Berlin (pag) – Die Notfallversorgung soll „bürgernäher, bedarfsgerechter, qualitativ besser und kosteneffektiver“ werden als bisher, sagt Prof. Ferdinand Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrates (SVR) zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Konkrete Reformideen hat das Gremium auf einem Werkstattgespräch vorgestellt und mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sowie Vertretern der Selbstverwaltung diskutiert.


Eine zentrale Rolle im Konzept des SVR spielen voll integrierte, regionale Leitstellen. Sie sollen über eine bundeseinheitliche Rufnummer erreichbar sein und je nach Patientenanliegen die beste Versorgungsoption wählen. Die telefonische Beratung übernehmen geschultes Personal und Ärzte. Über die Leitstellen kann eine direkte Terminvergabe in Praxen niedergelassener Ärzte erfolgen oder in den nach den Vorstellung des Rates neu zu schaffenden integrierten Notfallzentren (INZ). Auch Hausbesuche des ärztlichen Bereitschaftsdienstes und Rettungseinsätze werden dort koordiniert.

Die sektorenübergreifenden INZ sollen an bestehenden Kliniken, aber als eigenständige organisatorisch-wirtschaftliche Einheit angesiedelt werden. Als Träger können Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) und Kliniken gemeinsam agieren. Zur Vermeidung unangemessener Anreize zur stationären Aufnahme sollten diese jedoch von KVen betrieben werden, empfiehlt der Rat. Die Finanzierung soll durch einen extrabudgetären, aus ambulanten und stationären Budgets bereinigten, separaten Finanzierungstopf für sektorenübergreifende Notfallversorgung erfolgen. Über Struktur und Finanzierung der INZ wird auf der Veranstaltung kontrovers diskutiert. Das von Gerlach skizzierte „ein Zugang und ein Tresen“-Prinzip der INZ begrüßt Johann-Magnus von Stackelberg, Vorstandsvize des GKV-Spitzenverbandes, ausdrücklich – skeptisch sieht er dagegen die eigenständige Organisation und warnt vor einem dritten Sektor. Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, findet in dem Konzept viele Dinge wieder, „die wir uns auch überlegt haben“. Abgelehnt werden die Vorschläge dagegen weitgehend von Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Die endgültigen Empfehlungen will der Rat im zweiten Quartal 2018 im Rahmen eines Gutachtens zur bedarfsgerechten Steuerung des Angebots und der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen dem Bundesministerium für Gesundheit übergeben.