Durch den neuen Facharztvertrag werden ab sofort für insulinpflichtige Diabetiker der AOK Baden-Württemberg die Kosten für modernste Geräte zur kontinuierlichen Glukosemessung von der Kasse vollständig übernommen.


Bundesweit erstmalig regelt der Vertrag den patientengerechten Bezug und die sichere Handhabung der Geräte. Dies geschieht durch ein umfassendes Angebot von Erst- und Folgeschulungen sowie eine kontinuierliche intensive Betreuung der Patientinnen und Patienten in den qualifizierten diabetologischen Schwerpunktpraxen. Zudem deckt der Vertrag die Versorgung mit Insulinpumpen sowie die Betreuung von Patientinnen mit Gestationsdiabetes ab. Vom neuen Facharztvertrag profitieren können alle Versicherten mit entsprechender Indikationsstellung, die am AOK-Facharztprogramm teilnehmen. Vertragspartner auf Ärzteseite ist MEDI Baden-Württemberg in Kooperation mit der Diabetologen Baden-Württemberg eG.

Für Diabetiker, die eine intensivierte konventionelle Insulinbehandlung (ICT) benötigen, können die neuartigen Geräte zur kontinuierlichen Glukosemessung Versorgung und Lebensqualität deutlich verbessern. Von den rund 50.000 bei der AOK Baden-Württemberg versicherten Diabetikern mit ICT trifft dies etwa auf die Hälfte zu. Zur Auswahl stehen dafür zwei Gerätetypen: sogenannte Real-Time-Messgeräte (rtCGM) und Flash Glukose Messsysteme (FGM). Seit Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), mit dem die kontinuierliche Glukosemessung als ärztliche Behandlungsmethode anerkannt wurde, steht gesetzlich Versicherten zwar die Versorgung mit rtCGM zur Verfügung. Doch das sowohl von den Patientinnen und Patienten als auch von den behandelnden Ärzten meist präferierte FGM-System ist bislang nicht umfasst. Dabei können damit bis zu 90 Prozent der Patientinnen und Patienten ihre Therapieziele erreichen. Mit Start des neuen Facharztvertrags nach §140a SGB V, der für alle teilnehmenden Ärzte rückwirkend zum 1. April in Kraft tritt, übernimmt die AOK Baden-Württemberg die Kosten für die qualifizierte Schulung und Betreuung der Patientinnen und Patienten, das FGM-Lesegerät sowie die laufende Versorgung mit Sensoren.

Gleichzeitig kümmert sich ein erfahrener Dienstleister um die komplette Abwicklung. Er liefert die Geräte direkt an die Schwerpunktpraxen. Für Übergabe und Einweisung ist ausschließlich der behandelnde Arzt zuständig. So werden die Patienten in die Lage versetzt, das Gerät auch wirklich zu ihrem Nutzen sachgerecht zu handhaben. Damit schaffen die Vertragspartner auch erstmals ein allseits rechtssicheres Verfahren. Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, erklärt dazu: „Ansonsten ist der FGM-Bezug nur über den Online-Shop des Anbieters und entsprechende direkte Registrierung der Patienten möglich. Optimale Versorgung und Datenschutz sehen anders aus. Diese Lücken schließen wir erstmals in Deutschland mit unserem Facharztprogramm.“

Dr. Richard Daikeler, Vorstand der Diabetologen Baden-Württemberg eG, kommentiert: “Dieser Facharztvertrag ist ein Meilenstein in der deutschen Diabetologie. Es wird erstmalig der erforderliche Aufwand für eine optimierte diabetologische Betreuung beschrieben.“ Insbesondere im High-end-Technologie-Bereich der interstitiellen Glukosemessung (FGM und rtCGM) und der Insulinpumpentherapie werde dadurch eine qualitativ hochwertige und sichere Versorgung für die betroffenen Menschen mit Diabetes erreicht. „Das FGM-System ist ausgesprochen beliebt, einfacher zu handhaben als ein rtCGM-System und hilft dank lückenloser Glukosekurven sowie Trendanzeigen ebenfalls dabei, Hypoglykämien frühzeitig zu erkennen. Erfahrungsgemäß empfinden viele Patienten die Alarmfunktion eines rtCGM-Systems sogar als störend. Der neue Vertrag kommt daher den Bedürfnissen vieler Patienten und ihrer Diabetesteams entgegen“, so Daikeler.

Am Vertrag teilnehmen können Ärzte für Innere Medizin, Allgemeinmedizin oder Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Endokrinologie bzw. Diabetologie, die besondere Qualitätskriterien erfüllen: unter anderem den Nachweis zur qualifiziertenPatientenschulung, die Beschäftigung oder Kooperation von/mit einem/r/ Diabetesberater/in sowie die Teilnahme am DMP Diabetes. Über 150 Ärzte haben Interesse am Vertrag gezeigt, 130 haben mit ihren Diabetesberaterinnen bereits die notwendige Vertragsschulung absolviert. Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland, betont: „Der Vertrag eröffnet den Ärzten zum einen eine angemessene Vergütung für zeitintensive Schulungen und Beratungsgespräche. Zum anderen bietet die Vertragslaufzeit von mindestens vier Jahren Kalkulationssicherheit in Bezug auf zusätzliche Maßnahmen zur Qualifizierung und Anpassung ihrer Praxisorganisation. Mit dem Vertrag setzt die AOK Baden-Württemberg auch ein wichtiges Signal, die ambulante fachärztliche Versorgung ausbauen zu wollen.“

Bildunterschrift
Die Vertragspartner nach Unterschrift des AOK-Facharztvertrags Diabetologie:
v.l.n.r. Frank Hofmann, Vorstand MEDIVERBUND AG; Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland; Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender AOK Baden-Württemberg; Dr. Richard Daikeler, 1. Vorstand der Diabetologen Baden-Württemberg eG.; Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Klaus Kusterer, 2. Vorstand der Diabetologen Baden-Württemberg eG; Dr. Erik Wizemann, Diabetologen Baden-Württemberg eG. (Foto: Maks Richter)