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Rundschreiben 27.07.2007

An alle MEDI Mitglieder in Baden-Württemberg
26. Juli 2007
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
die
Diskussionen auf unserer „Tour de Ländle“ haben gezeigt, dass unsere
Praxen aus den GKV-Einnahmen selbst im wirtschaftlich starken
Baden-Württemberg kaum noch finanzierbar sind. Ausnahmen mögen die
Regel bestätigen, dennoch kann es so nicht mehr lange weitergehen.
Verschärft
wird unsere wirtschaftliche Situation noch durch die Zusammenlegung der
KVen, begleitet von einer erfolglosen Honorarpolitik der KVBW und einer
ab 2009 einheitlichen Vergütung in ganz Deutschland mit Geldabflüssen
aus Baden-Württemberg. Zudem wird der Gesundheitsfonds noch weitere
Mittel aus dem Südwesten abziehen. Deshalb empfinde ich es fast als
Zynismus, wenn der KBV-Vorsitzende die gleiche Geldmenge neu verteilen
möchte, dieses Mal eben in Form von Pauschalen.
Unsere
Arbeitsschwerpunkte und Projekte dienen also einerseits einer besseren
politischen Lobby durch einen Zusammenschluss der Verbände und
andererseits der wirtschaftlichen Stärkung unserer Praxen durch
Vernetzung und neue Vertragsformen bis hin zum Systemausstieg.
Hier in Kürze unsere Arbeitsschwerpunkte:
Bei
der letzen Vertreterversammlung (VV) konnten wir mehrheitlich einen
Antrag verabschieden, der fordert, dass 2008 der jetzige HVM noch
weitergeführt wird, damit wir nicht 2008 mit einem neuen HVV und 2009
mit einem neuen bundesweiten EBM konfrontiert werden. Zudem hat die VV
einen Vertrag nach § 73 b mit der BKK-Vertragsgemeinschaft abgelehnt.
Der Vertrag ist inakzeptabel schlecht und soll deshalb nicht
präjudizierend für andere 73er-Verträge gelten. Wir brauchen
73er-Verträge für Haus- und Fachärzte, die zusätzliches Geld in unsere
Praxen bringen.
Mit
den Beschlüssen zur eCard können wir zufrieden sein, unsere Forderungen
werden zunehmend berücksichtigt. Schon vor dem Modellversuch sollen die
Themen der zentralen Datenspeicherung, der Finanzierung des
Mehraufwands in unseren Praxen und der Haftung bei falschen Daten
geklärt sein, sonst lehnen wir weiterhin bereits die Teilnahme am
Modellversuch ab.
- Teilgemeinschaftspraxen (TGP)
Mit
Bedauern mussten wir eine Verschärfung der Berufsordnung bzgl. der
Kooperation von Einzelpraxen hinnehmen. Damit sind die Einzelpraxen und
ihre Zusammenschlüsse schlechter gestellt als MVZ und
Kapitalgesellschaften. Auf unsere bisherigen TGP-Verträge haben die
Beschlüsse zwar keinen Einfluss, aber die neue Verschärfung könnte die
Weiterentwicklung der TGP und eine Kooperation unterschiedlicher
Fachgruppen erschweren. Ob wir deswegen rechtliche Schritte einleiten
werden oder die TGP lieber in andere Rechtsformen überführen, wird
derzeit in unseren Gremien diskutiert. Trotzdem möchte ich Sie an dieser Stelle aufrufen, sich in TGP zusammenzuschließen.
Ganz egal, ob Sie besondere Leistungen anbieten oder bei Leistungen,
die Ihre Patienten gerne hätten, die Kooperation mit Kollegen suchen.
Wir können mehr als GKV-Medizin und müssen besonders im
Präventions-Bereich unseren Patienten mehr bieten.
- Einzelverträge nach § 73ff. - Bosch BKK-Vertrag für Haus- und Fachärzte – ARGE BW
Ein
erster guter Vertrag ist uns mit der Bosch BKK gelungen. Hier gibt es
eine On-Top-Vergütung für Haus- und Fachärzte. Wir wollen entweder
diesen Vertragstypus selbst mit anderen Kassen abschließen oder den
Kassen zusammen mit dem Hausärzteverband und anderen Landesverbänden in
der ARGE BW weitere 73er-Verträge mit Bereinigung der Gesamtvergütung
anbieten. Ziel des Zusammenschlusses der Verbände ist es, dass wir
nicht auseinanderdividiert werden und die ersten Wochen der
Zusammenarbeit – insbesondere auch zwischen HÄV und MEDI – geben Anlass
zur Hoffnung, dass wir die gemeinsamen Ziele auch erreichen können.
- Docpharm, Aliud und Bonusverträge
Die
finanzielle Stärkung unserer MEDIVERBUND Dienstleistungs GmbH lag mir
immer sehr am Herzen. Weil wir für Öffentlichkeitsarbeit, politische
Aktivitäten und juristische Auseinandersetzungen, die künftig sicher
nicht weniger werden, deutlich mehr Geld brauchen als bisher. Zudem
soll unsere GmbH ein ernst zu nehmender Partner im Gesundheitsmarkt
werden und jedes kleine Krankenhaus verfügt derzeit über eine größere
Kapitaldecke als unser Unternehmen.
