollegen in einer BAG besser aufgehoben fühlt, sollte diesen Weg einschlagen oder die Anstellung in einem MVZ erwägen.Unrealistische WünscheManche Mediziner suchen nach ihrer ganz persönlichen Traumpraxis, weit entfernt von jeder vernunftgeleiteten Kaufentscheidung. Muss die Praxis wirklich so nah an Heidelberg oder dem Bodensee liegen? Muss es das süße Fachwerkgebäude mit der kuscheligen Praxis sein? Der Traum ist natürlich nachvollziehbar. Gehring erinnert jedoch daran, dass eine solide Konkurrenzanalyse zum Beispiel für eine andere Gemeinde sprechen könnte oder für eine nüchtern anmutende Praxis im Ärztehaus. „Jeder entscheidet nach seinen Kriterien“, lautet ihr Fazit, „aber man sollte sich klar darüber sein, dass man unter Umständen den Rest des Berufslebens mit den Konsequenzen leben muss.“Die Last der SchuldenDie Fachrichtung spielt bei den Überlegungen zur Praxisgründung selbstverständlich eine wichtige Rolle. Wer sich zum Beispiel als Orthopäde oder Chirurg niederlassen und operativ tätig werden will, darf das Risiko nicht scheuen, mit Krediten in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro ins Berufsleben zu starten. Das bedeutet unter Umständen Stress – außer es gibt einen finanzstarken Hintergrund.Schwindelerregend hohe Kreditsummen und niedrige Zinsen können zu weiteren, ungeplanten Investitionen verleiten. Die Bank ist dem jungen Arzt gegenüber gerne großzügig, ganz anders als in Studentenzeiten. Gehring rät zum Maßhalten und erinnert daran, dass die Tilgung aus dem versteuerten Einkommen erfolgt. Im Vordergrund muss eine gesunde Liquidität über den gesamten Finanzierungszeitraum stehen.„Manche Ärzte schaffen es gerade noch rechtzeitig, beim Praxiskauf die Reißleine zu ziehen“, berichtet sie. Das kann aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen heraus eine sinnvolle Entscheidung sein, oft ist es aber auch menschlich gesehen das einzig Richtige.Pläne machen ArbeitErfahrungsgemäß ist es sinnvoll, sehr frühzeitig Kontakt zu möglichen Abgebern aufzunehmen, wenn die Wunschregion feststeht. Inserate lesen und beantworten, mit älteren Kolleginnen und Kollegen sprechen und Praxisbörsen beobachten – das sind die ersten Schritte. „Manchmal dauert eine Praxisübergabe Jahre“, weiß Gehring und weist darauf hin, dass auch die Chemie zwischen den Vertragspartnern stimmen muss. Sie rät dringend davon ab, nur die Praxis und den Kaufpreis zu beurteilen. Gespräche mit den Kollegen vor Ort sind absolut empfehlenswert. „Klinkenputzen ist angesagt“, gibt Gehring offen zu. Weil das nicht jedem liegt, gehören auch solche Gespräche zu ihrem Beratungskonzept.

  • Wer hat was vor?
  • Wer wäre zu einer Kooperation bereit?
  • Wie ist die Altersstruktur vor Ort? Wäre jemand zur Anstellung bereit?
  • Möchte jemand eine BAG gründen?
  • Stehen geeignete Räume für eine Zusammenarbeit zur Verfügung?

Diese und viele andere Puzzlesteinchen ermöglichen es, ernsthafte Pläne zu schmieden. Sie haben den Vorteil, nicht wie Seifenblasen zu platzen.MEDI-Expertin Rita Gehring berät nicht nur junge Mitglieder neutral und unabhängig zu betriebswirtschaftlichen Fragen rund um den Arztberuf.Telefon 0711 806079-272

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2 Kommentare

  1. Michael Ruland

    Das hätte ich mir bei der Niederlassung 19xx auch gewünscht, damals gab es das nur von Finanzdienstleistern mit enstprechenden Eigeninteressen. Der Beratungsbedarf ändert sich sicher im Laufe eines Praxislebens, der Nutzen aus wiederholter externer Beratung bleibt bestehen – am Ende ist es verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln.

    Antworten
  2. Baumgaertner

    Arztpraxen sind keine sozialen Einrichtungen, sondern kleine mittelständische Unternehmen, die sich am Markt behaupten müssen. Das sehen viele politisch Verantwortliche leider anders und hätten auch gerne die ambulante Versorgung ohne selbstständige und freiberufliche Ärztinnen und Ärzte organisiert. Deshalb halten wir politisch und wirtschaftlich dagegen und organisieren uns neben den KVen völlig eigenständig.
    Unsere Mitglieder brauchen bei Themen wie Bezahlung unserer Arbeit (EBM, GOÄ), neue Organisationsformen (z.B. Freiberufler MVZ), Niederlassung, Praxisabgabe, rechtliche Beratung, Versicherungen, Datenschutzverordnung, Digitalisierung und Vernetzung jede Unterstützung einer Organisation von Ärzten für Ärzte. Nur in diesem Sinne arbeiten wir daran, den selbstständigen Praxen wirklich jede sinnvolle Unterstützung geben zu können.
    Ich stimme zu, eine solche Organisation hätte ich mir zu Beginn meiner Praxistätigkeit 1985 auch gewünscht.

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Daniela-Ursula Ibach ist Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin. Sie ist für die Finanzen im Vorstand der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg zuständig. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich die Ärztin für MEDI und tritt für den Verbund auch dieses Jahr für eine weitere Amtsperiode an.Welche Themen beschäftigen sie aktuell? Und warum will sie sich für die Ärzteschaft und die junge Generation engagieren. Im Podcast mit MEDI gibt sie spannende Antworten.