Mit dem heutigen landesweiten Start des ersten PJmobils in Freiburg fördert die Stiftung Perspektive Hausarzt angehende Ärzte bei ihrer hausärztlichen Tätigkeit auf dem Land. Dank der mobilen Unterstützung fährt der Medizinstudent Richard Koch (27) in seinem Praktischen Jahr (PJ) ab jetzt täglich für vier Monate von Freiburg in seine hausärztliche Lehrpraxis nach Titisee-Neustadt. Weitere acht Autos werden in Kürze an den Lehrstühlen für Allgemeinmedizin der Universitäten Freiburg, Heidelberg und Tübingen zur Verfügung gestellt. Finanziell unterstützt wird das Projekt von den Partnern des AOK-Hausarztvertrages – neben der AOK Baden-Württemberg sind das der Hausärzteverband und MEDI Baden-Württemberg – sowie dem Freiburger Autohaus Gehlert.


Die ambulante ärztliche Versorgung leidet auch in Baden-Württemberg zunehmend an Nachwuchsproblemen, besonders stark betroffen sind die Hausärzte. 35 Prozent der niedergelassenen Hausärzte sind bereits älter als 60 Jahre, das entspricht 2.500 Ärzten. Davon scheiden, wie der Versorgungsbericht der KV Baden-Württemberg ausweist, ca.1.600 in den nächsten fünf Jahren aus dem Berufsleben aus. Diese Abgänge können derzeit nicht ausreichend kompensiert werden, denn der Anteil der Facharztprüfungen im Bereich Allgemeinmedizin liegt auch in Baden-Württemberg mit jährlich rund 190 zwar über dem Bundesdurchschnitt, aber immer noch deutlich zu niedrig. Und je ländlicher die Region, desto schwieriger wird die Suche nach der Praxisnachfolge.

„Deshalb brauchen wir schlicht mehr Studienabgänger mit dem Berufswunsch Hausarzt, die auch bereit sind, selbstständig oder angestellt in ländlichen und strukturschwächeren Regionen zu arbeiten“, sagt Prof. Dr. Wilhelm Niebling, Leiter des Lehrbereichs Allgemeinmedizin der Universität Freiburg. „Eine entscheidende Weichenstellung pro Facharztausbildung Allgemeinmedizin erfolgt dabei im PJ – also im letzten Teil des Medizinstudiums, wie wir auch aus landesweiten Umfragen unter Studierenden wissen“, so Niebling weiter. Demnach könne sich auch gut ein Drittel der Befragten eine Niederlassung in einer Kleinstadt und rund ein Viertel in einer ländlichen Region vorstellen.

Genau hier setzt das Projekt ‚Junge Hausärzte fürs Land‘ an. Gemeinsam entwickelt wurde es von der Stiftung Perspektive Hausarzt, einer Initiative zur Nachwuchsförderung des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg, und der Universität Freiburg.

Die Kleinwagen werden der oder dem Studierenden im PJ vier Monate für den freiwilligen Abschnitt im Bereich Allgemeinmedizin zur Verfügung gestellt, sofern dies in einer Lehrpraxis in ländlichen Regionen mit weniger als 10.000 Einwohnern stattfindet. Die erste Resonanz ist sehr positiv, denn viele Studierende besitzen kein eigenes Auto und die meisten Landarztpraxen sind von den Universitätsstandorten aus nur schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Wer in der Stadt wohnt und sein PJ Allgemeinmedizin auf dem Land absolvieren möchte, muss also bereit sein, einiges an Zeit und Geld zu investieren.

Richard Koch ist entsprechend begeistert: „Das ist eine tolle Unterstützung für meine Arbeit“, freut sich der Medizinstudent, der nun das Hausarztleben in einer ländlichen Region hautnah miterleben wird. Dieser Weg lohnt sich besonders, denn dort sind das Patientenspektrum und die medizinischen Beratungsanlässe oft vielfältiger als in der Stadt. „Wichtig ist auch, dass der ärztliche Nachwuchs im PJ bewusst erfährt, dass sich der Hausarztberuf deutlich gewandelt hat – weg vom Einzelkämpfer mit einer 70-Stunden-Woche hin zu modernen, arbeitsteiligen Organisationsformen mit qualifiziertem Praxispersonal, angestellten Ärztinnen und Ärzten sowie Teilzeitarbeitsplätzen“, so Niebling, der auch Partner in der Lehrpraxis in Titisee-Neustadt ist.

Der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, nennt die Motive der Vertragspartner für die Unterstützung: „Unser Hausarztvertrag mit landesweit über 1,5 Millionen eingeschriebenen Versicherten ist zusammen mit den angeschlossenen Facharztverträgen ein hervorragender Baustein für die dauerhafte Sicherstellung der qualitativ hochwertigen ambulanten Versorgung vor Ort. Die alternative Regelversorgung stärkt den Hausarzt in seiner Lotsenfunktion umfassend und garantiert stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Daher unterstützen wir zusammen mit den ärztlichen Vertragspartnern auch diese sinnvolle Maßnahme zur Förderung des hausärztlichen Nachwuchses nachdrücklich.“

Weitere Informationen unter: www.stiftung-perspektive-hausarzt.de/portfolio/pjmobil

Bildunterschrift: v.l.n.r.: Dr. Marc Bernard Kreusel, Partner in der hausärztlichen Lehrpraxis in Neustadt-Titisee, Prof. Wilhelm Niebling, Leiter des Lehrbereiches Allgemeinmedizin der Universität Freiburg, Richard Koch, Student im Praktischen Jahr an der Universität Freiburg