Gütersloh (pag) – Mehr als jeder vierte Deutsche befürchtet, aufgrund fehlender Informationen nicht den richtigen Arzt zu finden. Über die Hälfte der Bürger wünscht sich mehr Informationen. Arztsuchportale wären in Deutschland umsetzbar, viele Daten sind vorhanden. Doch fehle der Politik der Wille und ein Gesamtkonzept – besagt eine Studie der Bertelsmann Stiftung.


In allen Belangen fühlten sich die Befragten laut Studie nicht ausreichend informiert. Am meisten würden Informationswunsch und Informationswirklichkeit bei der Praxis-Hygiene auseinanderdriften. Am wenigsten informiert fühlten sich Patienten über die apparative Ausstattung ihres Arztes. Laut den Teilnehmern der Umfrage wäre das Internet der passende Ort für diese Informationen. Arztsuchportale müssten jedoch neutral und werbefrei sein, sagten 86 Prozent.

Wichtig seien den Befragten Informationen über: Fachkenntnis und Erfahrungen mit der Behandlung der eigenen Krankheit (94 Prozent), Hygiene in der Praxis (90 Prozent), Zusatz-Leistungen – zum Beispiel Hautscreenings und Vorsorgeuntersuchungen (84 Prozent), Behandlungsergebnisse des Arztes bei bestimmten Erkrankungen (80 Prozent), Zufriedenheit anderer Patienten (75 Prozent), Ausstattung der Praxis – zum Beispiel Röntgen- und Ultraschallgeräte (74 Prozent).

In Deutschland würden Daten über die Ausstattung, das Leistungsspektrum und die Erfahrungen der Ärzte von den Kassenärztlichen Vereinigungen erhoben, so die Studie. Die Gesundheitspolitik sehe jedoch bisher nicht vor, diese öffentlich zu machen. Andere Industrieländer, allen voran England und die USA, gingen offener mit ihren Daten um. Patienten könnten sich dort ohne Zugangsbeschränkungen über angebotene Leistungen und die Qualität des Arztes informieren. Das Ergebnis des von der Bertelsmann Stiftung in diesem Kontext in Auftrag gegebenen Rechtsgutachtens zum Datenschutz zeige ferner auf, dass die Privatsphäre der Patienten nicht gefährdet wäre, wenn Daten anonymisiert genutzt würden. Wie in anderen Ländern solle die Politik „eine neutrale Datenannahmestelle errichten und die Kassenärztlichen Vereinigungen dazu verpflichten, ihre Daten bereitzustellen“, sagt Roland Rischer, Geschäftsführer der Weissen Liste der Bertelsmann Stiftung. Auch Patientenerfahrungen sollten veröffentlicht werden.

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