Berlin (pag) – „Man kann Big Data nicht aufhalten, aber sehr wohl gestalten“, sagt der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Bei der Präsentation der lang erwarteten Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zu Big Data erläutern der Vorsitzende des Gremiums, Prof. Peter Dabrock, und Ratsmitglied Prof. Steffen Augsberg, wie dies gelingen kann.


Im Mittelpunkt stehen die klassischen Datenschutzmechanismen, die sich laut Dabrock „als nicht mehr ausreichend oder sogar als dysfunktional“ erwiesen haben. Hier müsse man neue Wege gehen, denn es sei „gegenüber den vielen Menschen, denen signifikante Gesundheitsverbesserungen winken, unverantwortlich, wenn man diese Chancen gesellschaftlich wegen der alten Datenschutzprinzipien verbieten wollte“. Für den Einsatz von Big Data im Gesundheitswesen gelte: „Teilen ist Heilen.“

Augsberg ergänzt, das Datenschutzrecht befinde sich derzeit in einem Umbruchprozess. Als Beispiele nennt er die EU-Datenschutzgrundverordnung, das Bundesdatenschutzgesetz und die noch im Gesetzgebungsverfahren befindliche europäischen E-Privacy-Verordnung. Ein ethisch orientierter Umgang mit Big Data müsse sicherstellen, dass „für den Einzelnen zumindest die realistische Möglichkeit besteht, die eigene Identität zu bewahren und zu gestalten sowie die eigenen Handlungen vor sich und anderen zu verantworten“. Verantwortung trage dabei nicht nur der Einzelne: „Sie trifft auch Institutionen und insbesondere den Staat.“

Die Stellungnahme enthält daher eine Reihe von Handlungsempfehlungen, die sich vor allem an die Politik richten. Eine davon lautet, die rechtliche Möglichkeit für Individuen zu schaffen, die umfassende Nutzung ihrer Daten für die medizinische Forschung ohne Zweckbindung zu erlauben. Dieses vom Ethikrat als „Datenspende“ bezeichnete Konzept setze eine Aufklärung über mögliche Konsequenzen voraus – auch mit Blick auf die Rechte anderer, etwa mitbetroffener Familienmitglieder. Darüber hinaus regt das Gremium zum Beispiel an, die digitale Bildung zu fördern und bereits in der Schule bei den Kindern „ein Bewusstsein für die rechtlichen, sozialen und ethischen Implikationen zu schaffen. Die Vermittlung solcher Nutzerkompetenz sollte daher zukünftig Teil der Lehreraus- und -fortbildung werden.“ (Foto: pag)

Die Stellungnahme ist online verfügbar unter: http://www.ethikrat.org/publikationen/stellungnahmen/big-data-und-gesundheit-1