Berlin (pag) – Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) kritisiert die überzogenen Kostenvoraussagen für die neuen Medikamente zur Hepatitis-C-Therapie. „Die Prognosen haben sich alle nicht realisiert“, konstatiert vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer am 25. Juli vor Journalisten. Die Vorhersagen seien instrumentalisiert worden, um gegen die Innovation Stimmung zu machen.


Statt auf den bemerkenswerten Erfolg der neuen Direct Acting Agents (DAA) wie Sofosbuvir abzustellen, habe sich die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ganz auf die Kosten fokussiert und „sich mit Horrorszenarien bis zum finanziellen Untergang des GKV-Systems übertroffen“. Dadurch habe sie ein Klima geschaffen, in dem eine zunehmende „Geiz-ist-geil-Mentalität“ um sich greift und der Wert von Innovationen nicht mehr geschätzt wird.

Die Kosten für die Behandlung der Hepatitis C waren 2014 von verschiedenen Akteuren auf insgesamt 24 Milliarden Euro oder fünf Milliarden Euro pro Jahr geschätzt worden. „Es herrschte Alarmstimmung“, sagt auch Prof. Bertram Häussler, Vorsitzender der Geschäftsführung des IGES-Instituts. Tatsächlich hätten die Ausgaben für die GKV 2015 bei knapp 1,2 Milliarden Euro und 2016 bei 717 Millionen Euro gelegen, wie eine Sonderauswertung des Arzneimittelatlas 2017 durch das Institut ergeben hat. Für dieses Jahr rechnen die Wissenschaftler mit Belastungen von 594 Millionen Euro. Laut Häussler seien die tatsächlichen Ausgaben viel niedriger gewesen, weil durchschnittlich nur rund 10.000 Erkrankte pro Jahr therapiert werden: „Die Kosten werden durch die Behandlungskapazität begrenzt, mehr können die vorhandenen Leberzentren nicht leisten.“ Eine Ausnahme bilde lediglich das Jahr 2015 mit ca. 15.000 Fällen, dafür seien es in 2013 und 2014 deutlich weniger gewesen – in Erwartung der neuen Medikamente. Ein weiterer Grund dafür, dass sich die Prognosen nicht erfüllten, sei der einsetzende Wettbewerb gewesen. Bereits 2015 kamen weitere Präparate auf den Markt, die eine Preissenkung zur Folge hatten. Heute gebe es zehn DAA-Mittel, so der Experte.

Angesichts der Erfahrungen mit Sofosbuvir warnt vfa-Vertreterin Fischer vor der Stimmungsmache gegen neue Krebsmedikamente. „Auch hier werden Horrorszenarien aufgebaut und unrealistische Prognosen instrumentalisiert“, sagt sie. Die Kassen müssten sich fragen lassen, ob es verantwortungsbewusst sei, bei jedem Innovationsschub den Untergang der gesetzlichen Krankenversicherung heraufzubeschwören. Eine Gefahr solcher Prognosen sei es, dass das Klima im Land kippe und medizinischer Fortschritt erschwert werde.