Münster (pag) – Die Finanzierung von Dolmetschern, die die Therapie von fremdsprachigen Patienten unterstützen, und die Schaffung einer „Staatshaftung“ als Absicherung für Ärzte, die häufig Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse behandeln – das sind die jetzt aufgestellten Forderungen der Ärztekammer Westfalen-Lippe.


Der Anlass sei, dass es immer häufiger zu Kommunikationsproblemen zwischen Ärzten und Patienten komme, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. „Probleme sind da vorprogrammiert“, sagt Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst. Der Alltag zeigt dem Kammerpräsidenten zufolge, dass in solchen Fällen das gesetzlich vorgeschriebene Aufklärungsgespräch durch den Arzt nicht immer hundertprozentig gewährleistet werden kann, obwohl dies „belastbar rechtssicher“ ablaufen muss.

Oft wird in Praxen oder Kliniken laut Windhorst jedoch mit Händen und Füßen kommuniziert oder als Übersetzer agieren Personen, die dafür nicht geeignet sind – etwa Familienangehörige, insbesondere Kinder. Dies seien unhaltbare Zustände, beklagt Windhorst. „Letztendlich haftet der behandelnde Arzt.“ Er fordert vom Gesetzgeber, eine verpflichtende Regelung zur Dolmetscherfinanzierung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufzunehmen. „Es gibt zu wenig Dolmetscher und es gibt vielschichtige Sprachprobleme“, stellt Windhorst fest und plädiert in diesem Zusammenhang für die Einrichtung eines Dolmetscher-Registers, um zügig Übersetzer zu finden.

Laut Patientenrechtegesetz ist der Arzt verpflichtet, dem Patienten in verständlicher Weise während der Behandlung sämtliche Umstände zu erläutern, insbesondere die Diagnose, die Risiken der medizinischen Maßnahmen, die voraussichtliche gesundheitliche Entwicklung, die Therapie und die nach der Therapie zu ergreifenden Maßnahmen.