In diesem Zusammenhang
ist mir völlig unverständlich, warum unsere Mitglieder unsere Partner
Docpharm und Aliud nicht stärker berücksichtigen. Statt dessen
bedient man lieber Bonusverträge oder lässt gar das Aut-idem-Kreuz weg,
wodurch der Apotheker Bonusverträge bedienen muss. Nach meinen
Informationen lassen 80 % der Kollegen das Aut-idem-Kreuz weg! Und
dabei habe ich noch die erbitterten Diskussionen vor einigen Jahren im
Ohr, als unsere Beteiligung am Pharmamarkt kritisch gesehen wurde, da
man dem Patienten einen Wechsel des Präparats nicht zumuten könne.
Ich
weise an dieser Stelle darauf hin, dass nach einem BGH-Urteil vom 17.
April dem Arzt beim Weglassen des Aut-idem-Kreuzes eine erhöhte
Aufklärungspflicht obliegt! Zudem geben wir mit dem Einverständnis der
Substitution durch den Apotheker ein wichtiges Stück unserer
Therapiehoheit ab. Wenn das erst einmal einreißt, werden wir immer mehr
von unserer Therapiehoheit opfern – bei allen von uns veranlassten
Leistungen! Ich bitte Sie also, einerseits auf Ihren Rezepten „Kein
Aut-idem“ anzukreuzen und andererseits unsere GmbH zu stärken, indem
Sie unsere Partnerfirmen bei der Verordnung berücksichtigen. Diese
bieten seit Jahren gute Qualität und einen guten Preis. Wenn Sie diese
Produkte verordnen, brauchen Sie keine Regresse zu fürchten!
Nach
einem Urteil des Bundessozialgerichts zum Systemausstieg der
Kieferorthopäden in Niedersachsen wird in vielen Medien der falsche
Eindruck erweckt, dass ein Systemausstieg für Niedergelassene nun nicht
mehr möglich sei. Diese Informationen sind falsch! Gerade auf unsere Konzeption zum Systemausstieg durch Korbmodelle hat dieses Urteil keinen Einfluss!!!
Wir
sehen in dem Urteil allenfalls einen Nachteil für die Patienten, die
bei einem kollektiven Ausstieg so lange keinen Arzt finden, bis die
Sozialministerien ein Systemversagen festgestellt haben. Ist dieses
festgestellt, gilt § 95 SGB V und der Anspruch auf den einfachen
GOÄ-Satz gegenüber den Kassen, sofern wir dies akzeptieren und nicht
Verhandlungen über andere Lösungen fordern.
Der Systemausstieg bleibt ein zentrales Thema. Deshalb organisieren wir am
Mittwoch, 7. November in Stuttgart auf dem Killesberg eine
Auftaktveranstaltung zu den Körben in Baden-Württemberg unter dem Motto
„Können wir unsere Freiberuflichkeit nur durch einen Systemausstieg
sichern?“ Für das Podium sind eingeladen Prof. Hoppe sowie die Kollegen Bittmann, Grauduszus und Hoppenthaller. Diese
Veranstaltung soll ein politisches Signal setzen und ist die
Fortsetzung unserer Proteste. Deshalb brauchen wir eine hohe
Teilnehmerzahl, damit wir ein Signal auch über Baden-Württemberg hinaus
senden können! Ich bitte Sie deshalb alle, sich diesen Termin
jetzt schon vorzumerken und auch Ihre Kolleginnen und Kollegen zu
motivieren. Es kann nicht sein, dass wir im Sachleistungssystem
gefangen gehalten werden und keine Vorbereitungen treffen dürfen, um
uns daraus zu befreien.
Zum
Schluss wünsche ich Ihnen schöne Ferien und gute Erholung. Wir stehen
vor richtungsweisenden Aktivitäten in der 2. Jahreshälfte und ich bin
mir nach wie vor sicher, dass es uns gelingen wird, bessere
Rahmenbedingungen für unsere Praxen zu erstreiten.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen Dr. med. Werner Baumgärtner Vorstandsvorsitzender
!!! Neue Plakate zur Patienten-Aufklärung !!!Liebe Kolleginnen und Kollegen, gerade jetzt ist Aufklärung notwendig, da unsere Patienten die Auswirkungen der Gesundheitsreform spüren. Deshalb
senden wir Ihnen ab 3. August sechs verschiedene Plakate zu den Themen
Gesundheitsreform und eCard. Bitte hängen Sie diese Plakate in Ihrer
Praxis auf, einzeln, nach und nach oder alle zusammen. Weitere werden
bis zur Bundestagswahl folgen. Zu den PlakatenWenn
Sie unsere Arbeit unterstützen wollen, bitten wir Sie um Überweisung
eines freiwilligen Solidarbeitrags von 10 Euro zur Deckung der Unkosten
auf folgendes Konto: MEDI BW, BLZ: 600 501 01, KNR: 7 612 374 bei der BW Bank Stuttgart. Vielen Dank für Ihr Verständnis!
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