Berlin (pag) – Welche Lehrkrankenhäuser die Leistungen der Medizinstudierenden während des Praktischen Jahres (PJ) entlohnen, zeigt die aktuelle „PJ-Liste“ des Hartmannbundes. Sie bietet außerdem Einblicke in die Sachleistungen der Kliniken und ist damit eine gute Orientierungshilfe bei der Suche nach PJ-Stellen, so der Berufsverband.



„Die Liste soll aber nicht nur Entscheidungshilfe sein, sie soll auch den Druck auf diejenigen Lehrkrankenhäuser erhöhen, die es noch immer nicht für notwendig halten, die von den Studierenden im Praktischen Jahr erbrachten Leistungen, angemessen zu würdigen. Hier wollen wir den Finger in die Wunde legen“, sagt Christian Wolfram, Vorsitzender des Ausschusses der Medizinstudierenden im Hartmannbund, bei der Vorstellung der Liste in Berlin. Gegenüber der Erhebung im Jahr 2015 habe es einen leicht positiven Trend gegeben. Zum Beispiel sei der Anteil der Lehrkliniken, die die PJler mit mehr als 400 Euro entlohnten, um gut vier Prozent gestiegen. Allerdings zahlten immer noch 147 Kliniken überhaupt keine Aufwandsentschädigung. Die Medizinstudierenden im Hartmannbund fordern seit langem eine faire Entlohnung ihrer Leistungen während des PJ. Konkret sehen sie eine bundesweit einheitliche Aufwandsentschädigung in Höhe des BAföG-Satzes – aktuell 735 Euro – als angemessen an. Auch der Deutsche Ärztetag hätte bereits 2014 den Gesetzgeber und die verantwortlichen Ausbildungsstätten, Universitätskliniken und Krankenhäuser aufgefordert, allen Studenten eine entsprechende Entschädigung zu zahlen.

Dass gerade in attraktiven Metropolen wie Berlin (39 von 43 Lehrkrankenhäusern zahlen nichts) oder München (36 von 60) häufig überhaupt keine Aufwandsentschädigung gezahlt würde, dokumentiert nach Wolframs Überzeugung einen Teil des Dilemmas: „Die Bezahlung im PJ ist häufig leider noch immer eine Frage von Angebot und Nachfrage. Dort, wo es einen erkennbaren Andrang bei der Bewerbung um PJ-Plätze gibt, sitzen die Kliniken das Thema Vergütung aus. Dort wo Mangel herrscht, ist die Bereitschaft zu zahlen deutlich höher.“ Ziel müsse es sein, nicht Marktmechanismen regieren zu lassen, sondern das Bewusstsein der Krankenhäuser dafür zu wecken, dass die Leistung der PJler eine faire Bezahlung wert sei.