Göttingen/Berlin (pag) – Eine neue Studie des Instituts für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua) im Auftrag des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) schlägt ein Konzept für die Notfallversorgung vor, mit dem Patienten gezielter in die für sie geeignete Versorgungsform gelangen. Die Vorschläge schlagen bereits jetzt hohe Wellen.


Das aQua-Konzept hört sich denkbar einfach an: Wenn Patienten in die Notaufnahme eines Krankenhauses kommen, nehmen qualifizierte Pflegekräfte anhand eines standarisierten Verfahrens eine Ersteinschätzung vor. Diese Einschätzung, so die Hoffnung der Experten, ermöglicht eine zuverlässige Einordnung, bei der insbesondere schwere Erkrankungen und Verletzungen sicher erkannt bzw. ausgeschlossen werden können. Im Anschluss bleiben die Patienten entweder in der Klinik oder werden in die ambulante Versorgung weitergeleitet.

Die richtige Patientensteuerung ist bereits seit Jahren eine Dauerdebatte in der Gesundheitspolitik. Konsens zwischen den beteiligten Akteuren ist, dass zu viele Patienten, die kein Notfall sind, in den Krankenhäusern statt in den Praxen landen. Die Patienten würden in die Krankenhäuser kommen, weil diese über „tief gefächerte diagnostische Möglichkeiten und modernste medizintechnische Ausstattungen“ verfügen, sagt Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Den Vorschlag, die Ersteinschätzung durch geschulte Pflegekräfte durchzuführen, lehnt der DKG-Chef kategorisch ab.

Das aQua-Team plädiert neben der Steuerung vor Ort dafür, dass Patienten „bevor sie sich auf den Weg machen“ bereits telefonisch über den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117 informiert werden, wohin sie am besten gehen: Klinik oder Praxis. „Um einen maßgeblichen Einfluss auf die Patientenströme zu haben, müsste die Bekanntheit der Nummer allerdings noch stärker in der breiten Öffentlichkeit verankert werden“, heißt es in der Mitteilung des aQua. „Wir brauchen allerdings eine gesetzliche Grundlage dafür, dass wir den Bereitschaftsdienst rund um die Uhr anbieten können“, sagt Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der sich ebenfalls für eine telefonische Ersteinschätzung ausspricht.

Das vorgeschlagene Konzept zur Notfallversorgung gibt es online unter https://www.zi.de/cms/fileadmin/images/content/Gutachten/Projektbericht_aQua-Institut_Ersteinsch%C3%A4tzung_von_Notfallpatienten.pdf