Wie zufrieden sind die MEDI-Mitglieder in Nordbaden mit ihrem Ärzteverbund? Um Antworten auf diese und andere Fragen zu bekommen, hat MEDI Nordbaden/NAI eine Mitgliederumfrage durchgeführt. Daran haben von den angeschriebenen 763 Ärzten und Psychotherapeuten 98 (12,8%) teilgenommen.




84% der Befragten waren Männer, 16% Frauen. Die meisten Antworten kamen von Mitgliedern, die zwischen 51 und 60 Jahren alt sind. Über 60% der Befragten arbeiten in einer Einzelpraxis, fast 90% ziehen die Selbstständigkeit in eigener Praxis vor. Über 70% der Umfrageteilnehmer gaben an, auch in anderen Berufsverbänden aktiv zu sein. MEDI-Pressesprecherin Angelina Schütz interviewte Dr. Michael Eckstein, Vorstandsmitglied von MEDI Nordbaden/NAI, zu den Ergebnissen.

Schütz: Für die Arbeit der MEDI-GbRen in Nordbaden gab es die Schulnote 1,8. Hat Sie das überrascht?

Eckstein: Unser Vorstand hat sich sehr darüber gefreut und ist dementsprechend motiviert, mit viel Energie an den MEDI-Zielen weiterzuarbeiten. Da wir auch auf den regelmäßigen Regionalversammlungen in Walldorf, wo sich GbR-Sprecher und aktive Mitglieder treffen, viel positives Feedback bekommen haben, hat mich das Ergebnis aber nicht wirklich überrascht. Leider spiegeln sich die Zufriedenheit unserer Mitglieder und die Bewertung unserer Arbeit nicht immer in ihren eigenen berufspolitischen Aktivitäten oder der Wahlbeteiligung wider. Das haben wir auch bei den KV-Wahlen beobachtet. Hier würden wir uns mehr Engagement und Unterstützung wünschen. Es ist wohl so, dass unsere Mitglieder denken, „die machen das schon ordentlich“ und deswegen kaum eigene Aktivitäten entwickeln.

Schütz: Wie sinnvoll halten Ihre Mitglieder die regionale GbR-Struktur?

Eckstein: Fast drei Viertel der Mitglieder halten die regionale Struktur in Form von MEDI-GbRen für sinnvoll. 16% sehen das nicht so und 14% haben keine Angaben dazu gemacht. Diese positive Einschätzung ist nicht nur für Nordbaden von Bedeutung, sondern sicher auf alle MEDI-Regionen in Baden-Württemberg übertragbar. Neben einem starken Verband mit seiner Zentrale in Stuttgart schätzen die Mitglieder die lokale Verbundenheit. Man kennt sich, die Informationswege sind kurz, die örtlichen Gegebenheiten spielen eine Rolle und alles ist weniger anonym. Die Basis kann mit dem Vorstand in Verbindung treten und umgekehrt. Deswegen halten wir an der GbR-Struktur fest. Ob es notwendig sein wird, einzelne GbRen anders zu organisieren, müssen wir vor Ort diskutieren und entscheiden.

Schütz: Welche MEDI-Themen interessieren Ihre Mitglieder am meisten?

Eckstein: Freiberuflichkeit, verbunden mit dem Stichwort „eigener Chef sein“, und ärztliches Honorar. Der Erhalt der Freiberuflichkeit ist ja auch für MEDI ein ganz wichtiges Thema, das uns auch in den nächsten Jahren sehr beschäftigen wird. Darüber hinaus bewerten unsere Mitglieder die GOÄ- und EBM-Reform, die Gefahr einer Verstaatlichung des Gesundheitswesens und ihre persönlich Work-Life-Balance als wichtig.

Schütz: Und was kommt nicht so gut an?

Eckstein: Neue Kooperationsformen und davor noch die Digitalisierung der Medizin. Das liegt wohl daran, dass der Großteil der Umfrageteilnehmer ja zwischen 51 und 60 Jahren alt war und diese Themen eher jüngere Kolleginnen und Kollegen ansprechen. Auf der anderen Seite wird auch diese Altersgruppe nicht drum herumkommen, sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen. Sowohl wir als auch unsere Landes- und Bundesspitze werden dieses Thema entsprechend weiterentwickeln und kommunizieren müssen.

Schütz: Was werden Sie mit den Umfrageergebnissen anfangen?

Eckstein: Wir werden Themen wie Freiberuflichkeit, drohende Verstaatlichung des Gesundheitswesens, Überregulierung und Substitution durch andere Heilberufe auch in den nächsten Jahren vorrangig behandeln. Digitalisierung ist ein weiterer wichtiger Bereich, den MEDI mit viel Einsatz weiterführen wird. Wir werden uns aber auch stärker der jüngeren Generation zuwenden. Hier haben wir mit Sicherheit Nachholbedarf und müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir jüngere Kolleginnen und Kollegen, die oft andere Erwartungen an ihren Beruf haben als meine Generation, in MEDI integrieren können – auch unter dem Gesichtspunkt des bevorstehenden Generationenwechsels. Die Umfrage hat uns einerseits in unserer Arbeit bestätigt, andererseits stehen wir vor der Herausforderung, neue Entwicklungen so zu begleiten, dass unsere Mitglieder diese mittragen und wir auch neue Mitglieder gewinnen.